Günter Bäbler, Sie sind Präsident des Titanic-Vereins Schweiz, was waren die letzten Worte des Kapitäns Smith?
Man sagt, er soll mit einem Megaphon bewaffnet den ertrinkenden Passagieren «Be British!» zugerufen haben. Sicher ist lediglich, dass er wohl auf der Brücke stand und mit dem Schiff unterging.
Woher stammt Ihr Interesse an einer fast hundert Jahre alten Tragödie?
Die Titanic ist immer aktuell. Als Sinnbild für Katastrophe ist sie Gegenstand von Stammtischdiskussionen, aber auch Metapher für politische Debakel. Allerdings ist ihre Bedeutung auf dem Rückzug, der James-Cameron-Film von 1997 war für die meisten eine Überdosis.
Der Film war also mehr Fluch als Segen für Ihren Verein?
Wir hatten dank dem Film zeitweise 400 Mitglieder. Als die aber feststellen mussten, dass wir kein DiCaprio-Fanclub sind, waren sie schnell wieder weg. Der harte Kern der heute 250 Mitglieder ist jedoch seriös interessiert.
Was heisst seriös?
Wir sind kein Schützenverein, unsere Vereinsaktivität besteht vor allem darin, viermal im Jahr ein Magazin herauszugeben, die «Titanic Post».
Investigativer Anspruch?
Absolut, unser grösster Coup: Wir waren die ersten, die ein Foto des Eisbergs zeigten, mit dem die Titanic kollidierte. Die Titanic war immer auch Hort abstruser Verschwörungstheorien. Erklären Sie uns bitte aus aktuellem Anlass die Papst-Titanic-Connection. Hält man die Baunummer der Titanic, 390904, in den Spiegel, liest man «No Pope», also «kein Papst». Angeblich ein Hinweis, dass das Schiff nicht getauft worden war. Für Verschwörungstheoretiker habe ich indes schlechte Nachrichten: Tatsächlich war die Baunummer 401, die ergibt gespiegelt nichts. Die Geschichte der Titanic ist dramatisch genug, sie braucht keine Mythen.
Haben Sie Kontakt zu Überlebenden?
Es gibt noch drei. Millvina Dean (93) ist Ehrenmitglied im Verein, die anderen beiden, Lilian Asplund und Barbara West, wollen nichts mit dem Thema zu tun haben.
www.titanicverein.ch