Von dem Offensichtlichen sei hier nur am Rande die Rede: davon, dass die Schweiz laut Weltbank die reichste Nation der Welt ist, dass nirgendwo mehr Millionäre leben als bei uns, dass wir der 1979 formulierten Prophezeiung des Philosophen Günter Anders nie näher waren als heute: «Wir sind der Perfektion unserer Produkte nicht gewachsen. Wir stellen mehr her, als wir verantworten können. Wir glauben auch zu dürfen, was wir können.»
Für dieses Heft haben wir die gescheiten Überlegungen und moralischen Bedenken beiseite gelegt und uns neugierig umgetan im goldenen Käfig der Reichen und Schönen. Aber nicht im Illustriertenkäfig der Promis, deren hysterischer Spass und übergeschnappte Parties den Verdacht nahelegen: Alles könnte gleich vorbei sein.
Wir haben stattdessen Menschen gesucht, die so unfassbar schön und reich sind, dass sie es nicht mehr nötig haben zu protzen. Für die Paris Hilton ein armes Mädchen oder Claudia Schiffer «ein wenig puppenhaft» ist. Wir wollten von ihnen wissen, wie fühlt es sich an, auf der Innenseite vom Pelz?
Vielleicht hatten wir heimlich gehofft, bei unseren Recherchen auf Spuren des Verdrusses zu stossen, auf Menschen, die trotz dem alten Geld und der wohlerzogenen Schönheit gern anders wären. Vielleicht hatten wir gehofft, dass, in letzter Konsequenz, Reichtum und Schönheit eben doch nicht glücklich machen. Und tatsächlich, auch die Reichen und Schönen fragen sich: Was will ich wirklich? Was bleibt? Und es kam vor, dass der eine oder andere in einem kurzen Moment innehielt und sich fragte, ob die Vorzüge des Lebens nicht letztlich eine Bürde seien. Ob geschenktes Geld nicht mindestens so viel Verlust wie Gewinn bedeutet.
Der Moment ging vorüber wie das schlechte Gewissen nach einer langen Nacht.
Zusammenfassend kann berichtet werden: Es geht ihnen ausgesprochen gut, den Ewigschönen und Immerreichen. Oder, wie Zsa Zsa Gabor es formulierte: «Ich weine lieber in einem Rolls-Royce als in einer Strassenbahn.» Wer das als oberflächlich abtut, wer innere Schönheit der äusseren vorzieht, wer Reichtum verwerflich findet, den wird dieses Heft langweilen, erschrecken, anwidern. Und er wird es vielleicht doch lesen, denn hinter dieser Verachtung steckt nicht nur eine löbliche Weltsicht, sondern auch Neugierde und eine kleine Spur Neid.