Die Risiken des Lebens zu kalkulieren gehört zum Geschäft der Lebensversicherer. Dabei stützen sie sich auf eine Fülle von Statistiken, die Aufschluss geben über Lebenserwartung, Sterblichkeit und ausserordentliche Risiken, je nach Lebensstil, Beruf oder Freizeitbeschäftigung. - Begriffe und Kennziffern zum Risiko des Lebens.
Lebenserwartung. Sie bezeichnet die durchschnittliche Zahl der Jahre, welche die Menschen eines bestimmten Alters noch zu leben haben. Als statistische Grösse am geläufigsten ist dabei die Lebenserwartung der Neugeborenen, die in der Schweiz 1993/94 für das männliche Geschlecht 75,1 und für das weibliche 81,6 Jahre betrug. Da es Menschen gibt, die schon im Säuglings- oder Kindesalter sterben, nimmt mit zunehmendem Alter die durchschnittliche Lebenserwartung zu. So wird ein heute 50jähriger Mann im Schnitt 78,3, eine 50jährige Frau 83,5 Jahre alt; bei einem 70jährigen Mann sind es dann bereits 82,6 Jahre, bei einer 70jährigen Frau 86,1 Jahre. Weil anzunehmen ist, dass sich der Trend der letzten Jahrzehnte fortsetzen wird, dürfte ihre effektive Lebenserwartung allerdings noch höher liegen.
Die Sterbenswahrscheinlichkeit. Sie bezeichnet in einer bestimmten Stichgrösse von Personen gleichen Alters und Geschlechts den Prozentsatz, der innerhalb einer gewissen Zeitspanne voraussichtlich sterben wird. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres zu sterben, ist im Säuglingsalter mit fast einem Prozent beim männlichen Geschlecht relativ hoch, erreicht im Alter von 10 Jahren mit 0,2 Promille ihren Tiefpunkt, im Alter von 20 bis 25 Jahren ein Zwischenmaximum (Unfälle!) und nimmt dann bis zum 30. Altersjahr wieder leicht ab. Von da an steigt der Wert wieder an, zunächst sehr langsam, mit zunehmendem Alter immer rascher. Mit 90 Jahren beträgt er dann um die 20 Prozent. Die Sterbenswahrscheinlichkeit der Frauen ist vor allem im jungen Alter deutlich niedriger.
Todesursachen. Herz- und Kreislaufkrankheiten und Krebs sind die häufigsten Todesursachen in den Industrieländern. Sie betreffen in der Schweiz 69 Prozent der Todesfälle bei den Männern und 72 Prozent bei den Frauen. Der nicht natürliche Tod - Unfall, Mord, Suizid - macht 10 Prozent aus. Auch hier gilt es jedoch, nach Altersgruppen zu unterscheiden: bei Jugendlichen steht der Tod durch Unfall im Vordergrund.
Die Übersterblichkeit. Die Risiken, früher zu sterben als der Durchschnittsmensch, sind vielfältig. Der allgemeine Gesundheitszustand, der Lebensstil, der soziale Status beeinflussen Sterblichkeit und Lebenserwartung. Versicherer legen ihr Hauptaugenmerk vor allem auf den medizinischen Bereich. Hat ein Antragssteller für eine Lebensversicherung bereits eine Krankheit oder ein Gebrechen, wird auf Grund von statistischen Erfahrungswerten die Wahrscheinlichkeit eines verfrühten Todes, die sogenannte Übersterblichkeit, ermittelt. Daraus ergibt sich je nachdem ein Prämienzuschlag. 90 Prozent aller Antragsteller werden jedoch zum Normaltarif versichert.
Berufsrisiken. Die höchsten unfallbedingten Todesfallrisiken verzeichnet der elektrische Freileitungsbau mit 1,55 Promille Todesfällen pro Jahr; aber auch im Forstbetrieb, bei Dachdeckerarbeiten und bei den Arbeiten in Kies- und Betonwerken ist das Todesfallrisiko mit 0,62 Promille relativ hoch. Am andern Ende der Skala figurieren mit weniger als 0,01 Promille die Branchen Feinmechanik, Optik, Uhren- und Schmuckherstellung.
Nichtberufsrisiken. Seit Ende der achtziger Jahre sind die Freizeit und das Leben zu Hause für die Erwerbstätigen gefährlicher als die Erwerbstätigkeit. Dabei sind die Freizeitunfälle im Durchschnitt schwerer als die Berufsunfälle; das Risiko eines tödlichen Freizeitunfalles ist sogar vier- bis fünfmal so gross wie beim Arbeitsunfall. Eine besonders gefährliche Freizeitsportart ist das Segelfliegen mit einem Todesfallrisiko von 1,8 Promille, während Pistenskifahren mit 0,01 Promille relativ harmlos ist. Im Haushalt gefährdet sind vor allem ältere Leute. Das Risiko, dort bei einem Sturz zu Tode zu kommen, ist im Alter zwischen 75 und 84 Jahren sechsmal höher als der Durchschnittswert von 0,23 Promille, und unter den Betagten über 85 Jahre klettert es auf den sehr hohen Wert von 6,3 Promille bei den Männern und 7,7 Promille bei den Frauen. Diese Werte sind nicht einmal bei extremen Sportarten gegeben.
Risikofaktor Rauchen. Rein statistisch gesehen ist die Sterblichkeit von Rauchern bis doppelt so hoch. Männlich sein und Zigaretten rauchen kostet 2250 Tage der mittleren Lebenserwartung. Raucherinnen haben eine um 800 Tage kürzere Lebenserwartung. Dennoch werden in Europa Raucher und Nichtraucher noch weitgehend zu den gleichen Bedingungen versichert, während etwa in den USA die Differenzierung weiter fortgeschritten ist.
Risikofaktor Alkohol. Im Gegensatz zum Rauchen nimmt hier die Sterblichkeit nicht linear zu. Die Kurve ist vielmehr U-förmig, das heisst: mässiger Alkoholkonsum hat eine eher positive Auswirkung auf die Lebenserwartung. Vor allem die kardiovaskulären Erkrankungen sind bei mässigen Weintrinkern weniger häufig als bei Abstinenten. Bei hohem Alkoholkonsum nimmt aber auch hier das Risiko rasant zu.
Risikofaktor arm sein. Gemäss einer Studie in Grossbritannien ist die Sterblichkeit in der niedrigsten Einkommensschicht zwei- bis dreimal grösser als in der höchsten. Auch Verheiratete haben eine niedrigere Sterblichkeit als Ledige, was allerdings auf einen je nach Zivilstand unterschiedlichen Lebensstil zurückzuführen ist. (hel.)
Zusammengestellt nach Angaben der Schweizer Rück und Andreas Fritzsche, Autor des Buches «Wie gefährlich leben wir?»