DAS TABAKMOTIV ist in der deutschen Literatur seit dem siebzehnten Jahrhundert fast allgegenwärtig. Stefan Neumann hat dem Phänomen die Studie «Des Lebens bestes Teil» (Trier 1998) gewidmet. Wir nähern uns dem Thema spielerisch mit einem Quiz, das gleichzeitig Anregung zur Lektüre sein will. Setzen Sie zu jedem Buchstaben die passende Zahl, nach dem Motto: Sechs Zitate suchen ihren Autor.
A Ich verstehe nicht, wie jemand nicht rauchen kann - er bringt sich doch, sozusagen, um des Lebens bestes Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen! Wenn ich aufwache, so freue ich mich, dass ich tagsüber werde rauchen dürfen, und wenn ich esse, so freue ich mich wieder darauf, ja ich kann sagen, dass ich eigentlich bloss esse, um rauchen zu können, wenn ich damit natürlich auch etwas übertreibe.
B Basedow hingegen, viel zu sehr in sich gedrängt, konnte nicht auf sein Äusseres merken. Schon dass er ununterbrochen schlechten Tabak rauchte, fiel äusserst lästig, umso mehr, als er einen unreinlich bereiteten, schnell Feuer fangenden, aber hässlich dunstenden Schwamm, nach ausgerauchter Pfeife, sogleich wieder aufschlug und jedesmal mit den ersten Zügen die Luft unerträglich verpestete.
C . . . sie standen beide eine Weile schnuppernd in der Tür, gingen im Büro hin und her wie aufgeregte Hunde, der Geschäftsführer kroch unter den Schreibtisch, wo offenbar eine ganze Rauchwolke sich erhalten hatte, stand auf, klopfte sich die Hände ab, lächelte triumphierend und sagte: «Ja, Herr Geheimrat, das war eine Partagas Eminentes.»
D Siehst du, sagte ich zu meinem Freund Adam Nautilus, deshalb gehe ich nicht ins Theater, weil mich der dort penetrant perennierende Glimmstengel-Kult anödet, ich plädiere für das ganze Tabakspektrum auf der Bühne, und wenn du mir ein Stück nennen kannst, in dem einer schnupft, der andere kaut, der dritte Cigarillos, der vierte schwere Havannas, der fünfte Pfeife und der sechste Sargnägel raucht, wirst du mich in der Premiere ebenso finden wie in der Dernière, Sei personaggi . . . wie hiess dieses Stück, und von wem stammt es? Du meinst Pirandello. Ah, richtig, Sei personaggi in cherca di fume (sic!), erster und zugleich letzter Satz: Es ist alles nur blauer Dunst, Madame.
E Auf einem unaussprechlich lächerlichen Sofa, viel zu kurz für ihn, lag, den Kopf gegen die Tür, die Beine über die Lehne weggestreckt und die Füsse gegen die Fensterwand gestemmt, der lange Zeichner, die Zigarre, die grosse Trostspenderin des neunzehnten Jahrhunderts, im Mund, ein Zeichenbrett auf den Knien und den Stift in der Hand.
F Mit Zigarren waren wir sehr gut versehen. Jeder hatte zwei Stück à drei Pfennig. Sie waren nur für ganz besonders festliche Gelegenheiten bestimmt, und wir fassten den kühnen Plan, sie nicht zu verzollen, sondern nach Österreich einzuschmuggeln. Wir steckten sie also in die Stiefelschäfte. Als wir sie am Abend hervorholen wollten, waren sie zu Mehl zerrieben; sic transit gloria mundi!
1 Heinrich Böll, Billard um Halbzehn
2 Hermann Burger, Brenner (Band 1: Brunsleben)
3 Johann W. Goethe, Dichtung und Wahrheit
4 Thomas Mann, Der Zauberberg
5 Karl May, Weihnacht
6 Wilhelm Raabe, Chronik der Sperlingsgasse
Auflösung: A4, B3, C1, D2, E6, F5