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Der Flat-Tax-Missionar
© William Widmer
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| «Die Idee verkauft sich inzwischen von allein.» Alvin Rabushka, Erfinder der Flat Tax, auf dem Campus der Universität Stanford. |
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Der US-Politologe Alvin Rabushka will die ganze Welt von seiner Einheitssteuer überzeugen. Für jedes bekehrte Land stellt er ein Fähnchen auf seinen Aktenschrank.
Von Steffan Heuer
Eigentlich, sagt Alvin Rabushka und räuspert sich mehrfach, sollte er am besten gar nicht sprechen, da er erkältet sei und seine Stimme schonen müsse. Dann redet er doch, 105 Minuten am laufenden Band, denn es geht um sein Lieblingsthema, die Flat Tax oder Einheitssteuer. Der hoch aufgeschossene 67-Jährige, der an der erzkonservativen Hoover Institution auf dem Campus der Universität Stanford forscht, ist einer der geistigen Väter der Bewegung für eine ebenso radikale wie umstrittene Vereinfachung des Steuersystems – und er geniesst die Aufmerksamkeit, die ihm von der Mongolei bis zum Kanton Obwalden entgegenschlägt.
«Ich leiste Missionarsarbeit rund um die Welt. Mein Name ist zu einem Markenzeichen geworden, aber die Idee verkauft sich inzwischen von allein. Deswegen besuche ich Länder, die die Flat Tax einführen wollen, in der Regel nur einmal. Die Details können sich die Leute von Experten in anderen Ländern holen, die damit bereits Erfahrungen gesammelt haben», berichtet Rabushka in einem fast ungeduldigen Redeschwall, während seine langen Finger beständig an einem Taschentuch kneten, die Füsse wippen und die Augen durch sein wandfüllend mit Büchern bestücktes Büro huschen. Auf einem Aktenschrank hat er eine Sammlung von Miniaturfahnen stehen: 19 Stück, eine für jeden Staat, der seinen Flat-Tax-Plan eingeführt hat, von Estland und Russland über die Mongolei und den Irak bis zu Georgien und Jamaica.
Im Kern geht es darum, ein knappes Jahrhundert Steuerrecht mit seinem enormen Verwaltungsapparat und immer komplizierteren Regelungen abzuschaffen und durch eine 19-prozentige Steuer auf Einkommen, Konsum und Unternehmensgewinne zu ersetzen. Gleichzeitig fallen Myriaden von Ausnahmeregelungen und Abschreibungen weg, etwa für Hypothekenzinsen und wohltätige Spenden. Damit lässt sich eine Steuererklärung innerhalb von wenigen Minuten erledigen, und sie passt in der Tat auf eine Postkarte, so das griffige Versprechen der Autoren. «Was mir die Augen öffnete, waren mehrere Dinge – aber in erster Linie die schlimme Erfahrung, als ich mit meiner eigenen Steuererklärung im März 1981 geschlagene 32 Stunden zubrachte», erinnert sich der Professor.
Im Laufe seiner Missionarsarbeit hat Rabushka noch für viel mehr Länder Steuerpläne erarbeitet, als er Fähnchen im Büro stehen hat, etwa für Österreich, Israel, Mexiko, Brasilien und Kanada. Sie bauen alle auf einer Vision für die Vereinigten Staaten auf, die der Akademiker zu Beginn der Reagan-Ära formulierte. Im eigenen Land ist seine Flat Tax aber auf wenig Gegenliebe gestossen – und das wurmt den eloquenten Politologen. Von regelmässigen Vorstössen von Politikern der Rechten und – in seltenen Fällen – der Linken einmal abgesehen, führt die Idee einer Einheitssteuer selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein Nischendasein.
«Ich kann mir nur zwei Situationen vorstellen, in denen die Flat Tax in den USA eingeführt werden würde», sinniert Rabushka über sein Lebenswerk. «Entweder wenn eine andere westliche Industrienation mit gutem Beispiel vorangeht und damit ein Wettbewerb um Kapital und gut ausgebildete Arbeitskräfte entfacht wird. Oder nach einer grossen Katastrophe, wie etwa nach einem Atomkrieg, wenn Dokumente und Bewertungsgrundlagen einfach weg sind.» Ein solcher Plan für einen Neuanfang im Steuerwesen, fügt Rabushka hinzu, soll angeblich irgendwo in bombensicheren Kellern aufbewahrt werden, habe man ihm erzählt. Aber beweisen oder widerlegen könne er diese Behauptung nicht, beendet er den kurzen Ausflug ins Obskure.
Das Äquivalent zu einem vernichtenden Atomschlag, nämlich das Ende der Sowjetunion und der völlige Zusammenbruch ihrer Volkswirtschaften, nahmen viele der ehemaligen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts zum Anlass, um Rabushkas Idee in den 1990er Jahren zu begutachten und als Teil ihrer marktwirtschaftlichen Rosskur einzuführen. Den Anfang machte Estland am 1. Januar 1994. So begann auf den Ruinen Osteuropas der späte Sieg eines Plans, den Rabushka und sein Stanford-Kollege Robert E. Hall bereits 1981 formuliert hatten.
Am 25. März 1981 veröffentlichte die Meinungsseite des «Wall Street Journal» Rabushkas Gastbeitrag «Die Anziehungskraft eines Flat-Rate-Steuersystems», im Dezember folgte ein weiterer Beitrag mit konkreten Details. Für Beachtung sorgte vor allem die Illustration: eine Steuererklärung, die auf eine Postkarte passte. Das Duo arbeitete seine Idee zu einem Buch aus, das 1983 unter dem Titel «Low Tax, Simple Tax, Flat Tax» erschien und damit genau in die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik der Reagan-Regierung passte. Das Buch mit seinen vier knappen Kapiteln und 66 Fragen und Antworten rund um die Flat Tax wurde zur Bibel für alle, die progressive Steuersätze und vor allem eine ihrer Meinung nach exzessive Besteuerung von Unternehmen und wohlhabenden Einzelpersonen abschaffen wollten.
«Der Titel mit seinen drei Konzepten war zu kompliziert, deswegen haben wir es danach nur noch schlicht und einfach ‹Die Flat Tax› genannt», sagt Rabushka und springt auf, um verschiedene Ausgaben seiner Bücher aus dem Regal zu ziehen. Auch fremdsprachige, von Deutsch bis Chinesisch, hat er gesammelt, und fast alle verwenden den englischen Originalbegriff, da Übersetzungen, wie etwa «Einheitssteuer», zu vorbelastet seien, erklärt Rabushka.
Die Flat Tax sorgt nach Ansicht ihres selbsterklärten «Paten» Rabushka nicht nur für mehr Steuergerechtigkeit, da alle Schlupflöcher gestopft würden, sondern schafft mehr Anreize zu wirtschaftlicher Aktivität, was neue Stellen und mehr Wohlstand für alle bedeutet. In der zweiten Ausgabe des Buches aus dem Jahr 1995 machten Rabushka und Hall die Rechnung auf, dass ihr Plan bis 2002 zu einem Zuwachs beim Bruttoinlandprodukt von 2 bis 4 Prozent oder 1900 Dollar mehr Einkommen pro US-Bürger führen würde. Diesen Schub begründen sie mit dem sogenannten Trickle-down-Effekt, bei dem die vermehrte unternehmerische Aktivität der Reichen allen zugute kommt.
Ökonomen haben das Konzept von Anfang an angegriffen, weil es vor allem der Mittelschicht erhebliche zusätzliche Steuerlasten aufbürdet, aber die Spitzenverdiener entlastet. Das Steuersystem solle sich aus Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der Umverteilung gefälligst heraushalten, meint Rabushka aufbrausend, wenn man ihn auf die Kritik an seinem Plan anspricht. «Der Plan ist wasserdicht, da wir damit keine egalitären Ziele verfolgen. Ich lehne die Idee ausdrücklich ab, die Welt verbessern zu wollen. Die einzige Verbesserung bestünde darin, den Steuersatz von 19 Prozent noch weiter zu senken.»
Die zwei grössten Hindernisse, um seine Vision in die Tat umzusetzen, sieht der Politologe vor allem in mächtigen Lobbies, denen es um den Erhalt der Steuervergünstigungen für Hypotheken geht, also Baufirmen, Banken, Makler, Hauseigentümer. «Das ist die Hälfte der Bevölkerung», sagt Rabushka mit sichtlicher Resignation. Zweitens ärgert ihn eine unheilige Allianz aus «Akademikern, Hollywood, etablierten Medien und linken Intellektuellen. Sie leben von dem Gedanken, dass Ungleichheit an und für sich ungerecht sei und korrigiert werden müsse. Nein», donnert Rabushka, «das ist sie nicht! Die Basis jeder sozialen Gleichheit besteht aus wirtschaftlicher Freiheit und Wettbewerb.»
Was auf diesem Fundament entsteht, liegt an der Arbeitsfreude und am Ideenreichtum des Einzelnen. Der Staat sollte sich beim Geben wie beim Nehmen tunlichst heraushalten. Dieser Gedanke wurde Rabushka, der in St. Louis, Missouri, aufwuchs, spätestens 1963 zum Leitfaden. In jenem Jahr landete der Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine und Weissrussland als Gaststudent in Hongkong. Die britische Kronkolonie wird von Neoliberalen bis heute als Bastion wirtschaftlicher Freiheit gefeiert und verfügte damals bereits über eine Flat Tax von 12,5 Prozent. Rabushka studierte in Hongkong Chinesisch und fand dort seine zukünftige Ehefrau.
«Hongkong war meine erste Einführung in die Welt der freien Marktwirtschaft. Das öffnete mir die Augen», sagt er. Als Juniorprofessor an der Universität Rochester traf er kurz darauf den legendären Ökonomen Milton Friedman – Jahrzehnte später sollten sie sich als wortgewaltige Verfechter des Laisser-faire an der Hoover Institution wieder begegnen. «Wir diskutierten über Hongkong als lebendiges Beispiel seiner Ansichten, und Friedman riet mir, mich mit dieser Fallstudie genauer auseinanderzusetzen», berichtet Rabushka, der fliessend Mandarin und Kantonesisch spricht. Viele seiner mehr als zwanzig Bücher drehten sich in den Folgejahren um Hongkongs Wirtschaft und die Volksrepublik China – einschliesslich eines Dokumentarfilms mit dem Titel «Hongkong: Eine Geschichte über menschliche Freiheit und Fortschritt», bis er 1981 in der Flat Tax seine Berufung fand.
Kritiker bescheinigen Rabushka, dass er die Mängel des modernen Steuerrechts ins Rampenlicht gezerrt hat, selbst wenn sie bestreiten, dass seine Argumente und Berechnungen schlüssig sind. «Das Buch von Hall und Rabushka hat einen enormen Beitrag zur Debatte um die Vereinfachung des Steuersystems geleistet, da es die erste Studie war, die sich an die breite Öffentlichkeit richtete», sagt Laurence Kotlikoff. Der Wirtschaftsprofessor an der Universität Boston ist ein lautstarker Befürworter eines ähnlichen Konzepts namens Fair Tax, die allerdings als direkte Verbrauchssteuer an der Ladenkasse eingezogen würde.
«Die Flat Tax hat einen erheblichen Fehler, der ihre Umsetzung verhindert», sagt Kotlikoff. «Da Arbeitnehmer eine Steuererklärung abgeben müssen, aber nicht Reiche, die von ihrem Vermögen leben, sieht das für die Bevölkerung nicht nach einer wirklich fairen Besteuerung aus.» Kotlikoff, der unter anderem den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee berät, setzt demgegenüber auf eine 23-prozentige Umsatzsteuer, die Steuererklärungen komplett überflüssig macht.
Für Robert McIntyre, Chef der linksliberalen Organisation Citizens for Tax Justice, sind Flat Tax und Fair Tax gleichermassen unsinnig. «Rabushka und Hall haben Anfang der 1980er jede Menge Interesse am Thema geweckt und dafür gesorgt, dass viele Rechte im Kongress 1986 für Reagans Steuerreform stimmten. Sie glaubten fälschlicherweise, er wolle eine Flat Tax.» Heutzutage, ergänzt McIntyre, nehme «ausser naiven Ultrarechten» niemand mehr die Flat Tax ernst. «Sie ist nicht nur amoralisch, sondern ein politisches Desaster.» Für Politiker in einer entwickelten Volkswirtschaft wie den USA grenze es an politischen Selbstmord, der Mehrheit ihrer Wähler eine höhere Steuerbelastung als fair und einfach zu verkaufen.
Ausserdem gehen die Modellrechnungen der Fair-Tax- wie der Flat-Tax-Befürworter nicht auf, bemängelt William Gale von der einflussreichen Brookings Institution: «Die Fair Tax hat ein arithmetisches, ein politisches und ein technisches Problem.» Da Bürger die Steuer vermeiden wollten, würde der effektive Steuersatz am Ende nicht bei 23, sondern bei 40 bis 50 Prozent liegen, sagt Gale. Diese Sätze könne kein Finanzamt auf der Welt effektiv eintreiben. Dass Länder wie Rumänien und Russland Rabushkas Flat-Tax-Idee in die Tat umgesetzt haben, sieht Gale als «Verzweiflungstat». Nach Jahrzehnten der bankrotten Planwirtschaft sei eine Einheitssteuer die einzig gangbare Alternative, um angesichts schwacher Verwaltung und massiver Korruption für Staatseinnahmen zu sorgen, sagt der Ökonom. Ebenso wenig sieht er die Flat Tax als Grund für Russlands rapides Wirtschaftswachstum. Das Land habe bereits solides Wachstum verzeichnet, bevor die Flat Tax 2001 in Kraft getreten sei, so der Brookings-Ökonom.
Rabushka wischt solche Einwände normalerweise mit seiner Wortgewandtheit vom Tisch, die er im unermüdlichen Einsatz für die Steuermission verfeinert hat. «Ich glaube, dass ich um die 5000 Veranstaltungen zur Flat Tax bestritten habe, von Reden und Seminaren bis zu Interviews per E-Mail. Ich habe in meinen 26 Jahren keine einzige Kritik gehört, die einen Fehler oder ein Problem an dem Plan finden konnte. Deswegen haben wir ihn auch seit damals nicht geändert.»
Vor seiner unerschütterlichen Eloquenz kapituliert selbst die Familie. Seine Tochter Nyree, benannt nach einem Star aus der «Forsyte-Saga», erinnert sich an das Studium an Stanford, als ihr Vater ihre Seminararbeiten nicht nur gegenlas, sondern am liebsten umschrieb. «Als Tochter von Rabushka aufzuwachsen, war eine Art beständiger Schreibunterricht. Mein Vater verdient seinen Lebensunterhalt mit Debattieren. Gegen ihn kann man nicht gewinnen. Mir tun alle leid, die sich auf eine Debatte mit ihm einlassen. Er reisst sie regelmässig in Stücke», sagt die heute 34-Jährige, die nur eine halbe Stunde von ihren Eltern entfernt im Silicon Valley wohnt. «Irgendwann am College wurde mir bewusst, dass mein Vater auf seinem Gebiet so etwas wie ein Rockstar war. Ein Kommilitone zeigte mir 1992 die Titelgeschichte aus ‹Money Magazine› über bedeutende Wirtschaftsdenker. Da waren der Erfinder des Bankautomaten, der Erfinder der Checkkarte – und mein Dad! Unglaublich.»
Diskussionen mit dem Vater geht Nyree Belleville auch deshalb aus dem Weg, weil sie sich trotz Wirtschaftsstudium an der Eliteuniversität für eine Karriere als Liedermacherin und Sängerin entschied. «Das akzeptieren nur wenige Eltern, die ihre Kinder nach Stanford schicken. Normalerweise wird man danach Vizepräsident und verdient Millionen», sagt Belleville – und beschreibt damit genau die Karriere, die ihr Bruder Anton beim Biotechkonzern Amgen eingeschlagen hat. Vater Rabushka wurde dennoch zum begeisterten Fan seiner Tochter, wie sie sagt. Er kam zu jedem Konzert und hat heute noch ihre vier CD inmitten seiner Klassiksammlung auf dem Schreibtisch stehen. Ihre Interessen trafen sich, als Belleville 2000 ein Handbuch für Musiker schrieb, die sich besser vermarkten wollen: «Das war Ökonomie aus dem wirklichen Leben, und er hat es aufmerksam gelesen.»
Was Belleville von ihren gegenwärtigen Büchern nicht behaupten kann. Sie schreibt unter dem Pseudonym Bella Andre erotische Frauenromane mit Titeln wie «Nimm mich» und «Glühend heisses Wiedersehen». Das Rezept für einen romantischen Thriller ist recht einfach, sagt die Schriftstellerin über ihre bisher fünf Romane: «Eine Frau, ein Mann. Sie lieben sich und kriegen sich, und es muss 100 000 Wörter lang sein.» Im Schnitt schreibt sie ein halbes Jahr an einem Roman, und sie hat bereits drei weitere Sexthriller unter Vertrag, berichtet sie beim Gespräch in einem Starbucks-Café, wo sie lieber arbeitet als zu Hause. «Jetzt bin ich erfolgreich genug, um unter meinem eigenen Namen zu schreiben.»
Ihr berühmter Vater mag diese Bücher nicht lesen, aber er bekam durch Nyrees Belletristik die Anregung, sich selber an leichterem Stoff zu versuchen. Während der sieben Jahre, in denen Rabushka an seinem jüngsten, 914 Seiten dicken Werk über die Besteuerung in den amerikanischen Kolonien arbeitete, verfasste er eine Serie von sechs humorvoll-bissigen Kurzgeschichten über seine Familie unter dem Titel «No Common Sense». Darin beklagt er den Mangel an gesundem Menschenverstand um ihn herum.
Er wettert im Vorwort «gegen unsere Führungsschichten in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Bildungswesen, Kunst und Religion» – und dankt seiner Tochter, die ihm beim «kreativen Schreiben» geholfen habe. Rabushka benutzt seine weitläufige Verwandtschaft und ihre jiddischen oder englischen Sentenzen, um die Dummheit seiner Zeitgenossen anzuprangern. «Wie kann es sein, dass meine Onkel und Tanten so viel gesunden Menschenverstand besitzen, während alle Politiker ständig Mist bauen?» wundert er sich.
Die Frage drängt sich auf, ob die Familienanekdoten mit Moral («Aussen hui, innen pfui!») etwas mit seinem akademischen Werk gemeinsam haben – nämlich den Wunsch nach ein paar einfachen, allgemeingültigen Formeln. Dieser Gedanke überrascht Rabushka, und er wischt ihn ungehalten beiseite: «Das sehe ich nicht so – das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.» Dann kann er aber nicht an sich halten und setzt, schon etwas heiser, zu einer ausschweifenden Erklärung an, wieso Politiker und Medien die elegante Verheissung seiner Flat Tax nicht verstehen. «Ihre Priorität lautet politische Korrektheit! Bloss niemanden vor den Kopf stossen! Deswegen können sie nicht einmal über kulturelle Unterschiede zwischen Weissen, Schwarzen und Asiaten sprechen. Wie schaffen es die Leute nach oben? Sie arbeiten hart und lernen tüchtig. Aber das darf man nicht laut sagen, sonst wird man fertiggemacht.»
Steffan Heuer ist Amerikakorrespondent des Wirtschaftsmagazins «Brand eins»; er lebt in San Francisco.
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