Immer wieder entbrennt rund um die Freitag-Tasche die Diskussion: Darf man sie noch tragen, oder ist man total out, wenn man sich ein Ding aus gebrauchten Lastwagenplanen aus Zürich umhängt? Selbstverständlich darf man. Die Freitag-Tasche ist eine der grossartigen Erfindungen dieses Landes, praktisch und universell wie das Schweizer Taschenmesser.
Das ist nicht übertrieben: Die klassische Freitag-Tasche, also das Modell Dragnet F 12 oder die etwas grössere Topcat F 13, taugt auf dem Velo, zum Wandern, als Sport- und Strandtasche, auf Reisen zum Shoppingbummel. Zudem ist sie wasserfest und abwaschbar. Auf dem falschen Dampfer ist nur, wer sie zum klassischen Business-Outfit oder zum Besuch in der Oper trägt.
Den Brüdern Dani und Markus Freitag ist mit ihrer Tasche gelungen, wovon viele Designer ein Leben lang träumen: der grosse Wurf. Sie haben ein unverwechselbares, nützliches, relevantes Objekt entworfen – ohne grosses Kalkül, sondern aus Bedarf an einem unzimperlichen Transportbehältnis.
Dass sie ihre Idee im Lauf der Jahre kommerzialisiert haben, ist legitim: Wenn ein Produkt von Zürich bis Tokio verkäuflich ist, so ist das in dieser von Konsumoptionen überreizten Zeit eine Errungenschaft. Ein weiteres Kriterium ist die Wertstabilität der Freitag-Tasche: dreijährige oder ältere Modelle mit deutlichen Gebrauchsspuren lassen sich in Online-Auktionen noch zu drei Vierteln des ursprünglichen Preises weiterverkaufen – wir haben es ausprobiert.
Die Nörgler finden, dass die Tasche mittlerweile zu verbreitet sei und dass sie etwas rieche. Im Wortsinn tut sie das tatsächlich: sie stinkt einige Monate lang penetrant. Und im übertragenen Sinn riecht die Tasche immer noch nach jung und hip, urban und cool – auch wenn viele ihrer Besitzer inzwischen gegen die vierzig gehen. Was uns eher stört: Das Geräusch, das die breiten Klettverschlüsse beim Öffnen der Tasche machen, ist nicht gerade feingeistig.
Zerlegt wurde die Tasche seit ihrer Lancierung 1994 vermutlich mehrere hundert Male, und zwar meist von Kopisten. Sogar die Migros lancierte in einem unüberlegten Moment die baugleiche Donnerstag-Tasche. Die meisten Plagiate sind zwar äusserlich nicht schlecht gemacht – das Schnittmuster ist auch für einen Massenhersteller in Hongkong recht einfach zu verstehen. Was den Nachahmungen aber fehlt, ist der Touch von handwerklichem Charme: die Kantenabschlüsse aus aufgeschnittenen Fahrradschläuchen, die Tragriemen aus alten Sicherheitsgurten.
Zugeschnitten wird jede Tasche bei Freitag im Maag-Areal in Zürich, vernäht wird sie heute allerdings meist in Tunesien und Portugal, nur noch ein kleiner Teil davon entsteht in der Behindertenwerkstätte Brüggli in Romanshorn.
Wer versucht ist, die Tasche zu Hause nachzunähen, sei gewarnt: eine handelsübliche Singer oder Bernina kapituliert vor dem Material. Die Anzahl zerbrochener Nadeln stünde in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis, das nur eine lappigere, fragilere Tasche sein kann – also genau das, wovon es schon vor der Erfindung der Freitag-Tasche zu viele gab.