Die Genesis gehört gewiss zu den schönsten Dichtungen der Bibel. Ausser Fundamentalisten, von denen es ja im Christentum kaum weniger gibt als in anderen Religionen, nimmt sie niemand mehr wörtlich. Und doch zeichnet sich die biblische Schöpfungslehre durch eine Besonderheit aus, die sie nicht nur von zeitgenössischen Kosmogonien abhebt.
Als die israelitischen Denker des 8. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung die «Theologie der Schöpfung» entwarfen, wie sie uns im Alten Testament entgegentritt, begannen sie nicht bei null. Über den Ursprung der Welt und des Menschen hatte man im Vorderen Orient auch schon nachgedacht. Doch während in den mesopotamischen Schöpfungsberichten die Weltentstehung mit der Entstehung der Götter beginnt, vollzieht die Bibel einen radikalen Bruch: Der Schöpfergott, unendlich, vollkommen und gerecht, ist der einzige Gott; das Weltall - und damit alles, was in diesem Weltall geschieht - ist sein Werk. Und dieses Werk ist etwas anderes als er selbst.
Vom Denken in Bildern, wie es die Mythologien charakterisiert, war man zur reinen Idee gelangt.
Ist es eine Ironie der Geistesgeschichte, dass uns dieser absolute Monotheismus in der modernen Physik wieder begegnet? Die Suche nach einer «Theorie von allem» ist das Bestreben, die vier fundamentalen physikalischen Kräfte - Gravitation, Elektromagnetismus, starke und schwache Wechselwirkung - in einer «Weltformel» zu vereinen. Noch immer verhöhnt jenes «marmorne Lächeln der Natur», das schon Einstein zur Verzweiflung brachte, die Physiker. (War es nicht Hiob, dem Gott zu verstehen gab, sein Werk werde ihm immer unbegreiflich bleiben?)
Damit nicht genug. Vielleicht gelten die Gesetze des Universums, wie der Nobelpreisträger Steven Weinberg ausführt, nur für das unsrige, das möglicherweise nur eines neben anderen ist, in denen andere Gesetze herrschen. Also doch zurück zum Gerangel der Götter?
Halten wir uns lieber an die Antwort, die eines der Kinder gab, das wir gefragt haben, wer denn die Welt gemacht habe: «Mario. Er kann alles machen und wohnt in Afrika.»