NZZ Folio 01/06 - Thema: Statistik   Inhaltsverzeichnis

Guter Rat -- Der Buchhandhaber

Von Christian Ankowitsch

Das grösste Problem mit Büchern ist, dass man sie lesen muss. Weniger, weil man nur dann über sie sprechen kann (das klappt auch, wenn man keine Ahnung hat, was drinsteht), sondern, damit sie gelesen aussehen. Denn wie wirkt das, wenn ein Gast vor Ihren Büchern steht und sagt, sie sähen «ein wenig zu gut erhalten» aus? Eben!

Was also tun? Der irische Schriftsteller Flann O’Brien (1911–1966) weiss Rat (in «Trost und Rat», 2003):
Engagieren Sie einen professionellen «Buchhandhaber». Er wird Ihnen die Exemplare Ihrer Bibliothek so zausen, dass sie aussehen, als seien sie mindestens zweimal gelesen worden. Richten Sie den Grad der Behandlung an Ihren finanziellen Möglichkeiten aus. Schon bei der einfachsten, der «volkstümlichen» Variante können Sie erwarten, dass man jedes Ihrer Bücher «gut und gründlich» handhabt, je vier Seiten mit Eselsohren versieht und beispielsweise Strassenbahnfahrscheine als vergessene Lesezeichen beilegt.

Sind Sie hingegen vermögend, empfiehlt sich die «superbe Handhabung», zu deren Leistungsumfang gehört, dass rund die Hälfte Ihrer Bücher «mit roter Qualitätstinte unterstrichen» werden und am Rand eine «angemessene Redensart» beigefügt wird, zum Beispiel «Quatsch!» oder «Ja, aber vgl. Homer, Od. III, 151». Von den sechs «gefälschten Zuneigungs- und Dankbarkeitsbezeugungen vom Autor des betreffenden Werks» ganz zu schweigen.

So präpariert, können Sie jeder Frage nach Ihrer Bibliothek ruhigen Auges entgegensehen. 


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