NZZ Folio 05/06 - Thema: Fussball-WM   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Das Kreuz mit dem Fleck

© Patrick Rohner
Schweizer Nationaldress <v1.06> von Puma (Replica), Polyester, 99 Franken. Linktext
Von Jeroen van Rooijen

«Das neue Dress begeistert mich. Hoffentlich wird der Tragkomfort meine Spieler in Deutschland zu Höchstleistungen antreiben.» Mit diesen Worten liess sich Köbi Kuhn, Trainer der Schweizer Nationalelf, bei der Präsentation des WM-Shirts der Eidgenossen vernehmen. So viel Begeisterung brachten nicht alle auf: nachdem der WM-Ausrüster Puma das Trikot der Öffentlichkeit vorgestellt hatte, lancierte der «Blick» eine furiose Kampagne. Zu einem «Schweissfleck» sei das Schweizerkreuz auf dem neuen Shirt verkommen, jammerte das Volksblatt.

Schuld sei die Fifa, zischte Puma zurück; die Fussballbehörde schränke mit einem über fünfzig Seiten starken Manual die Gestaltungsmöglichkeiten erheblich ein. Das Nationalsymbol etwa darf maximal 25 Quadratzentimeter der Fläche beanspruchen. Und dann wollen ja auch noch Sponsoren (in diesem Fall Puma mit der Silhouette einer springenden Raubkatze) und der Fussballverband mit seinem Emblem berücksichtigt sein.

Die Aufregung um das neue WM-Leibchen legte sich wenige Tage später wieder – ein Sturm im Wasserglas für ein paar knackige Zeilen, mehr nicht. Die Schweizer werden am 13. Juni in genau diesem Shirt in Stuttgart zum Gruppeneröffnungsspiel gegen Frankreich einlaufen.

«v1.06» heisst das Schweizer Shirt im etwas herzlosen Jargon des Herstellers Puma. Puma rüstet auch die Nationalmannschaften von 11 weiteren Ländern aus (darunter jene von Italien, Ghana und Tunesien) und versorgt die Schweizer seit acht Jahren mit Leibchen. Die Shirts der anderen Länder kommen von Nike, Umbro oder Adidas.

Zu den Merkmalen des 109 Gramm wiegenden Shirts gehört ein körpernaher Schnitt in einem erstaunlich wenig dehnbaren Material – so soll verhindert werden, dass der Gegner am Trikot herumzerren kann. Damit sich der Fussballer darin wohl fühlt, hat das Trikot am Rücken einen ergonomisch placierten weissen Bogen aus dehnbarerem Stoff. Die doppelte Seitennaht akzentuiert mit ihren zum Gesäss hin zulaufenden Linien einen athletischen Rücken. Der relativ hoch gesetzte Vorderkragen verhindert, dass der Oberkörper bei Wind zu sehr auskühlt.

Material und Verarbeitung des Originals, von dem im Handel nur eine Replica erhältlich ist, sind Hightech: So minimierte man den Luftwiderstand des reissfesten Stoffs, ohne seine Feuchtigkeits-Absorptions-Eigenschaften zu verschlechtern – bewerkstelligt haben dies die Tüftler in den Labors der Manchester Metropolitan University. Das Original-Shirt wird in den Produktionsstätten in Thailand nicht vernäht, sondern im Cold-Fusion-Verfahren verschweisst. Anders das Fan-Shirt, das in Rumänien konventionell genäht wird.

Ein richtiges Fussballshirt müsste, anders als die abgebildete Version, mit Name und Nummer des Spielers bedruckt sein. Laut Fifa-Vorschriften darf vorne nur die Nummer, hinten aber müssen gross und deutlich Nummer und Name des Spielers stehen. Aufgedruckt werden die Namen übrigens in der Schweiz – immerhin hier hat das einheimische Textilgewerbe noch Anteil am Auftritt der Nationalmannschaft. 




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