Allschwil, 20. November 1991*
In der Asylunterkunft Hegenheimermattweg trifft ein Drohbrief ein, in dem es unter anderem heisst: «Raus mit den Ausländern, mehr für uns Schweizer, denn auch wir haben ein Recht auf Leben (. . .) 1 Kugel = 2 Asylanten».
Horgen, 22. November 1991
Vier Jugendliche, die die Asylunterkunft an der Alten Landstrasse bereits am 10. November mit Waffen überfallen und Sachschaden angerichtet haben, dringen erneut in das Haus ein, werfen Abfalleimer um und verschmieren die Wände im Treppenhaus mit Hakenkreuzen und fremdenfeindlichen Inschriften wie «Ausländer raus» oder «Die Schweiz den Schweizern». Die Polizei nimmt die Täter zum Verhör mit auf den Posten. Der bei der Sozialbehörde für die Asylsuchenden Verantwortliche sagt gegenüber der «Wochenzeitung» (29. November 1991): «Es waren keine rechtslastigen Jugendlichen. Ich möchte das Ganze etwas relativieren: Es war mehr ein Nachtbubenstreich, ein Dampfablassen.»
Basel, 29./30. November 1991, Oberwil, 1. Dezember 1991
Nach einem Informationsabend über Rassismus gibt es am 29. November im alternativen Basler Treffpunkt Hirscheneck gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden und Ausländern. Tags darauf kommt es zu neuen Übergriffen der «Steinen-Kids» und daran anschliessend auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am 1. Dezember gibt es Zusammenstösse zwischen zwei Jugendbanden und der Polizei im Basler Vorort Oberwil.
An der Pressekonferenz vom 4. Dezember weist Polizeikommandant Markus Mohler darauf hin, dass man zu wenig über die Motivation der Jugendbanden wisse. Er verwahrt sich dagegen, die Jugendlichen einfach als Rechtsextreme abzustempeln.
Eriswil/Roggwil BE, Anfang Dezember 1991
In Eriswil schlagen Jugendliche mit Steinen die Fenster einer Wohnung von Asylsuchenden ein und feuern Knallpetarden ab. In Roggwil, wo im Flüchtlingszentrum des Roten Kreuzes im Auftrag der Stadt Bern rund hundert Personen untergebracht sind, zertrümmern Jugendliche das Glas der Eingangstüre.
Am 26. Februar 1992 gibt die Berner Kantonspolizei bekannt, dass sie eine Gruppe von jungen Schweizern aus dem Oberaargau ermittelt habe, welche gestanden hätten, diese Straftaten in verschiedenen Gruppenzusammensetzungen begangen zu haben.
«Die jungen, ausländerfeindlichen Leute bezeichnen sich selber als <Patrioten>», heisst es in der Mitteilung, und: «Sie sympathisieren zum Teil mit bestehenden rechtsextremen politischen Organisationen.» Bei den Hausdurchsuchungen sind Faustfeuerwaffen und Gewehre sowie eine grössere Menge Munition sichergestellt worden.
Thun, 4. Dezember 1991*
Der Leiter des Heims für Asylsuchende erhält einen Drohbrief, dem eine Fotografie der im August ausgebrannten Unterkunft beigelegt ist: «Wir kommen wieder, diesmal mit noch grösserer Präzision.»
Rümlang, 7. Dezember 1991*
An der Ifangstrasse werfen Unbekannte mit Steinen die Glastüre des Wohncontainers, in dem Asylsuchende untergebracht sind, sowie ein Küchenfenster ein. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 1000 Franken.
Bremgarten AG, 7./8. Dezember 1991
20 bis 30 Skinheads, Mitglieder der «Radikalen Mutschellenfront» (RMF), feiern in der alten Kleiderfabrik Meyer gemeinsam mit deutschen und französischen Rechtsextremisten das einjährige Bestehen ihrer Organisation. Kurz vor Mitternacht verschaffen sie sich, ohne zu bezahlen, im Casino Zutritt zu einem Rockkonzert. Nach «Sieg Heil»-Rufen kommt es zu Raufereien mit Konzertbesuchern, die die im Saal anwesende Polizei laut den einen Zeugenaussagen schlichten kann. Gemäss anderen Angaben ist die Polizei aber untätig geblieben. Ein Mann wird mit einem Schlagring zusammengeschlagen, erstattet aber aus Angst keine Strafanzeige. Anschliessend kommt es in der Altstadt zu Sachbeschädigungen. Die Veranstalter des «Rockballasts» geben an, dass sie zu den Vorfällen polizeilich nicht befragt worden seien.
La Prise-Imer, 13. Dezember 1991*
Unbekannte werfen morgens um halb drei zwei Molotowcocktails Richtung Unterkunft für Asylsuchende. Die Brandkörper landen in der Nähe der Fassade und richten keinen Schaden an.
Tramelan, 14. Dezember 1991
Zwei Unbekannte greifen den Leiter des Zentrums für Asylsuchende tätlich an und verletzen ihn leicht.
Bern, 25. Dezember 1991*
Vor dem Durchgangsheim für Asylsuchende an der Freiburgstrasse detonieren am Abend zwei Molotowcocktails. Verletzt wird niemand. Fensterscheiben gehen in Brüche. Auf die Täter gibt es keine Hinweise.
Lausanne/Montblesson, 26./27. Dezember 1991*
Unbekannte schiessen am 26. Dezember morgens um halb fünf auf Containerbaracken, in denen das Rote Kreuz Flüchtlingsunterkünfte unterhält. Ein Geschoss dringt durch eine Aussenwand und die Innentüre eines bewohnten Zimmers und fliegt durch ein Fenster wieder ins Freie. Es wird niemand verletzt. Gegen zwei Uhr morgens wird wiederum auf dieselbe Unterkunft geschossen, vermutlich aus einem fahrenden Auto. An den Wänden der Wohncontainer sind 13 Einschüsse feststellbar. «Nur durch Glück kam es zu keinen Verletzungen», heisst es im Polizeibericht.
Roggwil TG, 28. Dezember 1991*
Auf die Unterkunft für Asylsuchende in einem ehemaligen Unterwerk des Elektrizitätswerks Arbon wird ein Brandanschlag verübt. Unbekannte stellen um 2 Uhr 30 ein brennendes Motorfahrrad an eine Holztür des Gebäudes. Die Feuerwehr vermag den Brand schnell zu löschen, so dass nur geringer Sachschaden entsteht. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, wertet das Vorkommnis aber als Bagatelle.
Bremgarten AG, 29. Dezember 1991*
Kurz vor Mitternacht lassen Unbekannte bei einer Baracke, in der Asylsuchende wohnen, einen Sack mit drei Molotowcocktails explodieren. Das Feuer kann sofort gelöscht werden. Niemand erleidet einen Schaden.
Freiburg, 20. Januar 1992
Wenige Minuten nach Mitternacht zerstört ein Brand ein Lebensmittelgeschäft, das ein Türke führt, vollständig. Der Schaden dürfte sich auf mehrere hunderttausend Franken belaufen. Die Polizei schliesst Brandstiftung nicht aus. Man habe aber weder Graffiti noch andere Spuren gefunden, die auf eine rassistisch motivierte Tat hinweisen würden, erklärte ein Polizeisprecher.
Uster, 1. Februar 1992
Um 2 Uhr 30 werfen Unbekannte zwei Molotowcocktails durch das Badezimmerfenster eines Wohnhauses, in dem 15 Familien, die Asyl suchen, untergebracht sind. Ausserdem wird eine Bürotüre mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Die Feuerwehr kann die Brandherde löschen. Es entsteht ein Sachschaden von schätzungsweise 20 000 Franken. Die Ermittlungen laufen gegen Unbekannt.
Köniz, 15. Februar 1992
Auf die Asylunterkunft Niederwangen wird um etwa 1 Uhr 15 ein Brandanschlag verübt. Von einer Verbindungsstrasse führt eine 25 Meter lange Brandspur zum Hintereingang. Den Anwesenden gelingt es, das Feuer vor dem Eintreffen der Feuerwehr zu löschen. Es wird niemand verletzt. Die Polizei hat bisher keine Hinweise auf mutmassliche Täter.
Geroldswil, 23. Februar 1992
Gegen 3 Uhr 30 werfen Unbekannte einen selbstgebastelten Brandsatz gegen die Eingangstüre eines Pavillons, in dem Asylsuchende untergebracht sind. Der Molotowcocktail prallt von der Tür ab und entzündet sich auf dem Vorplatz des Gebäudes. Verletzt wird niemand, der entstandene Sachschaden ist gering. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.
Bern, 27. Februar 1992
Rund 60 Personen demonstrieren spontan gegen Hooligans, Fans des Eishockeyklubs SCB, die lauthals Naziparolen verbreiten und die Ausländer bedrohen. Ein Hooligan, der einen Tamilen zusammenschlägt, wird von einer Gruppe Manifestierender verfolgt und flüchtet sich in einen Polizeiwagen. Tags darauf erklärt ein Sprecher der Stadtpolizei, dass es sich bei diesem Vorfall um einen Zufall gehandelt habe.
Emmenbrücke, 1. März 1992
Ein von Ausländerinnen und Ausländern bewohntes Mehrfamilienhaus aus Holz brennt völlig aus, nachdem kurz vor Mitternacht an der Südfront Feuer ausgebrochen ist. Die Ursache ist noch Gegenstand von Ermittlungen. Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen.
St. Gallen, 14. März 1992
Ein Grossbrand zerstört in der südlichen Altstadt ein mehrstöckiges Haus vollständig und beschädigt weitere umliegende Gebäude. Vier Personen fallen dem Brand zum Opfer, drei Schweizer und ein Österreicher. Sieben Personen müssen mit Rauchvergiftung ins Spital gebracht werden, 27 weitere werden evakuiert. Im zerstörten Haus haben vornehmlich Sozialhilfeempfänger und Asylsuchende gewohnt. Im Erdgeschoss befand sich das Klublokal einer kurdisch-türkischen Vereinigung. Die Polizei geht davon aus, dass der Brand im Treppenhaus der zerstörten Liegenschaft ausgebrochen ist. Nach bisherigen Erkenntnissen ist sowohl Brandstiftung als auch eine fahrlässige Verursachung der Feuersbrunst möglich.
Biel, 15. März 1992
In einem mehrstöckigen Studiohaus, in dem Asylsuchende und Personen vom Schutzaufsichtsamt untergebracht sind, breitet sich nach 20 Uhr ein Brand so rasch aus, dass das Gebäude vollständig zerstört wird. Vier der sechs anwesenden Personen versuchen, sich mit einem Sprung aus dem Fenster im dritten Stock zu retten. Ein 27jähriger Pakistani verletzt sich dabei tödlich, die anderen müssen mit Brandverletzungen und Knochenbrüchen ins Spital gebracht werden. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Franken. Die Polizei geht zunächst von einer fahrlässigen Verursachung des Brandes durch einen Bewohner aus. Am nächsten Tag gibt der Untersuchungsrichter aber bekannt, dass die Feuersbrunst «eindeutig auf Brandstiftung zurückzuführen» sei. Allerdings dränge sich die These, dass Täter mit fremdenfeindlicher Gesinnung den Brand gelegt hätten, zurzeit «in keiner Weise» auf.
Baden, 10. April 1992
Sechs oder sieben Skinheads versuchen, in das Kulturzentrum Ikuzeba einzudringen, das an diesem Abend geschlossen ist. Mitgliedern der Betriebsgruppe, die gerade an einer Sitzung teilnehmen, gelingt es, zwei der Angreifer festzuhalten, bis die avisierte Polizei eintrifft. Die anderen Skinheads fliehen, werden später aber in einem Restaurant entdeckt. Die abermals herbeigerufene Polizei erachtet es laut Zeugenaussagen nicht als «zweckdienlich», ihre Personalien abzuklären. Die Ikuzeba-Betriebsgruppe erstattet Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.
Regensdorf, 10. April 1992
In einem Pavillon, in dem 19 Asylsuchende wohnen, bricht kurz nach zwei Uhr früh ein Brand aus. Vier der Bewohner müssen mit Brandverletzungen an den Beinen in Spitalpflege gebracht werden, einer kann das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Die Feuerwehr bringt den Brand rasch unter Kontrolle. Dennoch brennt die Küche vollständig aus. Der Sachschaden am Gebäude beträgt mehrere zehntausend Franken.Die Bezirksanwaltschaft Dielsdorf geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von Brandstiftung aus.
Zürich, 30. April 1992
In Zürich wird ein tamilischer Asylsuchender von drei jungen Männern nachts zusammengeschlagen. Das Opfer bricht sich dabei beide Hände und erleidet weitere Verletzungen. Der Tamile muss im Spital ambulant behandelt werden.
* Diese Übergriffe sind auch in der Liste von «Ereignissen betreffend Einrichtungen des Asylwesens» enthalten, die die Bundesanwaltschaft für die Jahre 1988 bis 1991 erstellt und publik gemacht hat. Künftig will diese Behörde keine solchen Daten mehr veröffentlichen - um sich Schwierigkeiten zu ersparen, wie ein Sprecher erklärt hat.