DER PHYSIKER Jean Bernard Léon Foucault machte um das Jahr 1850 die Entdeckung, dass ein längs in eine Drehbank eingespannter elastischer Stab, der durch einen Stoss in Querschwingungen geraten war, offensichtlich unbeeinflusst von der Drehung der Spindel in einer raumfesten Ebene vibrierte. Phantasiereich übertrug Foucault das Gesehene in Gedanken auf die Drehung der Erde: Ein Fadenpendel, das man über dem Nordpol aufhängen würde, müsste in analoger Weise seine Schwingungsebene unveränderlich zum Fixsternhimmel ausrichten, während die Erdoberfläche sich mit dem Pendelgalgen entgegen dem Uhrzeiger drehte. Umgekehrt würde man, am Nordpol auf der Erde stehend, die Schwingungsebene des Pendels mit dem Lauf der Sonne im Uhrzeigersinn drehend erleben. Während die Pendelebene sich am Nordpol im Verlaufe eines Sternentages um volle 360 Grad drehen würde, wäre die Drehung in Paris um den Sinus der geographischen Breite kleiner, würde also nur 271 Grad pro Tag betragen.
Foucault führte das Experiment in einer gross angelegten Schaustellung im März 1851 im Panthéon in Paris durch. Eine 28 Kilogramm schwere Kugel war an einer Klaviersaite von 67 Metern Länge aufgehängt. Eine unten an der Kugel befestigte Metallspitze zeichnete auf ihrem Weg über eine sandbedeckte Plattform feine Striche in den Sand. Die Drehung der Pendelebene betrug nach einer Stunde 11,5º. Nach Augenzeugenberichten waren die Besucher derart überwältigt von dem Bewusstsein, mit dem Raumschiff Erde durch den Weltraum zu treiben, dass Damen hysterisch wurden und Herren versicherten, die Drehung der Erde unter ihren Füssen spüren zu können.