UNSTERBLICHKEIT ist ein Hobby, das langsam erschwinglich wird. Verglichen mit Pharaos Zeiten, als Ewigkeit in Einzelkammern mit Millionen Felsblöcken aufgewogen werden musste, erscheint der Preis für ein Dauerbad in flüssigem Stickstoff lächerlich gering. «Cryonic Suspension» konserviert den Leib für umgerechnet 70 Franken im Monat, und 30 Prozent Rabatt werden gewährt, wenn nur der Kopf bei minus 196 Grad auf jene besseren Zeiten warten soll, in denen eine fortgeschrittene Medizin zur Reanimation schreitet. Das Hallo beim Wiederaufwachen dürfte entsprechend gross sein. Doch wie alle guten Aussichten ist auch diese nicht ganz frei von Kitsch, und die Zurüster für die Unsterblichkeit kämpfen weltweit mit Imageproblemen.Um so kühner mutet es an, wenn ausgerechnet aus dem Ozean der Vergänglichkeit ein Vorschlag für die Haltbarmachung menschlichen Lebens auftaucht. Ausgerechnet Computer, die einzigen Waren, die so schnellebig sind, dass bei ihnen Verkauf und Entsorgung tendenziell zusammenfallen, sollen als immerwährender Aufenthaltsort für Geist und Seele dienen. Das Wort dafür heisst «uploading». Darunter versteht man die Transferierung menschlichen Bewusstseins in Schaltkreise. «Alle Neuronen in unserem Gehirn, die für Empfindungen und Emotionen verantwortlich sind, arbeiten nach einem binären System», gab niemand geringerer als der Software-Tycoon Bill Gates in einem Interview zu Protokoll. «Also sollte es möglich sein, sie eines Tages mit einer Maschine zu reproduzieren.»
«Uploading» liegt zwar noch nicht in der Luft, aber auch nicht mehr in weiter Ferne. Um es so präzise wie möglich anzukündigen: Der Kalender, in dem der Tag steht, an dem es erstmals passiert, wird vermutlich bald zum Druck ausgeschrieben. Alles, was noch gebraucht wird, ist eine Art Super-Röntgengerät, das die mikroskopische Gewittertätigkeit von ein paar Milliarden Nervenzellen exakt aufzeichnet. Ein noch zu erfindender superintelligenter Computer erweckt sodann jene 1 099 511 627 776 000 Bytes, die nach neuesten Berechnungen den Menschen ausmachen, digital zum Leben.
Spekulationen darüber, wie man sich als Kopie im Computergehäuse fühlt, bringen uns vorderhand nicht weiter: Es ist, als ob sich Flächen über ein Leben in der dritten Dimension unterhalten. Aber fest steht, dass Innen und Aussen neu definiert werden müssen: Nie, nie mehr wird es nötig sein, Kolumnen wie diese in einen Computer hinein zu schreiben, wenn schon einer drinnen sitzt, der sie herausarbeitet.