FEINSTES KASCHMIR ist ein klassenloser Luxus. Will heissen: Niemand kann sich dem Reiz dieser weichsten aller Wollarten entziehen. Als es die Epa noch gab, wurden dort die Kaschmirpullover in den gleichen Tönen angepriesen, wie es die ganz Grossen des Fachs tun. Kaschmir ist fein. Und das Material hat trotz seiner Exklusivität nichts Dünkelhaftes oder Elitäres, im Gegenteil. Auch Hardy Amies, der Leibschneider der britischen Queen, schreibt in seinem höchst amüsanten Buch «Anzug und Gentleman»: «Ein grauer Kaschmirpullover ist mit das Beste, was ein Mann besitzen kann.»
Auch Stefano Ferro, Ex-Bally-CEO und seit Anfang 2003 Chef von Malo, dem wohl nobelsten Kaschmirlabel der Welt, ist fasziniert von der Wolle. «Understated» und «sophisticated» sei Malo, so Ferro; zwei Wörter, die auf Deutsch übersetzt nur unzureichend klingen. «Unseren Pullover trägt eher Richard Gere als David Beckham», sagt der Fachmann. Tatsächlich werben die Mailänder nicht mit Superlativen für ihre Strickwaren: Für Kenner sind die vier Buchstaben auf dem kleinen hellblauen Etikett Grund genug zur Annahme, dass sie es mit der besten Qualität zu tun haben. «Malo ist eine der ganz wenigen Firmen, die Kaschmir direkt als Rohware in der Mongolei einkaufen und die ganze Kette, vom Spinnen bis zum Produkt, kontrollieren», versichert Ferro.
Im Kaschmirgeschäft geht es vor allem um Pullover – der nichtformelle Basic aus feinem Strick bleibt auch in jenen Zeiten zentral, in denen das Geschäft mit Accessoires und gewebten Textilien forciert wird. Ein Pullover ist Teil der Freizeitgarderobe – Malo ist somit eher privater denn repräsentativer Luxus. Einen solchen Pullover trägt man zehn Jahre oder länger.
«Manchmal bekommen wir von Kunden Pullover zur Reparatur», sagt Stefano Ferro. «Wir können an der Farbe des Labels sehen, dass sie bestimmt schon sechs Jahre oder mehr auf dem Buckel haben.» Das gefällt Ferro: «Wir wollen nicht zu trendy sein. Zeitgemäss und modern ja, aber nicht zu modisch.»
Ein Klassiker des Sortiments ist die Strickjacke «Bomber» mit zwei Taschen und Reissverschluss. Sie wird jede Saison in neuen Farben angeboten, heuer ist es eine Mischung aus drei Garnen, die dem Modell durch das Tartan-Karo ein wenig die Optik von Tweed verleihen. Besonders daran ist die luftige Verarbeitung der Wolle. «Die Jacke fühlt sich an wie ein ‹Mousse› aus Kaschmir», sagt Ferro.
Natürlich stricken heute Maschinen (in Florenz) und nicht Menschen diesen feinen Luxus. Der jährliche Umsatz, den Malo damit macht, beträgt derzeit rund 100 Millionen Franken; «eine kleine und feine Schönheit», nennt Stefano Ferro sein Haus liebevoll. Erhältlich sind seine Produkte in den besten Ferienorten dieser Welt. Natürlich gibt es sie auch in New York, Mailand oder Zürich (Cashmere House und Dolph Schmid), aber das klingt für eine Marke, die sich auf das Veredeln der Freizeit spezialisiert hat, nicht ganz so sexy wie Aspen, Saint-Tropez, St. Moritz oder Portofino.