BEVOR WIR ANFANGEN, ein Wort zum Lego-Mindstorms-Roboter: Er lässt sich leicht ablenken.
Anstatt ins Licht einer Taschenlampe zu fahren, knallt er gegen die Wand. Unverzüglich braucht er Trost und Rat: Wenn Knall, dann zurück! Nach Zurück, dreh dich Sekunde eine. Stop, dann vorwärts voraus mit Kraft 7. Es ist kinderleicht, man sagt es dem PC, indem man programmiererisch beschriftete Puzzleteile zusammenschiebt, und der PC funkt's dem Robi mit Infrarot. Nach der kleinen Gehirnwäsche ist ihm der Weg durch die Mauer zwar verbaut, doch sein zielloses Rattern durchs abgedunkelte Zimmer kündet schon vom nächsten Problem: Wo ist das Licht?
So geht es immer weiter, so geht es immer fort, und weil es nicht aufhört, haben Manager im Silicon Valley begonnen, den Mitarbeitern das Spielen mit Robotern während der Dienstzeit zu untersagen. Lego braucht Disziplin. Seit 1949, als die bunte Plasticlawine in Dänemark losgetreten wurde und Billionen und Aberbillionen genoppter Klötzchen in die Kinderzimmer von 130 Ländern trug, geht Generation um Generation in die Knie. Jetzt zeigt sich der tiefere Sinn der Übung: Lego war schon immer digital, Baustein für Baustein hat es uns den Weg gewiesen. Aus Bausteinen werden grössere Teile, mit grösseren Teilen macht man ganze Sachen, und was für welche. Die moderne Welt, ist sie nicht voller Lego-Logik und Lego-Sinn? Sie wäre perfekt, könnte der Robi auch noch die Taschenlampe finden.
Im Gegensatz zu Aibo-Fans, die es nie schaffen werden, Sonys manierlichen Robodog in einen experimentellen AiboPitbull zu verwandeln, kriecht unsereiner nicht vergeblich neben dem ersten autonomen Roboter der Spielzeuggeschichte. Wenn uns nach einem RotoKiller oder einem AlienEater ist, laden wir die Konstruktionspläne einfach aus dem Netz. Es gibt dort einfach alles, dank einer enthusiastischen Gemeinde. Wer kann, kann den Mindstorms-Roboter in ausgefuchsten Programmiersprachen wie Forth, Java oder C auf der Höhe moderner Embedded-Systems-Strategien hardwarenah als Netzwerk-Device releasen; doch das ist mehr für Computerkids. Die visuelle Bauklötzchen-Programmierung, vom MIT erwachsenengerecht gestaltet, garantiert älteren Semestern gemütlicheren Lernfortschritt.
So findet der Roboter doch noch zu seiner Bestimmung, der Taschenlampe. Mit einem Pieps wirft er sie um. Es ist vollbracht, der Kopf wird frei, in der Seele aber, zeigt sich da nicht ein kleines Loch? Bei Walter Benjamin steht er, dieser traurige Satz über fertige Lego-Modelle: Das Werk ist die Totenmaske der Konzeption.