Urheberrecht? Das Wort holpert auf der Zunge, es lässt an beamtete Juristen denken, die dem Laien kaum verständliche Paragraphen aushecken, von denen er am liebsten nichts wissen möchte. Doch die in der Tat unzugängliche esoterische Spezialdisziplin der Rechtsgelehrten ist seit geraumer Zeit Gegenstand öffentlicher Debatten: Im digitalen Informationszeitalter sind Copyright-Fragen von entscheidender Bedeutung. Mit Lichtgeschwindigkeit bewegen sich Daten durchs weltumspannende World Wide Web, und nichts hindert einen daran, sich Texte, Bilder, Musik, Videosequenzen und Software herunterzuladen, sie beliebig oft zu kopieren, zu bearbeiten und weiterzugeben.
Weil sich das ändern soll - die Unterhaltungs- und die Softwareindustrie der USA beklagen jährliche Milliardenverluste durch Piraterie -, macht die Copyright-Lobby mobil, Rechtslücken sollen geschlossen, Bestimmungen verschärft werden. Nicht im Namen des Geistes wird für einen rigoroseren Schutz geistigen Eigentums plädiert, die Triebfeder ist das Geld, denn der Handel mit Urheberrechten ist lukrativ. Wie sonst kämen italienische Regionalpolitiker auf die Idee, die Toscana urheberrechtlich schützen lassen zu wollen? Die Schönheit ihrer Landschaft, argumentieren sie, verdanke sich der harten Arbeit der Bewohner; deshalb sei es unstatthaft, wenn Fremdlinge (etwa ein Biskuit-Hersteller, der mit einer toscanischen Mühle wirbt) daraus Kapital schlügen.
Dass geistiges Eigentum schützenswert ist, bestreitet kaum jemand. Aber wie weit soll der Schutz gehen? Zwischen Kultur und Kommerz, zwischen öffentlichem Interesse und privatem Besitz, zwischen dem freien Fluss der Information und wirtschaftlichen Monopolen befinden sich die Copyright-Gesetzgeber auf einer Gratwanderung, um die sie nicht zu beneiden sind.
Fürs Familienalbum wird man die Toscana vorläufig noch ohne Genehmigung ablichten dürfen, und so weit wird es wohl nicht kommen, dass man unter der Dusche nicht mehr singen kann, ohne Copyright-Gebühren zu entrichten. Aber an (juristisch wohlbegründeten) Absurditäten, von denen dieses Heft ein paar dokumentiert, steht uns einiges bevor.