EREIGNISSE, die im Dunkel bleiben, zählen zu den aussterbenden Phänomenen. Gar nichts bleibt mehr im Dunkel, es sei denn, es ist gerade tiefe Nacht auf hoher See oder Ruhe über allen Gipfeln. Doch oft schwenkt auch dort einer, der zufällig gerade Atlantik oder Himalaja überquert, seine lichtempfindliche Kamera, und bald darauf gibt es auf CNN etwas zu sehen. Die Aufnahme der eigenen Lebensspur, einst eine Marotte der Japaner, steht heute weltweit hoch im Kurs. Auch dies ein Verdienst der Elektronik, die das Schlürfen süffiger Bilder fördert wie keine Technik je zuvor.
In den Traumfabriken Hollywoods ist der Computer längst der wichtigste Arbeiter, jedes Jahr holt er den Oscar für Special Effects. Was wäre die Phantasieküche ohne seine geometrischen Rezepte? Man nehme Morphing und Warping, streue Fractals und Metaballs, verfeinere mit Glows und Caustics. Dazu reiche man reichlich Popcorn. Vor den Augen des konvulsivisch kauenden Publikums nehmen die kühnsten Vorstellungen fotorealistische Gestalt an. Und oft genug sitzt einer im Dunkel, filmt sie digital ab und verbreitet sie illegal weiter.
Bilder machen, speichern, senden, zeigen – das alles kann der Alleskönner. Vor und hinter der Leinwand ist der Computer ein Star. Auf der Leinwand aber, da geht er höchstens als Starlet durch, repräsentiert nicht die Zukunft, sondern einen Vorgeschmack davon. Meist besteht seine Aufgabe darin, der Handlung eine billige Wendung zu geben. Der Regisseur stellt den Computer am Plotpoint auf, der Hauptdarsteller kommt, tippt ein Wort wie «Datei» in die Suchmaske und wird mit drei guten Treffern bedacht, wo er doch eigentlich unter einer Informationslawine begraben liegen sollte («Mission impossible»).
Wir haben Laptops gesehen, die den Upload von irdischen Programmen in die Speicher um den Mond kreisender Mainframes ausserirdischer Provenienz in Sekundenschnelle erledigen («Independence Day»), und digitale Knallchargen, die Tausende Volt an Spannung in Feuerfontänen entladen, wenn etwas Falsches auf ihre unbeschrifteten Leuchttasten getippt wird. Nicht nur dem Publikum, auch der Kritik macht unser kleiner Freund dann und wann eine grosse Freude.