NZZ Folio 03/07 - Thema: Radio   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Der globalisierte Babybody

© Patrick Rohner
Babybody, Baumwolle, Du Pareil Au Même, 10 Franken 50. Linktext
Von Jeroen van Rooijen
Ein geflügeltes Wort aus dem Textil-Detailhandel besagt, dass man als Neuling am besten dort eine Boutique eröffnet, wo schon ein Kinderladen ist, weil die Mütter, die im Rausch der Affektion für ihre Kleinen einkaufen, sich auch gerne selbst etwas gönnen. Auch wenn dieses Bonmot allein noch nicht als Businessplan taugt, dürfte darin ein Kern Wahrheit sein: Für Kinderspielsachen und Kinderkleidung geben die Menschen bekanntlich gern und sorglos überproportional viel Geld aus.


Nicht so allerdings bei Du Pareil Au Même, dem französischen Budget-Multi für Kinderkleidung. Der am Zürcher Rennweg gekaufte und mit einer Fischfamilie bedruckte Body für 6 Monate alte Kleinkinder mag von aussen zuckersüss und herzig aussehen, aus seinen Nähten und Etiketten aber spricht dieselbe kühle Sprache des globalisierten Wettbewerbs wie bei einem T-Shirt von H & M.

Die Baumwolle ist von ordentlicher, aber keineswegs ausserordentlicher Qualität, die Verarbeitung ebenso. Der Schnitt des im Schritt mit Druckknöpfen geschlossenen Stücks ist, wie in diesem Genre üblich, form- und geschlechtslos. Das rückwärtig deutlich längere Rumpfteil ist dazu geschaffen, ein dickes Windelpack aufzunehmen.

«Made in China», sagt das Etikett des Babybodys, und wer ein bisschen rechnet, ahnt, in welch grossen Stückzahlen dieser schnuckelige Anzug produziert werden muss, damit sich der Verkaufspreis von 10 Franken 50 rechnet. Gut 10 Franken für einen Babybody – in dem zwar etwas weniger Material, aber bestimmt nicht viel weniger Arbeit als in einem bauchfreien T-Shirt für Teenager steckt – sind ein wahrlich kompetitiver Preis.

Möglich ist dies nur, weil Du Pareil Au Même global tätig ist und seine Produkte über ein Netzwerk von über 260 Geschäften in 17 Ländern verkauft. Bisher 5 Läden gibt es auch in der Schweiz.

Das 1986 gegründete französische Unternehmen, das zu zwei Dritteln von der Pariser Finanzgesellschaft Kokanee Company kontrolliert wird, gehört zu den erfolgreichsten und am schnellsten wachsenden Playern im Bereich der Baby- und Kindermode. Im vorletzten Geschäftsjahr legte der Gewinn der Firma – bei verdoppeltem Umsatz – um 74 Prozent zu.

Geführt wird Du Pareil Au Même vom 45-jährigen Georges Spitzer, der davor bei LVMH und Givenchy das kleine Einmaleins des erbarmungslosen Verdrängungskampfs in der Modebranche lernte. Spitzer ist jedoch noch lange nicht zufrieden. Mit Übernahmen von Konkurrenten und einer forschen Produktstrategie will Du Pareil Au Même bald über 300 Geschäfte betreiben. Zum Vergleich: Die vor 60 Jahren gegründete schwedische Firma H & M hat heute weltweit ungefähr 1300 Läden.

Das ist also für ein relativ junges Unternehmen keineswegs «du pareil au même» – wie der Franzose immer dann gern sagt, wenn er ausdrücken will, dass etwas nicht wirklich so eine grosse Rolle spielt. «Hans was Heiri», würde der Schweizer sagen. Ausser fürs Portemonnaie vielleicht.

Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ.



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