NZZ Folio 03/07 - Thema: Radio   Inhaltsverzeichnis

Radio-Glossar

Von der Amplitudenmodulation zum Webradio: Ein kleines Lexikon der Radiofachbegriffe.

Von Claude Settele

AM/FM. Zwei unterschiedliche analoge Techniken, wie eine Radiowelle Musik oder Sprache vom Sender zum Empfänger überträgt. Bei der Amplitudenmodulation (AM) steckt die Toninformation in der wechselnden Höhe der Radiowelle, bei der Frequenzmodulation (FM) bleibt die Höhe konstant, dafür ändert sich die Frequenz. Bei den tieferen Übertragungsfrequenzen auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle (LW, MW, KW) kommt die Amplitudenmodulation zum Einsatz, weil sie weniger Platz braucht, bei höheren (UKW) die Frequenzmodulation. AM-Signale sind störanfälliger und haben eine schlechtere Tonqualität als FM-Signale, dafür ist ihre Reichweite grösser.

DAB. Digital Audio Broadcasting ist eine neue Norm zur Übertragung von Radiosignalen ( Digitalradio). DAB-Programme haben fast CD-Qualität, erfordern aber spezielle Empfänger (www.dab-digitalradio.ch, siehe auch <Digitalradio in der Schweiz>).

Die Geschichte der Radioempfänger
2000-2007: Radio wird digital


Detektorempfänger. Radiogeräte aus den Anfängen der Radiozeit. Die aus wenigen Bauteilen konstruierten Geräte beziehen ihre Betriebsenergie direkt aus dem Radiosignal und brauchen deshalb keine Stromversorgung. Ihre Leistung reicht nur aus für die Wiedergabe über Kopfhörer. Die Detektorempfänger wurden bald von den gleichzeitig entwickelten Röhrenradios verdrängt. Aus Kostengründen erlebten sie nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renaissance. Heute sind sie als Bastelsets für Experimentierfreudige immer noch zu kaufen.

Digitalradio. Anders als bei der analogen Verbreitung von Radiosignalen wird beim Digitalradio Musik oder Sprache in Zahlen verwandelt (digitalisiert), die als lange Kette zum Empfänger geschickt werden, der daraus wieder die ursprüngliche Toninformation rekonstruiert. Wenn man die Zahlen sehr schnell hintereinander aussendet, kann man auf einer Frequenz gleichzeitig mehrere Programme senden. Der Empfänger muss bloss erkennen, welche Zahlen zu welchem Programm gehören. Wie genau die Toninformation digitalisiert wird, muss in Normen festgelegt werden (DAB, DRM). Digitalradio kann nicht mit einem herkömmlichen Radiogerät empfangen werden.

DRM. Digital Radio Mondial ist wie DAB eine neue Norm für die Übertragung digitaler Radiosignale (Digitalradio). Hinter der 1998 lancierten Technik steht ein Konsortium von 90 Mitgliedern aus 30 Ländern, unter ihnen der Verband Schweizer Privatradios. DRM sendet im Frequenzbereich Lang-, Mittel- und Kurzwelle (LW, MW, KW) und ist damit für Länder geeignet, in denen UKW wenig verbreitet ist (z. B. China und Drittweltländer). Im Moment wird die Technik auch für die Anwendung auf UKW weiterentwickelt. Zwar testen viele Sender DRM, doch gibt es erst wenige Stationen, die im regulären Betrieb diese Norm anwenden (www.drm.org). Wie bei DAB braucht es auch für den Empfang von DRM spezielle Geräte.

Frequenz. Radiowellen können unterschiedlich schnell schwingen. Die Frequenz bezeichnet die Anzahl dieser Schwingungen pro Sekunde. Radiostationen senden auf verschiedenen Frequenzen, deren Nutzung durch internationale Abkommen geregelt ist. Da Radioprogramme unabhängig davon gesendet werden, ob jemand sie empfängt, sind wir ständig von Abertausenden Radiowellen unterschiedlicher Frequenz umgeben. Ein Radiogerät tut nichts anderes, als aus dieser Kakophonie die gerade gewünschte herauszufischen.

Hertz. In Anerkennung des deutschen Physikers Heinrich Hertz (1857–1894) wird die Einheit für die Frequenz von Radiowellen Hertz genannt. 1 Hertz (Hz) steht für eine Schwingung pro Sekunde, 1 Kilohertz (kHz) für 1000 Hz, 1 Megahertz (MHz) für 1 000 000 Hz. Hertz bewies die Existenz von elektromagnetischen Wellen, die für die Funkübertragung von Ton- und Bildsignalen genutzt werden können. Radiowellen und Lichtwellen sind beides elektromagnetische Wellen bestimmter Frequenzbereiche.

Internetradio, Webradio. Anders als herkömmliches Radio, das direkt über Funk zum Empfänger gesendet wird (terrestrischer Empfang), gelangt das Internetradio über den Internetanschluss zum Hörer, und zwar nur dann, wenn er es per Mausklick anfordert. Zur Übertragung wird die Toninformation dabei digitalisiert (Digitalradio). Ein Radioprogramm kann dann in Form eines digitalen Datenstroms (Streaming) auf dem Computer empfangen werden. Mit dieser Technik, die auch Webradio heisst, werden die durch die herkömmliche Verbreitung über Funk, Kabel oder Satellit bedingten geographischen Grenzen gesprengt. Nationale Konzessionen fallen weg, jeder am Netz angeschlossene PC sowie Radioapparate mit Internetanschluss können Abertausende von herkömmlichen oder auch nur im Web aktiven Sendern aus der ganzen Welt empfangen.

LW, MW, KW. Auf der Skala älterer Radios findet man die Abkürzungen LW, MW und KW, die für drei Frequenzbereiche (Frequenz) mit unterschiedlichen Wellenlängen stehen. Die ersten Radiostationen sendeten auf Langwelle, deren kleiner Frequenzbereich (153–279 kHz) die Zahl der Sender jedoch stark einschränkte. Kurzwelle (3–30 MHz) erzielt dank der Reflexion des Signals an der Erdatmosphäre eine grosse Reichweite. Nationale Sender informier(t)en ihre Bürger im Ausland über Kurzwelle wie das 1935 lancierte Schweizer Radio International, das 2004 eingestellt wurde. Viele neuere Radiogeräte können Lang- und Kurzwelle nicht mehr empfangen. Mittelwelle (531–1611 kHz) spielte einst eine grosse Rolle, wird hierzulande wegen der besseren Qualität von UKW aber kaum mehr genutzt. Der 1931 gebaute Landessender Beromünster sendet auf Mittelwelle, verbreitet heute jedoch nur noch ein Musikspartenprogramm und wird Ende 2008 abgeschaltet.

Media-Player. Programm zum Hören von Musik und Radio am Computer (Internetradio) oder zum Abspielen von Videos. Am bekanntesten sind Microsofts Windows Media Player, Apples iTunes und Quicktime sowie der Realplayer von Real Networks.

MP3. Um die Dateigrösse und die im Netz benötigte Bandbreite zu verkleinern, werden Audiodateien komprimiert. Je nach Verfahren wird damit die Tonqualität mehr oder weniger verschlechtert. Das bekannteste Verfahren ist das vom deutschen Fraunhofer-Institut entwickelte MP3, das Klanginformation, die vom Ohr nicht wahrgenommen wird, ignoriert. Mittlerweile gibt es effizientere Formate wie AAC, WMA oder Flac. MP3-Player sind – meist kleine, tragbare – Geräte, die Audiodateien im MP3-Format abspielen können.

Podcast. Viele Radiostationen bieten ihre Sendungen als digitalisierte Dateien im Internet an, die man sich herunterladen und auf dem PC oder auf einem portablen Player anhören kann. Solche Beiträge werden als Podcasts bezeichnet, ein Zusammenzug aus iPod (Apples MP3-Player) und Broadcast. Neben diesem «Radio zum Mitnehmen» werden im Internet auch Hörspiele und Literatur in Form von Hörbüchern meist als käufliche Podcasts angeboten. Mit diesem «Radio auf Abruf» (Radio on Demand) geht ein wichtiges Merkmal des herkömmlichen Radios verloren: der feste zeitliche Ablauf des Programms. Der Hörer kann eine Sendung im Netz herunterladen und hören, wann er will. Weil der Hörer so die Werbung einfach überspringen kann, erfordert Podcasting bei werbefinanzierten Radios neue Geschäftsmodelle.

RDS. Neuere analoge Empfänger und Autoradios können nebst Tonsignalen vom Sender verbreitete Informationen wiedergeben. Möglich macht dies das in Europa entwickelte Radio Data System. Zu den Funktionen gehören unter anderem die Senderidentifikation, das automatische Umschalten auf die beste Frequenz und die Anzeige des Titels und des Interpreten eines Musikstücks. Ausserdem kann RDS bei Meldungen über Verkehrsbehinderungen und Falschfahrer automatisch auf den entsprechenden Sender wechseln, auch wenn gerade der CD-Player läuft. RDS ist auch Voraussetzung für den Traffic Message Channel (TMC), einen Service mit aktuellen Verkehrsdaten, die für die Routenplanung in ein Navigationsgerät eingespeist werden.

Röhrenempfänger. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitete Radiogeräte, die Elektronenröhren als Verstärker benutzten. Röhren sind gross und brauchen viel Strom, deshalb wurden sie ab den 1960er Jahren von Transistoren verdrängt. Hi-Fi-Enthusiasten schwören bei Verstärkern wegen ihres wärmeren Klangs jedoch immer noch auf Röhren.

Satellitenradio. Programme, die von einem Satelliten ausgestrahlt werden. Ihre Signale werden oft digital verschlüsselt und können nur gegen eine Abonnementsgebühr mit Spezialgeräten empfangen werden.

Social Radio. Zu einer neuen Generation von Internetradios gehören soziale Musiknetzwerke wie Last.fm und Pandora, die jedem Hörer ein auf seinen individuellen Geschmack zugeschnittenes Musikprogramm bereitstellen. Die Auswahl basiert auf Statistiken von bevorzugter Musik anderer Hörer mit ähnlichem Geschmack.

Streaming. Im Gegensatz zum Podcast, bei dem ein Song oder ein Hörbuch aus dem Internet als Datei heruntergeladen wird, kann man online auch Audio- und Videobeiträge anhören und ansehen, die nicht gespeichert werden. Dabei wird in einem Streaming genannten Verfahren ein kontinuierlicher Datenstrom an einen PC oder einen für Internetradio gerüsteten Empfänger gesandt.

Telefonrundspruch. Ein helvetischer Sonderfall: Radio, das über die Telefonleitungen verbreitet wurde. Von der PTT 1931 eingeführt, war der Telefonrundspruch eine Ergänzung zum terrestrischen Empfang, der in verschiedenen Landesregionen schlecht war. In den besten Zeiten hörten über 400 000 Leute Radio über diesen Kanal, 1997 wurde der Telefonrundspruch abgeschaltet.

Terrestrischer Empfang. Im Gegensatz zum Satellitenradio und zum Internetradio werden die Radiosignale beim terrestrischen Empfang von einem erdgebundenen Sender direkt über Funk an den Empfänger geschickt (wie es im herkömmlichen Radio üblich ist). Je nach Frequenz können Berge, Gebäude und andere Hindernisse den terres trischen Empfang stören.

Transistorradio. Eine epochale Erfindung für die Entwicklung des Radios war der Transistor, ein elektronisches Bauelement, das sich wie die Vakuumröhre (Röhrenradio) für die Verstärkung eines elektrischen Signals nutzen lässt. Der erste funktionierende Transistor wurde 1947 gebaut. Transistoren sind viel kleiner als Röhren und brauchen wenig Strom. Sie haben die Herstellung kleiner Radios ermöglicht, die in den 1950er Jahren auf den Markt kamen, und waren später das Fundament für integrierte Schaltungen und damit für die Weiterentwicklung des Computers.

UKW. Heute bevorzugtes Frequenzband für Radioübertragungen (87,5–108 MHz). Wegen der auf diesem Band üblichen Übertragungstechnik FM (AM/FM) auch FM-Radio genannt. Dank dem viel grösseren Frequenzbereich kann einem Sender viel mehr Bandbreite als bei Kurz-, Mittel- oder Langwelle (LW, MW, KW) zugeordnet werden. Dies verbessert die Tonqualität erheblich. 1940 sendeten in den USA die ersten kommerziellen Stationen auf Ultrakurzwelle, Anfang der 1960er Jahre wurden die ersten UKW-Programme in Stereo gesendet.

Weltempfänger. Die meisten Radios sind in der Lage, Sender im Umkreis von einigen hundert bis tausend Kilometer zu empfangen. Weltempfänger sind von ihrer Bauweise für den Kurzwellenempfang optimiert, können Sender benachbarter Frequenzen besser trennen und über Tausende von Kilometern empfangen. Erste Weltempfänger gab es schon Anfang der 1940er Jahre, populärer wurden die Geräte mit dem Boom der portablen Transistorradios.

Claude Settele ist Redaktor für Medien und Informatik bei der NZZ.


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