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Editorial -- Jäger und Shopper
© Herb Sorensen
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| Wissenschafter zeichnen die Bewegung von Kunden auf. |
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Von Reto U. Schneider
Welchen Ratschlag gab der Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, seinen Bürgern unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001? Sie sollen beten? Sich im Keller verstecken? Die Stadt verlassen? Alles falsch. Giuliani sagte: «Nehmen Sie sich einen Tag frei … gehen Sie shoppen.» Einen Monat später sagte Präsident George Bush an einer Pressekonferenz: «Wir dürfen die Terroristen ihr Ziel, unsere Nation zu verängstigen, nicht erreichen lassen, es darf nicht so weit kommen, dass die Leute nicht mehr shoppen.» Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Shopping weit mehr ist als Einkaufen, nämlich Ausdruck einer Lebenshaltung, dann war er das. Jede Bluse, die in diesen Tagen in Macy’s anprobiert wurde, schickte die Botschaft in die Welt: «Wir lassen uns nicht einschüchtern.» Aber das ist nur eine von vielen Bedeutungen, die Shopping annehmen kann.
Ob wir wollen oder nicht: Zu einem mehr oder weniger grossen Teil wird unser Leben durch Shopping bestimmt. Wir grenzen uns von anderen ab, indem wir in bestimmten Läden einkaufen, und wir bilden eine Gruppe mit jenen, die das gleiche Geschäft bevorzugen. Zumindest dem Diktat der Ladenöffnungszeiten muss sich jeder unterwerfen, der etwas einkaufen will.
Grössere Einkäufe wie die Wohnwand, der Computer, das Abendkleid sind – zuweilen gefährliche – Rituale geworden. Wenn sich Paare im Möbelgeschäft nicht einig werden, ob das neue Sofa mausgrau oder elefantengrau sein soll, kann das zu einer schweren Belastung für die Beziehung werden.
Dass ein Einkaufszentrum heute als nicht weniger attraktives Ausflugsziel gilt als Luzern oder Zermatt, zeigt, dass es nicht um die Waren selbst geht, sondern um den Akt des Einkaufens. Erinnert uns der Gang durch die Regale an eine Schatzsuche? Wird im Ausverkauf der Jagdtrieb unserer Vorfahren geweckt? Was immer es ist: Shopping befriedigt offenbar tiefe Bedürfnisse des Menschen – und weckt andere. Wer sich mit der Frage auseinandersetzt, warum wir Dinge kaufen, die wir eigentlich nicht brauchen – warum wir shoppen –, wird deshalb auch immer etwas über die Natur des Menschen lernen.
Leserbriefe:
Zu Editorial -- Jäger und Shopper - NZZ-Folio Shopping (11/06)
Auch ich besuche ein Gymnasium, habe aber eher einen eleganten Stil. Ich bevorzuge Marken wie La Martina, Dolce & Gabbana, Gucci, Prada, Louis Vuitton, Tods und Armani und trage diese Kleider, weil sie hochwertig verarbeitet und nicht in China hergestellt wurden. (sondern: "made in Italy"). Mit Markenkleidern zeige ich auf meine Art, dass ich mich für mein Äusseres interessiere und gut aussehen möchte. Ich will damit sagen, es gibt nicht nur jene, die Markenkleider kaufen, nur um "dabei" zu sein. Es heisst ja "Kleider machen Leute". Stella Julian, per E-Mail
Zu Editorial -- Jäger und Shopper - NZZ-Folio Shopping (11/06)
Gratulation, mit "Shopping" ist Ihnen wieder einmal ein herausragendes Heft gelungen. Nicht mal speziell wegen dem Thema, sondern vor allem dank den "süffigen", informativen und unterhaltsamen Artikeln, die unseren Alltagssport auch von ungewohnter Seite beleuchten. Speziell zu erwähnen sind die Beiträge von Reto U. Schneider und Sigi Schär. Weiter so! Christian Kaiser, per E-Mail
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