Versetzen sie sich in die Lage einer Katze, die ein Mensch - ein Riese in den Augen des kleinen Tieres - an den Vorder- und Hinterbeinen gepackt hat und aus einem Meter fünfzig Höhe im freien Fall zu Boden fallen lässt. Der Katze bleibt nur eine halbe Sekunde, sich in der Luft ein halbes Mal um ihre Längsachse zu drehen, um nicht hart auf dem Rücken, sondern sicher auf den Pfoten zu landen. Auf dem Mond hätte sie wegen der geringeren Schwere wenigstens dreimal so lange Zeit für die Wende.
Unzählige Katzen haben den Menschen gezeigt, dass es möglich ist, auf den Pfoten zu landen, wenn die Fallhöhe nicht zu gering ist, aber die Bewegung geht für das Auge etwas zu schnell. Wie kommt es zur Drehung, da die Katze sich doch nirgends abstossen kann? Sie könnte den Luftwiderstand im Fallen ausnutzen und, zum Beispiel, ihre beiden linken Beine zur Seite strecken. Hochseilartisten halten sich gelegentlich mit einem aufgespannten Regenschirm an der Luft fest. Leider ist der Widerstand der schlanken Pfoten bei so geringen Geschwindigkeiten viel zu klein, das nötige Drehmoment hervorzubringen. Oft wird behauptet, die Katze brauche nur ihren Schwanz wie einen Propeller kreisen zu lassen. Bei der geringen Masse des Schwanzes im Vergleich zur Masse ihres Körpers müssten Katzen ihn selber rasch (schätzungsweise mindestens fünfmal in der Sekunde) herumwirbeln, was sie offensichtlich nicht tun. Auf Filmaufnahmen fallender Katzen ist aber nicht zu übersehen, dass sie ihren Schwanz beim Wendemanöver zu Hilfe nehmen.
Wie gelingt es der Katze wirklich, auf die Füsse zu kommen? In der Zeitlupe sieht man, dass sie sich, so gut sie kann, wie ein Taschenmesser zusammenklappt. Dann dreht sie die beiden Körperhälften gegeneinander. Dazu stösst sich der hintere Teil vom vorderen ab und umgekehrt. Nach einer halben Drehung aus der Rückenlage hat sie die Bauchlage erreicht, streckt sich und fällt erleichtert auf alle Viere. Wer sich die Bewegung nicht vorstellen kann, möge ein Tuch zu einer Wurst rollen, diese in der Mitte knicken und die gegenläufige Drehung ausführen! Man versteht, dass die Fallhöhe nicht zu gering sein darf, damit die Katze ihr Manöver vollenden kann, und nicht zu gross, damit sie sich beim Aufprall auf dem Boden nicht die Beine bricht. Trotz ihrem geschmeidigen Rückgrat kann sich die Katze nicht so weit zusammenbiegen, dass sich beim Wenden die Drehimpulse der beiden Körperhälften aufheben. Deshalb muss sie wohl den Schwanz zu Hilfe nehmen, um die Drehung zu vollenden.