NZZ Folio 02/98 - Thema: Computermenschen   Inhaltsverzeichnis

Zahlen bitte -- Im Samt versteckt

Von Herbert Cerutti

DASS EIN MONOLOG eine recht einsame Sache ist und beim Sextett sechs Musiker loslegen, versteht sich von selbst. In unserer Sprache haben sich indes Zahlen eingenistet, die nur mit einigem Spürsinn zu finden sind. John Conway und Richard Guy liefern in ihrem Buch «Zahlenzauber» einige hübsche Beispiele.

So ist man sich wohl kaum bewusst, dass das Wort Nein eine Kombination der althochdeutschen Negation «ni» (nicht) mit «ein» ist. Auch die Zahl zwei lebt diskret in manchem Wort, etwa in solchen mit den Anfangsbuchstaben «zw»: Zwischen ist ein Ort bezogen auf zwei andere; Zweifel bedeutet Ungewissheit bei zwei Möglichkeiten; Zwillich ist ein zweifädiger Stoff; eine Abzweigung öffnet zwei Wege. Die Zwei lebt im Deutschen auch als lateinische Version «bi» oder «di» fort. Ein Biskuit ist (wie der Zwieback) ursprünglich zweimal gebacken; das Diplom bedeutet ein Schreiben auf einem Blatt, das zusammen- (also in zwei Teile) gefaltet wurde - der Diplomat gibt sein Diplom als Beglaubigungsschreiben ab.

Solche Entdeckungsreisen kann man entlang der Zahlenreihe munter weiterführen. Im Triumphzug wurde früher Musik im Dreitakt gespielt. Trivial waren im Lehrplan der Lateiner die drei Fächer Grammatik, Logik und Rhetorik. Und der klingende Triangel ist bekanntlich ein zum Dreieck gebogener Metallstab. Im Schwadron, der im Viereck aufgestellten Reitertruppe, verbirgt sich das lateinische «quattuor». Eine Kaserne war ursprünglich ein Wachthaus für vier Soldaten. Beim Punsch ist des Pudels Kern das Hindi-Zahlwort «pandsch» für fünf, denn die englischen Kolonialherren pflegten fünf Sachen ins Glas zu mischen. Griechisches steckt dagegen im Samt, der schludrigen Version von «hexamitos» (hexa=sechs, mitos=Faden).

Besonders neckisch sind jene Zahlwörter, die selber als Zahlenversteck dienen. So hiess unsere heutige Elf im Althochdeutschen «einlif», was «ein Überbleibsel», das «zu zehn noch Hinzuzuzählende» meint. Ebenso leitet sich «zwölf» von «zweilif» ab. Aber auch die Variante «Dutzend» ist ein Tarnanzug. Darin verbirgt sich eine Verballhornung des lateinischen «duodecim» (zwei und zehn).


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