NZZ Folio 02/08 - Thema: Steuern   Inhaltsverzeichnis

Sportmärchen -- Der treue Skilift

© Markus Roost
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Von Richard Reich
Es war einmal ein armer Bauer, der hauste hinter den sieben Bergen mit drei alten Pferden auf einem winzigen Bauernhof. Die Frau war ihm gestorben oder davongelaufen, hinunter ins Tal, wo alles flacher und das Leben einfacher war. Hier oben am Hang aber wollte das Gras nicht recht wachsen, der Weizen nicht stehen, und das Bäuerlein wäre jämmerlich verhungert, hätte ihn nicht Frau Holle persönlich über den Winter gerettet.

Denn sobald die alte Kissenklopferin ihre Flöcklein über dem Land ausschüttete, kamen Skifahrer aus dem Tale herauf, um auf ihren Brettern über die verschneiten Wiesen zu rutschen. Nach jeder Schussfahrt aber liessen sich die Sportfreunde von des Bauern alten Gäulen den Berg hinaufziehen. Davon wurde der arme Mann kein Krösus, doch immerhin häuften sich mit der Zeit die Silberlinge unter seiner Matratze – schliesslich gibt es auf der Alp weder Sünd noch sonstige Einkaufsmöglichkeiten.

An einem langen Winterabend jedoch kam der Bauer auf die Idee, im Versandkatalog für Landwirte folgende Artikel zu bestellen: 1 Mistseil, 12 Besenstiele, 12 grosse Blechteller, 1 Dieselmotor. Als der Pöstler die Pakete einen Monat später ins Haus brachte, stand der Bauer schon erwartungsvoll in der Tür. Dann verschwand er einen Tag und eine Nacht in der Werkstatt, und dann war sein Tellerskilift fertig. «Wer weiss», murmelte der Alte, «vielleicht hat nun alle Not ein Ende.» – «Das will ich meinen!» rief der kleine Lift. «Aber nur, wenn du mich immer brav ölst und schmierst.» Schon am nächsten Morgen schleppte das Liftlein unermüdlich Skifahrer um Skifahrer auf den Berg, dazu klapperte es mit seinen Tellern manch ein lustiges Lied.

Bald erzählte man sich im ganzen Land von dem alten Bauern und seinem munteren Gehilfen, und dies kam auch dem König zu Ohren. «Wie kommt es», rief er verärgert, «dass sich meine Untertanen da draussen königlich vergnügen, während ich auf meinem goldenen Thron allmählich einroste?!» Sogleich fuhr der König auf seinem silbernen Schlitten sieben Tage weit, bis er zu dem Bergbauern kam. Dort warf er dem Alten einen Sack Gold vor die Füsse und rief: «Dein Tellerlift ist hiermit mein! Und niemand darf sich von ihm schleppen lassen als der König!» – «Aber Majestät», ratterte da das Liftlein, «Ihr könnt Euern Allerwertesten doch nicht auf gewöhnliche Blechteller setzen!» Dies sah der König ein, darum kehrte er knurrend wieder heim. Das arme Bäuerlein aber war nun ziemlich reich, jedoch auch recht traurig. «Kopf hoch, Alterchen!» knatterte der kleine Tellerlift zärtlich, «wer weiss, vielleicht kommt er ja nicht mehr zurück!»

Nach zweimal sieben Tagen fuhr der Silberschlitten indes aufs neue vor, und der König hiess seine Diener den Skilift mit zwölf goldnen Suppentellern bestücken. Das Liftlein wand sich und quietschte: «Majestät, wollt Ihr Eure erlauchten Hände denn wirklich an derbe Besenstiele klammern?!» Wütend schüttelte der König den Kopf und raste wieder davon.

Noch ehe der Winter um war, kam der König aber das dritte Mal auf den Berg. Im Gepäck hatte er zwölf Stangen aus schwerem Silber, die glänzten so prächtig, dass es das Bäuerlein blendete. Zudem brachte der König eine lange Goldkette mit, nämlich um das alte Mistseil zu ersetzen. Flugs verwandelten die Diener das arme Liftlein in einen hochkarätigen Goldtellerlift, und als alles fertig war, rief der König triumphierend: «Aus dem Weg, Bauernpack, jetzt fahre ich!» Dann schnallte er sich seine kostbaren Diamantski an.

Doch was war das? Der König hatte kaum eine der zwölf Silberstangen ergriffen und sich auf einen der zwölf goldnen Suppenteller gesetzt, da begann der kleine Lift zu ruckeln und zu zuckeln und blieb schliesslich stehen. «Was gibt’s», rief der König, «ist dir das Öl ausgegangen?» – «Nein, Majestät», röchelte das Liftlein, «Ihr seid mir ganz einfach zu schwer.» Dann gab es mit einem tiefen Seufzer seinen Geist auf.

PS: Laut Pressemeldungen soll der kleine Skilift Oberholz-Farner bei Wald im Zürcher Oberland samt Pisten verkauft werden. Was fremde Investoren mit dem Skigebietchen anfangen sollen, ist unklar. Daher regt sich in der Bevölkerung Widerstand.

Richard Reich ist Autor, er lebt in Zürich.

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