«INFORMATIONSREVOLUTION»: Was für ein Wunder von einem Wort war das einmal. Kaum geboren, führte es schon jeder im Munde, millionenfach wurde es gedreht und gewendet, das Wort war Kampfschrei und Offenbarung in einem. Und nun dieses Ende als Vokabel für Strapazen und Verdruss.
«Informationsrevolution»: Das sind Laufmeter von Manualen, die die Regal verstopfen, die Druckerpapierhalde, die den Schreibtisch unter sich begräbt, der Datenmüll auf der Festplatte, die digitale Neuerungsneurose, das Informationsversteckspiel in den Netzen. In Revolutionen weiss man ja nie, wo einem der Kopf steht. Doch ihn täglich einmal beim Sturm auf die Bastille zu verlieren, das kann es nicht gewesen sein. Lautete die ursprüngliche Losung nicht: Alles bequem sofort, in einem papierlosen Büro?
1997 wird nun endlich das Jahr der Ruhe und Ordnung. Ein Grossforschungsinstitut taufte es das «Jahr der Agenten». Das sind in letzter Ausbaustufe frei im Netz schwebende Programme mit Herrchen-Hund-Schnittstellen. Auf das Stichwort «Such's» laufen sie über Nacht schnüffelnd von Server zu Server, um am Morgen ungefragt zu melden: «Alle Daten apportiert, darf ich sie anzeigen?»
Die Zähmung der Informationsrevolution durch digitale Geheimdienste wird ein Milliarden-Dollar-Business, prophezeien die Experten. Würden die Pilze so aus dem Boden schiessen wie Agenten, hätten wir jedenfalls ein ökologisches Problem weniger: Ob «Career Builder» oder «Lifestyle-Finder», ob musikalische Geschmacksberatung oder Wissenschaftsdetektei, Agenten aller Art enttarnten sich im Stundentakt.
1997 ist das Jahr, in dem die Daten laufen, wenn nicht rasen lernen. Man muss ihnen nicht mehr nachjagen, sie kommen von selbst. Sie finden einen sicheren Weg («tunnel-channeling»), um pünktlich und zuverlässig wie die Abendnachrichten («web-casting») alles mögliche anzustellen: Neue Software flutscht in die Speicher, während der Bildschirmschoner das Wetter in Zürich und die Allergiebelastung in Los Angeles auf Regentropfen und Polle genau dokumentiert.
Alles für den User, nichts durch den User - das ist natürlich der Geist des Ancien régime. Es macht wieder einen Unterschied, ob man klein oder gross ist. Talentierte Web-Bastelei wird gegen hochgezüchtete Konzernware kaum noch bestehen können. Diese Wendung kommt uns freilich bekannt vor. Sie deckt sich mit der ursprünglichen Bedeutung von «revolutio»: damit meinten die alten Römer nicht einen Sprung vorwärts, sondern die Drehung zurück.