GROTES N, lxein e, hlleinps i, hleihps n. Eigentlich sollte es heissen: Grosses N, kleines e, kleines i, kleines n. Nein. Nein wie «Nein, ist der süss». Wenn der allerneueste Handheld ausgepackt wird, kommt nämlich Freude auf: «Wie er leuchtet und strahlt!» - «Darf ich ihn auch einmal halten?» - «Nein, ich zuerst!» - «Mein Gott, er fühlt sich so leicht an wie ein Küken!»
Was sich, wenn man es auf dem strahlend leuchtenden Display mit einem Plasticstäbchen mitkritzelt, so liest: «Mein Yofl, ev fühlt sich so leycht au wieuKükeu!» Aber das sind Kinderkrankheiten, sie verschwinden mit etwas Übung. Und wenn nicht, wäre es auch egal. Gerade das Unbeholfene, Tollpatschige, Kükenhafte ist es, was die digitalen Winzlinge so sympathisch macht: Bin ein Handheld, musst mich liebhaben.
Der graue, störrische, eigenbrötlerische PC kommt dagegen einfach nicht an. Jeder vierte User schlägt seinen Computer, das ist erwiesen. Manchmal ist es ja nur die gutgemeinte Aufforderung mit der flachen Hand, endlich zur Vernunft zu kommen. Bisweilen beziehen die Geräte jedoch eine so ausgewachsene Tracht Prügel, dass selbst abgebrühte Servicetechniker schaudernd vor den Dellen stehen.
Vielleicht hat die Werbung zu oft erzählt, dass Computer einfach sind. Jedenfalls kann der Täter sicher sein, dass wir seine Tat verstehen. Das engagierte Theater, das er um die Maschine macht, ist ja nur ein Einakter gegen die Wehrlosigkeit vor der Technik. Die Häschen der Informatik gelten nicht als Technik. Sie machen so freundliche Display-Gesichtchen. Der User wird zärtlich, wenn er ihre leichten Körperchen und die rundlichen PatschTästchen sieht. Die technische Rekonstruktion des Kindchenschemas brachte die Tötungshemmung in die digitale Welt zurück.
Im letzten Jahr haben weltweit 3,5 Millionen Leute das Sorgerecht für einen Handheld erworben. In den einschlägigen Foren tauschen sie sich im Tonfall besorgter Eltern aus. Die Kleinen sind ja immer bedürftig. Zunächst brauchen sie etwas zum Anziehen, teures Leder steht ihnen besonders gut. Aber auch Kabel und Stecker und Speicher und Software müssen her, damit sie wachsen und neunmalklug werden können.
Wer sich so einen kleinen Professor heranzüchtet, hat die Allwissenheit in der Westentasche. Man könnte, nur so als Beispiel, mitten im Wald ins Internet einsteigen, um den Pilz zu identifizieren, der plötzlich am Wegesrand auftaucht. Der rührende Piepston, mit dem der hoffnungsvolle Kleine an die Aufgabe herangeht, führt weit über den objektiven Nutzwert hinaus. Wir spüren Dank für Fürsorge, Hingabe und Bemühen, eine tiefe Befriedigung, Natur pur. Wir notieren: Ein simpler Informationsprozess wird zum gamzheilichel Triunpf.