BERÜHMTHEIT war das letzte, was die Ingenieure anstrebten. Sie wollten bloss auf ihre Art ein Problem der real world lösen: Die Kaffetrinker des weitverzweigten Computer-Departments der University of Cambridge hatten es einfach satt, treppauf und treppab ihrem Lebenselixier zuzulaufen und dann vor einem leeren Pot zu stehen. Vor ein paar Jahren beschlossen sie, ihrem Leben eine Wendung zu geben. Nicht, dass sie aus Platinresten eine grössere Kaffeemaschine zusammengelötet hätten. Das wäre zu naheliegend gewesen. Sie installierten im Trojan Room eine Videokamera, richteten sie auf die institutseigene Kaffeemaschine und verbanden sie mit dem Internet. Die Mutter aller Webcams avancierte auf Anhieb zur Fünfstern-Sehenswürdigkeit, obwohl die wenigsten Betrachter je Gelegenheit haben werden, Kaffee aus Cambridge zu kosten.
Warum schauen wir also immer wieder im Trojan Room vorbei? Weil es ein Kunsterlebnis ersten Ranges ist, ein triviales Haushaltsgerät aus einer High-Tech-Perspektive zu sehen. Malewitschs Schwarzes Quadrat drängt sich als Vergleich auf, und Wassily Kandinsky, der Künstler des kühnen, fruchtbaren Experiments, will zitiert sein: «Durch das Herausreissen eines Punktes aus dem engen Kreis seines gewohnten Wirkens bekommen seine bis jetzt schweigenden inneren Eigenschaften einen immer mehr wachsenden Klang.»
Es ist das Elend des Haushalts an sich, das im Trojan Room zur Disposition steht. Die Kaffeemaschine sagt uns: «Seht, alles um mich herum ist gescheiter geworden, nur ich nicht.» Sie teilt dieses Schicksal mit den Tiefkühltruhen, die nach wie vor das Ablaufdatum überzeitiger Gefriergüter ignorieren. Sie reflektiert das Unvermögen der Waschmaschinen, zwischen Unterhosen und Seidenblusen zu unterscheiden. Sie offenbart in kritischer Lesart, dass Haushaltsgeräte Stiefkinder des Fortschritts sind.
Der radikale Blick der Webcam signalisiert indes, dass das nicht so bleiben wird. Überall auf der Welt werden Gehäuse gezimmert, mit Prozessoren und Sensoren gespickt und zu Expertensystemen für Staub aufgerüstet. Einstweilen sind sie noch schreckliche Diener, weil sie herumliegende Golddiademe zum Altmetall sortieren und Kinder mit Kommoden verwechseln. In den Worten eines Forschers: «Automatisiertes Staubsaugen ist eine höchst anspruchsvolle Aufgabe.» Aber in ein paar Jahren könnte der intelligente Staubsauger seinen befreienden Siegeszug durch die Haushalte antreten.
Bis dahin wird in zeitgenössischen Wohnumgebungen einzig die Gegensprechanlage auf der Höhe der Zeit sein. Sie ermöglicht es immerhin, nächtlichen Gästen den Weg zur Wohnungstür interaktiv freizuschalten. Sie ist der Cyberspace des kleinen Mannes.