DIE TRINKGELDFORSCHUNG mag vielleicht in Sachen Ansehen und Geldmittel nicht mit anderen Gebieten der Wissenschaft mithalten, ihre Resultate haben aber die seltene Eigenschaft, im Alltag eine Rolle zu spielen.
«Die Midas-Berührung: Der Effekt interpersonaler Berührung auf das Trinkgeld in Restaurants» (Personality & Social Psychology Bulletin, Vol. 10, S. 512–517) wurde bei drei Serviertöchtern entdeckt, die ihre Gäste – Mann und Frau – kurz berührten, wenn sie mit dem Wechselgeld an den Tisch kamen. Ein lohnenswertes Vorgehen. Die zweimalige Berührung der Handfläche des Gastes (je eine halbe Sekunde mit um 10 Grad geneigtem Körper) brachte 37 Prozent mehr Trinkgeld, die Schulterberührung (eine bis eineinhalb Sekunden) 18 Prozent.
Wer seine Gäste nicht berühren will, kann auch den «Effekt der Körperhaltung der Serviertochter auf das Trinkgeld in Restaurants» (Journal of Applied Social Psychology, Vol. 23, S. 678–685) ausnützen. Wenn Serviertöchter bei der Aufnahme der Bestellung am Tisch kauerten, nahmen sie signifikant mehr Trinkgeld ein, als wenn sie standen. Und wem Kauern zu anstrengend ist, der kann es mit dem «Effekt auf das Trinkgeld eines Barkeepers, der eine Sonne unten auf die Kundenrechnung zeichnet» (Psychological Reports, Vol. 87, S. 223–226) versuchen: 38 Prozent mehr.