WER SICH IM REIFEREN ALTER mit dem Gedanken trägt, ein Musikinstrument zu erlernen, tut gut daran, sich nicht an klassischen Instrumenten zu vergreifen. Das Geigenspiel beherrscht man der erforderlichen Feinmotorik wegen nimmermehr, und ein Flügel macht sich zwar gut in der guten Stube, ist aber für den Anfänger so sinnvoll wie ein Ferrari, den man nur zum Einkaufen braucht.
Mangelnde Zeit zum Üben und - seien wir offen - nicht unbedingt abnehmende Begriffsstutzigkeit sind die Probleme, die einem die Freude an einem neuerworbenen Instrument rasch verderben können. Es sei denn, man hat sich für ein Keyboard entschieden. Das spielt sich nahezu von selbst, kann auch zu später Stunde (Kopfhörer!) in Betrieb genommen werden und bringt noch die freudloseste Familie in frohgemuten Kelly-Family-Schwung.
Schon einfache Keyboards für weniger als hundert Franken verwenden die Puls-Code-Modulation als Sample-Technologie und können mit Hilfe von Sinusgeneratoren beeindruckende Instrumental- und Elektronik-Sounds erzeugen. Und für weniger als fünfhundert Franken gibt es heute bereits Keyboards, die anschlagsempfindlich sind und einen dynamischen Filter aufweisen, der Klangfarbe und Stimmung der Spielstärke entsprechend reguliert. Die Akustik von Räumen und Sälen unterschiedlicher Grösse lässt sich zusätzlich einspeisen, und 32-Ton-Polyphonie, digitale Signalverarbeitung für raffinierte Effekte sowie ein 6-Spur-Sequenzer zur Aufnahme- und Wiedergabe komplexer musikalischer Arrangements machen aus dem schlichten Tasteninstrument ein veritables Orchester, um das einen ein James Last beneidet.
Mit Hilfe des Dual-Voice-Modus etwa kann man zwei Stimmen überlagern, mit dem Split-Voice-Modus zwei verschiedene Stimmen in separaten Tastaturabschnitten spielen - also zum Beispiel Honky-Tonk-Piano mit der linken Hand und mit der rechten Panflöte. Kaum zu glauben, wie das Leben bringt in Chopins «Nocturnes» oder Schuberts «Winterreise» im Eurobeat- oder Tango-Continental-Style! Die 43 Knöpfe und Regler eines solchen Einsteigergerätes warten nur darauf, bedient zu werden - nebst der Klaviatur mit ihren 61 Tasten.
Die Gebrauchsanweisung zählt wenig mehr als hundert Seiten und ist fast so simpel wie die eines Videorecorders.