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NZZ Folio 05/09 - Thema: Do it yourself Inhaltsverzeichnis
«Ich bin Wasserwaagen-Fetischist»
© SELBER MACHEN/Christian Bordes
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| Jörn Lindemann ist geschäftsführender Redaktor des Magazins «Selbermachen» und Co-Moderator der monatlichen Radiosendung «Ideenbörse» beim NDR (www.ndr903.de). |
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Wie bohrt man ein Loch? Worauf ist beim Fliesenlegen zu achten? Welche Schrauben wählen? Der Fachmann Jörn Lindemann plaudert aus dem Werkzeugkästchen.
Von Mikael Krogerus
Herr Lindemann, lassen Sie uns die Gretchenfrage des Handwerkers klären: Hilti oder Black & Decker?
Eher Hilti. Ich glaube, wenn man etwas mehr Geld ausgibt, hat man auch etwas mehr Freude an dem Werkzeug.
Welche drei Werkzeuge würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?
Eine Säge, einen Akkuschrauber und einen Hammer.
Die Bohrmaschine Ihres Vertrauens?
Ein grosser Bohr- und Meisselhammer aus der 5-Kilo-Klasse, mit der man schon mal eine Wand einreissen kann. Und zwar Bosch. Bosch Blau natürlich, die Profilinie.
Welche Werkzeuge tragen Sie stets «am Mann»?
Akkuschrauber, einen Satz Bits, also Aufsätze für die entsprechenden Schrauben, Hammer und Wasserwaage.
Was sollte sich in jedem Werkzeugkasten befinden?
Schraubenzieher, unbedingt ein Bitsatz mit Torx-Antrieben, kleine Säge, Wasserwaage, Hammer und mindestens eine Kombizange.
Wie gross sind die Qualitätsunterschiede bei, sagen wir, Schraubenziehern?
Unter starker Belastung: enorm. Billige, nicht gehärtete Klingen werden bei starkem Druck spröde oder brechen sogar. Und man hat bei einfachen Modellen häufig das Problem, dass sie nicht richtig auf Mass gefertigt wurden. Dann rutscht der Schrauber ständig ab.
Warum gibt es Kreuz- und Schlitzschraubenzieher?
Das ist eine historische Entwicklung: Der Schraubenantrieb, so nennt man das, was oben im Schraubenkopf eingeritzt ist, war anfangs nur ein Schlitz, dann gab es das Kreuz, und heute gibt es den Sternantrieb. Es geht darum, die Angriffsfläche des Schraubenziehers in der Schraube zu vergrössern. Bei den Sternantrieben, den sogenannten Torx, entsteht eine sehr kraftschlüssige Verbindung zwischen Werkzeug und Schraube. Lohnt sich!
Und warum fiel die Schlitzschraube nicht der Evolution zum Opfer?
Aus dekorativen Gründen. Wenn man mit sichtbaren Schraubköpfen arbeitet, dann sind Schlitzschrauben, in Maserrichtung ausgerichtet, natürlich schöner als Torx-Schrauben, die sehr technisch aussehen.
Zu welchem Ihrer Werkzeuge haben Sie das emotionalste Verhältnis?
Ich bin Wasserwaagen-Fetischist. Ich habe eine für Elektroinstallationen, eine für Sanitärinstallationen, eine normale, eine magnetische, die am Metallständer haftet für den Trockenbau…
Welches Werkzeug müsste noch erfunden werden?
Ich denke eigentlich, es gibt schon zu viele.
Welches Werkzeug ist denn überflüssig?
Es gibt zu viele Elektrowerkzeuge. Zum Beispiel diese elektrische Feilen, die braucht kein Mensch. Feilen kann man mit der Hand viel präziser.
Verraten Sie uns ein paar Tricks: Was macht man im Frühling mit den angegrauten Gartenmöbeln?
Entweder das Holz ein bisschen anschleifen oder einen chemischen Entgrauer anwenden und dann mit einem Holzöl, zum Beispiel Teaköl, behandeln. Dann hat man das Jahr über Ruhe.
Was ist zurzeit das angesagteste Holz für draussen?
Nachdem in den letzten Jahren Teak und Bankirai, also Tropenhölzer, angesagt waren, ist jetzt die Lärche auf dem Vormarsch: ein heimisches, robustes Nadelholz.
Wechseln wir von draussen nach drinnen: Wie streicht man Wände richtig?
Immer abschnittweise, die Wand nie trocknen lassen, sondern nass in Nass arbeiten: Farbe auftragen und dann «verschlichten», wie der Profi sagt, also nochmals quer verstreichen, damit man keine Schatten drinhat.
Wie bohrt man, ohne das Loch auszufransen?
Das kommt auf den Baustoff an, bei Ziegelwänden oder Kalksandstein muss ich mit einem Schlagbohrer rein und bei Beton mit einem Bohrhammer. Noch ein Trick: Man kann den Mittelpunkt des künftigen Bohrloches etwas anpieksen mit einem starken Nagel, dann kann die Spitze des Bohrers nicht auswandern.
Was machen Profis gegen den Staub beim Bohren? Hält bei denen auch ein Kollege den Staubsauger hin?
Es gibt kleine Döschen, die man über den Bohrer stülpt. Aber am einfachsten ist ein uralter Trick: Man nimmt eine Kaffeefiltertüte, befestigt sie mit einem Klebstreifen an der Wand unterhalb des Bohrloches.
Ihr Trick, damit Dübel ewig halten?
Dübel mit etwas Gips oder mit einer Gipsbinde setzen.
Und wie kriege ich den Dübel wieder aus der Wand raus?
Bei normalen Kunststoffdübeln brauchen Sie keinen extra Dübelauszieher, stattdessen nehmen Sie eine etwas dickere Schraube, drehen diese, bis sie fest sitzt, und ziehen mit der Kombizange Schraube samt Dübel heraus.
Wie verhindere ich, dass sich Holz beim Nageln spaltet?
Indem Sie dem Nagel vorher einen kleinen Schlag auf den Kopf geben. Dann wird die Nagelspitze flach. Eine flache Nagelspitze durchreisst die Holzfasern, anstatt sie auseinanderzudrücken – das Holz spaltet sich nicht.
Wie entfernt man Sekundenkleber von den Händen?
Am besten sofort die verklebten Finger in warmes Seifenwasser halten und vorsichtig gegeneinander reiben.
Wie reinigt man die Finger von Fett- und Ölspuren?
Ich nehme eine Reinigungspaste mit schmirgelnden Stoffen, häufig sind das gemahlene Nussschalen oder Ähnliches. Gibt’s in jedem Baumarkt.
Lassen Sie uns über Heimwerkerfehler sprechen: Was machen die meisten falsch beim Laminatverlegen?
Der Klassiker beim Laminat- wie auch beim Parkettverlegen: Sie vergessen, eine Dehnungsfuge am Rand zu lassen. Sie dürfen den Boden nie stramm an die Wand legen, das Material dehnt sich im Sommer aus und wirft Wellen.
Was passiert typischerweise beim Fliesenlegen im Bad?
Da kommt es immer mal wieder vor, dass man zu wenig Klebstoff unter der Fliese hat, dann bilden sich Hohlräume. Die Folge: Unter Belastung kann die Fliese springen.
Ein Handwerksfehler, der Ihnen zuletzt unterlaufen ist?
Mir passieren ständig Fehler… Neulich habe ich mein Dach gedämmt und dabei eine Folie als Dampfbremse verwendet. Die muss man mit ein bisschen Durchhang verlegen. Als ich die Folie an den Sparren mit einem Bostitch befestigte, habe ich das einfach nicht beachtet. Ich musste alles neu machen.
Ein Fehler, den man sich als echter Heimwerker nicht verzeihen kann?
Ich glaube, man verzeiht sich eine ganze Menge, wenn man es selber noch geradebiegen kann. Darin liegt ja auch der Reiz. Was man sich nicht verzeiht, ist die falsche Materialauswahl; die falschen Schrauben, der falsche Kleber, das falsche Holz. Wenn Sie zum Beispiel draussen Buche verwenden. Riesenfehler. Buche verwittert sehr schnell.
Was würden selbst Sie nicht selber machen?
Alles, was mit Druckwasser zu tun hat. Also Heizung und Wasserleitung – wenn da etwas schiefgeht, wird es teuer. Auch vom Schweissen und Löten lass ich lieber die Finger.
Worauf sind Sie am meisten stolz?
Dass ich in meinem Haus eine Treppe eingebaut habe.
Was halten Sie von Ikea?
Ikea baut gute Möbel zu unschlagbaren Preisen. Sie können vieles in der Art individueller selber machen, aber nicht billiger. Ausserdem ist fast alles aus Holz, das heisst, Sie können problemlos Ikea-Möbel verändern und erweitern.
Worum geht es eigentlich beim Heimwerken?
Es geht um die Freude. Geldsparen ist eher zweitrangig.
Erleben wir gerade die Renaissance oder den Niedergang des Heimwerkens?
Schwierige Frage. Ich habe das Gefühl, dass Leute, die ins Eigenheim ziehen, Interesse am Heimwerken entwickeln. Jüngere Menschen ohne Eigenheim sind eher unterrepräsentiert. Heimwerker wird man meist ab Mitte 30.
Geht Heimwerkerwissen verloren?
Ja, ganz sicher, vieles, was früher handwerklich erledigt wurde, wird heute maschinell und chemisch gelöst oder von Profis erledigt. Das typische Heimwerkerwissen, wie man tapeziert, Wände streicht, Böden verlegt, hat man ja früher traditionell zu Hause von den Eltern gelernt.
Welche Tricks haben Sie von zu Hause mitgenommen?
Mein Vater war Restaurator, von ihm kenne ich den Umgang mit Spachtelmasse, mit Mörtel. Und von ihm habe ich so Tricks gelernt wie: Gips bindet nicht so schnell ab, wenn man Weissleim reingibt. Jeder Selbermacher hat seinen Lieblingsstoff. Für die meisten ist das Holz. Für mich ist das Mauer, Stein und Mörtel. Das habe ich von meinem Vater.
Gilt beim Heimwerken wie auf dem Bau der Satz: Kurz vor vier, Zeit für ein Bier?
Nein, nie! Das Entspannungsbier gibt es bei mir immer erst nach der Arbeit.
Haben Sie auch die Erfahrung gemacht, dass Frauen auf Handwerker stehen?
Leider nicht! Meine Erfahrung ist eher, dass es Frauen beeindruckt, wenn man erzählt, man könne gut kochen.
Wie viele Frauen kennen Sie, die Ihnen handwerklich überlegen sind?
Vier bis fünf. Frauen in Handwerksberufen sind immer noch selten. Dabei haben Frauen im Holz- und Tischlerbereich, vor allem im Innenausbau, eindeutig mehr Gespür.
Ihr Lieblingsvorurteil gegen Intellektuelle?
Dass sie handwerklich nichts auf die Reihe kriegen!
Sehen Sie Menschen an, ob sie handwerklich begabt sind?
Nein, aber im Gespräch merke ich nach wenigen Sätzen: Okay, das ist einer, der lässt sich den Maler kommen.
Was halten Sie von Männern, die keinen Nagel in die Wand schlagen können?
Ich verurteile sie nicht. Aber ich glaube, wenn man es will, kann man es. Es wird ja überall mit Wasser gekocht.
Worauf achten Sie, wenn Sie eine Wohnung betreten?
Ich schaue mir die Bäder an, auch in Hotels. An der Passgenauigkeit der Fliesen erkennt man, ob das echtes Handwerk war oder bloss billig.
Welche Frage wird Ihnen am häufigsten gestellt?
Was mache ich bei gesprungenen Fliesen im Bad?
Und?
Wegwerfen, neu kleben. Aber wie gesagt: mit genügend Klebstoff!
Mikael Krogerus ist freier Journalist; er lebt in Berlin.
Leserbriefe:
Zu «Ich bin Wasserwaagen-Fetischist» - NZZ-Folio Do it yourself (05/09)
Wenn ich einen leeren Dübel aus der Wand ziehen will nehme ich dazu eine Spitzzange. Einen Spitz stecke ich ins Zentrum des Dübels und den anderen zwischen Dübel und Wand. So lässt sich der Dübel ziehend und drehend aus der Wand ziehen.
Gegen spaltendes Holz gebe ich mit dem Hammer einen Schlag direkt auf die Nagelspitze damit ich das Resultat sehe. Den Kopf halte ich dabei auf eine Metall-Unterlage. Holz ist mir da zu weich.
Und wo lädt Herr Lindemann seinen Akkuschrauber auf einer einsamen Insel auf?
Ich würde da meine gute alte Bohrwinde mitnehmen. Da kann ich die Bits auch montieren und habe genug Drehmoment, auch ohne Strom. Peter Wandeler, Wil
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