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Duftnote -- Erfolg in der Nische
© Fabienne Boldt
Von Luca Turin
«Nischenparfums» sind ein Bereich hektischer Novitäten, doch das erste solche Parfum ist dreissig Jahre alt und immer noch erfolgreich: 1976 verfiel Jean Laporte auf die Idee, kühne, poppige und trügerisch einfache Parfums zu entwerfen, die nicht zum Mainstream passten, und sie den (solvent gewordenen) 68ern zu verkaufen. Er griff freizügig auf synthetische Stoffe zurück, doch seine Boutiquen besassen die Ausstrahlung eines behaglichen, blumigen Potpourris und hatten nichts mit Luxusgeschäften gemeinsam.
Nachdem dieser Coty unserer Tage seinen Kontinent entdeckt hatte, bevölkerte er ihn mit eigenwilligen Geschöpfen: Sein Vanilia war der erste Vanilleduft, der grosse Mengen des Zuckerwattestoffs Ethylmaltol benutzte, und ist bis heute das euphorischste Parfum geblieben, das es gibt. Sein erster Grosserfolg war Mûre et Musc (1978), in dem er Galaxolid, einen kräftigen synthetischen Moschusduft mit Waldbeernoten, mit einer Herznote aus noch mehr Waldbeeren zu einem Duft verband, der bis heute Bestand hat.
L’Artisan Parfumeur machte Millionengewinne. Laporte ist ein wahrer Duftfanatiker: Vor einem Jahrzehnt organisierte er in Paris eine Ausstellung, in der er all die Pflanzen präsentierte, aus denen die grossen Rohstoffe der Parfumerie gewonnen werden. Die Pflanzen alle gleichzeitig zum Blühen zu bringen, war ein logistisches Wunder und ausserdem ein Fest für Auge und Nase. Laporte erzählte mir einmal, sein erstes Experiment als Kind habe darin bestanden, Kabisblätter in eine Metallschachtel einzuschliessen und sie dort monatelang verrotten zu lassen. So habe er «die meisten bekannten Schwefelverbindungen» kennengelernt.
1989 gründete Laporte eine neue Firma, Maître Gantier et Parfumeur, mit vergleichbarer Ausrichtung. Nach seinem Abgang schien L’Artisan Parfumeur vom Kurs abzukommen, erholte sich dann aber mit einer Reihe auf gut Glück lancierter, sehr modischer und ein wenig geschmäcklerischer Düfte, darunter Olivia Giacobettis hervorragende Kompositionen Dzing! und Premier Figuier.
Zu dieser Zeit tobte bereits ein erbitterter Kampf um die Nischenmärkte, in dem die natürlichen Duftstoffe eine Renaissance erlebten. L’Artisan war geschickt genug, mit Bertrand Duchaufour und Jean-Claude Ellena die besten verfügbaren Talente zu nutzen. Man sollte nie die französische Fähigkeit zum Raffinement unterschätzen: Von Debussy bis zur Nouvelle Cuisine sind die Franzosen in Hinblick auf frische, knappe, subtile Schönheit schlicht unübertroffen. Es gibt kein Parfum, das dies besser veranschaulichte, als Duchaufours sensationelles Timbuktu (2004). Es ist ein Vetiver wie kein anderes, mit der kühlen, rosigen Ausstrahlung der Morgendämmerung. Man möchte sich sogleich einen Vorrat für zwanzig Jahre anlegen für den Fall, dass L’Artisan von LVMH geschluckt wird.
Luca Turin ist Forschungsleiter und lebt in London.
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Interview mit Luca Turin
NZZ-Format, das Fernsehmagazin der NZZ, hat im November 2006 einen Special zum Thema Parfum ausgestrahlt. Die Sendung ist auf DVD erhältlich und enthält als Bonusmaterial unter anderem ein Interview mit Luca Turin (in Englisch).
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