NZZ Folio 04/02 - Thema: Unterwegs   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Von Feld- und anderen Flaschen

© Anna Sommer
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Von Joni Müller
OBWOHL IHR NAME aus dem unerfreulichen militärischen Feld stammt und entfernt an Solferino und die Beresina erinnert, gilt die Feldflasche heute als durchaus ziviles Objekt.
Dies ist Generationen von Schulkindern und anderen Wandersleuten zu verdanken, welche durch das Trinken von Hektolitern ungesüssten Hagebuttentees in Feld und Wald das mobile Tranksame-Behältnis allmählich vom Ruch des Soldaten-Accessoires reinwuschen. Dazu benützten sie vorwiegend jenes billige zeitlose Modell aus geripptem weichem weissem Plastic, dessen Deckel zugleich Becher war und das dem Tee seinen unverwechselbaren Geschmack verlieh.

Heute ist das Wort Feldflasche leicht veraltet, und das Objekt selbst ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Vor allem Sportler greifen gerne zu trendigen Bottles, welche mit praktischen Nippeln versehen sind und die bequeme Einnahme isotonischer Getränke sogar in vollem Lauf, auf dem Velo oder beim Bungee-Jumping erlauben. Doch das Trinken unterwegs ist mittlerweile so populär geworden, dass ihm längst nicht mehr nur von Wandervögeln und gehetzten Athleten gefrönt wird.

Vielmehr sind es meist ganz normale Jugendliche, die im Alltag stets eine Flasche mit Eistee oder Mineralwasser herumtragen. Ob im Zug oder im Bus, auf der Strasse oder im Park, ob Junge oder Mädchen - unentwegt wird getrunken, was die Blase hält, von dem goldnen Überfluss der Welt. Was dem klassischen Clochard seine Rotwein- und dem Punk seine Bierflasche, ist dem Mittelschüler seine PET-Flasche: ständiger Begleiter, fester Halt und Markenzeichen zugleich.

Warum so viele junge Menschen nicht ohne ihre Flasche anzutreffen sind, ist schwer zu sagen. Zwar haben die Präventivmediziner die empfohlene Flüssigkeitszufuhr auf Mengen hochgeschraubt, die ohne mobiles Trinken fast nicht mehr zu schaffen sind. Doch wer weiss, wie wenig die Jugend auf ärztliche Ratschläge hört, wird die grassierende Marotte kaum solchen Appellen zuschreiben. Auch die psychologische Erklärung, wer bis fünf an der Flasche sauge, werde nie mehr von ihr loskommen, ist wenig überzeugend. Es ist wohl sehr viel simpler: Wer mobil telefoniert, der trinkt halt auch mobil.



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