NZZ Folio 07/00 - Thema: Mann und Frau   Inhaltsverzeichnis

Abenteuer Freizeit -- Der Fischer und seine Räuchertonne

Von Peter Haffner

WO FEUER IST, DA IST AUCH RAUCH, sagt sich der Angler, der seinen Fang haltbar machen und geschmacklich veredeln will. Ob heiss- oder kaltgeräuchert, nass- oder trockengepökelt - wer einmal scharfe Möpse oder Spaltaal genossen hat, ist fürs Leben geködert.

Für den Anfang leistet ein transportabler Teleskop-Ofen gute Dienste. Die Haken, um die Fische aufzuhängen, lassen sich leicht selber fertigen: S-Haken, einfache Steck- und Wirbelhaken, doppelte Rückenhaken, Hakenketten sowie Spreizdraht und Schnurschlingen - mehr braucht's nicht. Letztere eignen sich für Flossenträger mit ausgeprägtem Schwanzstiel, bei denen der doppelt gelegte Faden unmittelbar vor der Schwanzflosse durch eine Schubschlinge fest angebunden wird, so dass der Fisch, ist das freie Schnurende mit einer Schlaufe versehen, kopfüber eingehängt werden kann.

Etwas schwieriger ist das sachgerechte Schlachten. Soll «gefleckt», «gekehlt» oder «gespalten» geräuchert werden? Für die Schnittführung ist das entscheidend.

Verhältnismässig einfach ist das Spalten von Aalen, die vom Rücken her der Mittelgräte entlang bis kurz vor dem Schwanzende aufgeschnitten und dann ausgenommen werden.

Zum Flecken von Makrelen werden dieselben auch vom Rücken her geöffnet, aber entlang der Mittelgräte einen Zentimeter vor dem Ansatz der Schwanzflosse bis zum Kopf so aufgeschnitten, dass der obere Teil des Kopfes einschliesslich Oberkiefer durchtrennt wird, Unterkiefer und Kehlsteg aber unverletzt bleiben.

Will man hingegen Heringe zur Zubereitung schmackhafter Bücklinge kehlen, nimmt man den Fisch mit der Bauchseite nach oben in die linke Hand und setzt zwischen den Brustflossen einen etwa drei Zentimeter langen Schnitt, der ungefähr einen Zentimeter vor dem Kiemenansatz endet. Anschliessend hebelt man die Eingeweide mit dem Löffelstiel hervor und zieht sie mit Hilfe von Daumen und Zeigefinger vorsichtig heraus, wobei darauf zu achten ist, dass der Darm am Waidloch abreisst.

Gar mancher Angler, der mit einer selbstgebastelten Räuchertonne begonnen hat, hat es zu einer rustikalen Räucherhütte mit Umschwung gebracht, in der auch das Eigenheim Platz gefunden hat. Da schneidet er seine Karbonden, vergoldet er seine Beute: ein stilles Hobby, über das sich kein Nachbar beklagen kann - die richtige Windrichtung vorausgesetzt.


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