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Zerlegt -- Ein zäher Dauerläufer
© Patrick Rohner
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| Turnschuh, Canvas und Gummi, Converse All Stars, 89 Franken 90. |
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Mick Jagger trug sie, als er heiratete, Kurt Cobain, als er sich erschoss: Turnschuhe von Converse gehören seit mehr als fünfzig Jahren zur Jugendkultur.
Von Jeroen van Rooijen
Ordnungsliebende Leser bitten wir um Entschuldigung: «Chucks» kann man nicht sauber zerlegen, man muss sie massakrieren: Die Sportschuhe des US-Herstellers Converse sind derart solide gefertigt, dass man fürs Sezieren das Teppichmesser braucht. Die Wurzeln der Chucks, die eigentlich All Stars heissen, gehen bis 1908 zurück, als der Marquis Mills Converse in Malden, Massachusetts, die Converse Rubber Shoe Company gründete. Sie war spezialisiert auf winterfestes Schuhwerk, Spezialschuhe für Fischer, Ringer und – mit dem abgebildeten Modell – ab 1917 für Basketballspieler. Die ersten All Stars gab’s nur in Schwarz, heute gibt es sie in vielen Farben, Materialien und Schafthöhen.
1921 bekam der Schuh seinen Übernamen, als der populäre Basketballspieler Chuck Taylor zu Converse stiess und half, das Erfolgsmodell zu verbessern. Zum Dank durfte Taylor seinen Namen auf jene runde Plakette schreiben, die heute nicht mehr aufgenäht, sondern nur noch gedruckt ist und ursprünglich zum besseren Schutz der Knöchel diente. Es scheint heute undenkbar, aber tatsächlich wurde mit diesem primitiven Schuh lange Profisport betrieben. Seit den 1950er Jahren gehören Chucks nicht nur auf Sportplätzen und in militärischen Trainingscamps zur Grundausrüstung, sondern in Jugendszenen aller Couleur.
Converse dominierte den Sportschuhmarkt, bis Ende der 1960er andere Hersteller auf den Plan traten und im Bereich der Anatomie vieles verbesserten. Die Chucks blieben der Konkurrenz zum Trotz ein Symbol der Jugend: James Dean trug sie wie Elvis Presley und die Ramones, Mick Jagger heiratete 1971 in Chucks, und Kurt Cobain hatte sie an den Füssen, als er sich 1994 eine Kugel durch den Kopf schoss. Trotzdem machte Converse 2001 fast Pleite, suchte den Gläubigerschutz unter Chapter 11 und landete 2003 in den Armen des Giganten Nike. Bis heute sollen über eine Milliarde Paar Chucks produziert worden sein.
Gefertigt werden Chucks vornehmlich in Asien, das zerlegte Paar in Vietnam. Der Oberstoff besteht aus doppeltem, robustem Canvas in klassischer Leinenbindung. In vierzehn metallenen Ösen sind die über einen Meter langen Schnürsenkel eingezogen. Zwei weitere Ösen sind auf der Innenseite des Fusses über dem Sohlenrand eingeschlagen und sorgen für Ventilation. Viel Halt gibt der Schuh nicht: Nur im Fersenteil des Schaftes wird eine Verstärkung aus Baumwolle und Hartgummi eingenäht.
Der Schaft und die extralange Zunge der Chucks werden zusammengenäht und mit der weissen Zehenkappe in die Laufsohle geleimt, deren Ränder rundherum etwa zwei Zentimeter aufragen. Dabei verschmilzt der Gummi förmlich mit dem Oberstoff. Zum Schluss wird eine Innensohle aufgeleimt, die mit einem Fersenkeil aus Schaumstoff und einer leicht porösen Grundfläche einen Hauch von anatomisch korrektem Fussbett simuliert. Der Gummi und der Leim verleihen den Chucks ihr unvergleichliches Aroma – der Kautschukgeruch gehört für Converse-Fans einfach dazu.
Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ.
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