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Editorial -- Schuhgeschichten
© Jost Wildbolz, Zürich
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| «Birkenstöcke? Niemals»: Sandro Diener, 32, Fotograf. |
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Schuhe, so sagt man, sagen vieles über den Menschen aus, der sie trägt, vielleicht, weil sich an der verbindlich festen Gestalt eines Schuhs mehr ablesen lässt als an jedem anderen Kleidungsstück: Der Stiefel ist das Zeichen der Eroberer – Soldaten und Jäger tragen ihn. In ihm fühlt sich der ganze Mensch sicher. Anders die Sandale. Sie steht für Freiheit. Nichts engt ein, das wirkt sich auch auf die Seele aus – Mönche tragen Sandalen. Schuhe verändern das Auftreten und beeinflussen die Stimmung: Mit einem eleganten Schuh wächst das Selbstbewusstsein, mit einem drückenden Schuh am Fuss fühlen wir uns schwach.
Schuhe legen Zeugnis ab vom sozialen und kulturellen Selbstverständnis des Menschen. Sie erzählen vom Status des Trägers, erklären sein Verhältnis zum eigenen Geschlecht. Die ersten Schuhe mit hohen Absätzen sind mit dem ersten Mal Schminken zu vergleichen – sie sind der Eintritt in die Welt der Weiblichkeit, sagt die Psychiaterin Isolde Eckle.
Schuhe entscheiden über Sieg oder Niederlage, behauptet der tschechische Schuhwissenschafter Petr Hlavácek und erinnert im Gespräch an die zu schweren Stiefel der amerikanischen Soldaten im Vietnamkrieg. Und sie berichten von Leidenschaften wie der des Pariser Schuhdesigners Christian Louboutin, der seit seinem zehnten Lebensjahr dem Highheel verfallen ist, oder der des Münchner Schuhmachers Peter Eduard Meier. Louboutins Kreationen sind märchenhaft und er selbst so etwas wie ein Prinz; Frauen stellt er auf 12 Zentimeter hohe Stifte und feiert sie als Göttinnen. Meier poliert indes edelstes Leder auf Hochglanz und lehrt seine Technik Adlige und Anwälte in Schuhputzseminaren.
Natürlich bleibt der Schuh trotz allen Geschichten ein Schuh, ein Alltagsgegenstand, den wir mögen, weil er schlicht schön ist, oder schätzen, weil er uns bei Regen trockenen Fusses nach Hause bringt. Dort stellen wir ihn ordentlich neben die anderen Schuhe, die geliebten Menschen gehören, und wir wissen, dass wir angekommen sind.
Gudrun Sachse
Leserbriefe:
Zu Editorial -- Schuhgeschichten - NZZ-Folio Schuhe (11/07)
Ich grautliere Ihnen zu diesem Heft! Es hat richtig Spass gemacht, die einzelnen Artikel zu lesen und es hat mir bewusst gemacht, wie viel Schuhe über eine Person aussagen können. Beim nächsten Kauf werde ich bestimmt darauf achten... Ein wirklich unterhaltsames und gelungenes Heft. Gratuliere! Carol Wiedmer, Gossau
Zu Editorial -- Schuhgeschichten - NZZ-Folio Schuhe (11/07)
Zum Bild im Editorial: Birkenstöcke? Sandro Diener, Fotograf, 32 Jahre alt, sagt: Niemals. Es ist aber leichtsinnig, sich den Birkenstock-Schuh immer und immer wieder als etwas ins Bewusstsein zu rufen, das man nie will und niemals brauchen wird. Ich war auch einmal 32 Jahre alt und dachte: Das Leben ist gut zu mir, ich habe lange Beine und normale Füsse. Bis der Tag kommt, an dem du merkst: Nichts ist mehr, wie es immer war. Dein Fuss wird krank, er tut weh, macht Probleme – und siehe da, es gibt einen Ausweg, weg von den heftigen Schmerzen, von dem Brennen. Du suchst und findest – Birkenstock. Es gibt einen Tag, da verstehst du, dass ein erträgliches Gehen tausend Mal mehr wert ist als jede Eleganz, jede Erotik, jede Extravaganz. Deshalb: Sag niemals niemals. H. Doll, Clarens
Zu Editorial -- Schuhgeschichten - NZZ-Folio Schuhe (11/07)
Wie so oft bei Ihren Titelblättern, bei denen ich mich über die Ideen gefreut habe, mit denen Sie ein Thema mit einem Bild einfangen, so kann ich Ihnen auch hier nur meine höchste Bewunderung für die Idee mit dem Schnürsenkel in der Darstellung eines Schuhs aussprechen. Einfach grosse Klasse. Michael Barthel, Nendeln FL
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