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Cyberspace -- Im Flachland
Von Franz Zauner
WÄRE DAS UNIVERSUM kundenfreundlich, die Sonne drehte sich um die Erde. Und es gäbe keinen Nordpol, denn die Erde wäre eine Scheibe. Die Griechen fanden dieses user-centered design praktisch. Die Päpste des Mittelalters verteidigten es mit Gewalt. Heute gilt der universelle Mangel an usability als vollkommen natürlich.
Aber Komplizen des Flachen sind wir geblieben. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach behaupten ein Sechstel der Leute, die Sonne drehe sich um die Erde. User neigen zur Anbetung des Überschaubaren, und die Designer wissen es. Digitales auf der Höhe der Zeit macht sich flach, im Wohnzimmer wie in den Weiten des Internets.
So unterschiedliche Webseiten wie die Homepage der Bundesbehörden des Gebirgslandes Schweiz und die des Branchenriesen Microsoft sind sich darin einig, nichts Erhabenes zu zeigen: kein einziger Schatten fällt. Selbst die Bildschirme, auf denen die Reverenzen an die dritte Dimension verschwinden, werden immer flacher.
In der frühen Elektronik existierte jedes digitale Ding für sich, trotzig wie ein Berg vor der Erstbesteigung. Wer ein Handy oder einen Videorecorder bediente, konnte händeringend Geschichten erzählen. Die Kabarettisten mussten nur Gebrauchsanweisungen zücken, schon zuckten die Zwerchfelle. Der Spass hörte auf, als der Katalog der Todsünden einem redesign unterzogen wurde. Ganz oben stand: Du sollst kein Userleben verschwenden. Alles muss klar sein, von Anfang an. So begann die Ära des minimalistischen Designs, der kunstfertigsten Mode überhaupt.
Wird Kompliziertes flachgelegt, erscheint es zugänglich, ohne dass man sich ahnungslos vorkommt. Genau so, wie eine Glasfassade die Illusion hervorruft, man blicke durch. Der Computer hat die Welt wieder zur Scheibe gemacht.
Nicht, dass jemand die Umständlichkeit zurückhaben möchte, doch man kann auch übers Ziel hinausschiessen, indem man den Weg dorthin verkürzt. Ein Bedienungsknopf, auf dem endlich einmal Operate statt Power steht, löst vielleicht eine Schrecksekunde aus, aber nach Art der jähen Erkenntnis: Manchmal wird das Einfache übertrieben.
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