NZZ Folio 04/99 - Thema: Im Vatikan   Inhaltsverzeichnis

Dirty Cooking -- Gemüseplättli «Feierabend»

Von Angela Schader

MANCHMAL MEINT auch die geeichte Fertigfutteresserin Lust auf Frischkost und Selbstgemachtes zu verspüren, schaut dann aber nach des Tages Hetze schon recht matten Auges auf die noch so unverdrossen wie beim mittäglichen Kauf glänzende Aubergine. In beidseitiger Schicksalsergebenheit wird das Objekt vergangener kulinarischer Begierden in Segmente zerteilt, während ein Gutsch angejahrtes Olivenöl senza Zwiebel oder Kräuter am überhitzten Pfannengrund vor sich hin geifert. Ist das schuldlose Gemüse einmal diesem Miniaturinferno überantwortet, lassen sich - da es bei Auberginen ja bekanntlich etwas dauert - noch rasch die Pflanzen giessen (Dünger nicht vergessen), drei Pullis zusammenlegen (warum tun's die Dinger nicht von selbst), Zeitungen bündeln und die eingelaufenen Rechnungen sichten sowie - verdammt! Aus der Küche quillt fetter Qualm, der Pfanneninhalt hat eine solid schwarze Tönung angenommen und den kulinarischen Zenit definitiv überschritten. Also in fliegender Hast die Tomate würfeln, damit's im Kochtopf wieder heiterer ausschaut, das beim Eintritt dieser neuen Todeskandidatin zornig aufzischende Geköch im Gegenzug tüchtig pfeffern, salzen und mit Parmesan bestreuen - und dann so schnell wie möglich essen und vergessen.


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