NZZ Folio 09/99 - Thema: Das Telefon   Inhaltsverzeichnis

Raucherfreuden -- Rauchen à la . . .

Von Thomas Brunnschweiler

IM UMGANG MIT TABAK gibt es Gewohnheiten, die durch berühmte Geniesser fast sprichwörtlich geworden sind. Einst gab es die Wendung «Rauchen à la Napoleon», was bedeutete, die angebotene Schnupfdose gleich zu behalten. Wer seine lange Pfeife früher «à la Klopstock» rauchte, hielt sie in Gesellschaft so hoch, dass der Kellner («Markör») beim Servieren darunter durchwieseln konnte. Da bei uns nicht mehr oft geschnupft wird und auch langstielige Pfeifen in der Öffentlichkeit kaum mehr zur Anwendung kommen, müssen wir uns neue Vorbilder suchen.

Es gibt im 20. Jahrhundert kaum jemanden, der das Bild vom Rauchen mehr mitgeprägt hat als Sir Winston Churchill. Neben einem Cigarrenformat seines Namens gibt es auch eine gleichnamige Marke. Wie wäre es also mit «Rauchen à la Churchill»? Der britische Premier, der von sich behauptete, er trage Kuba jeden Tag im Mund, pflegte seine Havanna oft so locker vor sich baumeln zu lassen wie Tucholsky seine Seele. Das nonchalante «Rauchen à la Churchill» verrät Abgeklärtheit und souveränen Umgang mit der Macht, wogegen ein Edelglimmer zwischen bleckenden Zähnen nur auf Stillosigkeit schliessen lässt. «Rauchen à la Schwarzenegger»! Pfui Teufel!

Wer zu seinem Puro ein so ungezwungenes Verhältnis besitzt, dass er ihn vierundzwanzig Stunden im Tag kauenderweise von einem Mundwinkel zum andern schiebt, gibt zu erkennen, dass er Cigarren mehr liebt als alles andere auf der Welt. Ein solcher Gourmand raucht «à la Groucho Marx». Wer in einem Nichtraucherabteil einem Raucher «à la Groucho» zuzischt: «Was machen Sie hier mit der Cigarre im Mund?», wird zur Antwort bekommen: «Wieso, können Sie mir sagen, wie man die sonst noch rauchen kann?» Schliesslich gibt es noch das «Rauchen à la Meienberg». Es funktioniert so: Man vergesse zu Hause die Brieftasche, borge sich für den Kauf der Tageszeitung die eines Freundes und erstehe sich dann unbekümmert einen Stapel Magazine samt einer teuren Davidoff.

Passen Sie auf: Bei den steigenden Cigarrenpreisen könnte das «Rauchen à la Meienberg» durchaus Schule machen!


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