DIE FOLTER der Wiederholung ist alt. Wir kennen sie aus der Sage des Sisyphos und Dantes Beschreibungen der Hölle. Sie wiederholt sich ständig. Auch und gerade im 7. Level des Computerspiels, das sich D. und S. täglich vornehmen, unter freiwilliger Aufbietung der Tugenden Einsatz, Zähigkeit und Fleiss. «Na?», fragt D., bevor es losgeht. S. lächelt heftig, M. aber stöhnt.
Ein gutes Spiel braucht einen Spielverderber. Einen zartbitteren Gewissensbiss hier, einen moralischen Anwurf da, und sei es nur als innere Stimme, die uns sagt, dass wir längst im Bett sein sollten. Das Übergehen dieser Stimme gibt dem Spiel die letzte, entscheidende Würze. Die Spielregel der grossen Welt ist gebrochen, der Homo ludens in seinem Recht. Für seine Rückverwandlung ist M. jederzeit zu haben: D. und S. stehen unter Beobachtung.
Man weiss, dass Spieler allerlei rätselhaften Kräften ausgesetzt sind. Unwiderstehliche Mächte saugen sie durch ein schwarzes Loch in ein Paralleluniversum. Manchmal kommen sie dort über den Urknall nicht hinaus. Dann müssen sie in den Laden, Strategiebücher kaufen, oder das Internet nach Tipps und Tricks und Cheats absuchen.
Jeder ist Schmied seines Spielglücks, das aus einer nie mehr enden wollenden Folge richtiger Entscheidungen besteht. Wenn sie die Bildschirmbösen in ihr Pixelblut legen, Städte, Weltreiche und galaktische Föderationen erblühen lassen, dann sind alle Menschen Gott ähnlich und etwa zwölf. In diesem Alter urknallt, expandiert und implodiert der tagträumende Geist unentwegt. Die Spielindustrie nutzt diese Physik der Gedankenblasen wie ein Kraftwerk den Dampf.
Vom Verblödungsvorwurf wurden die Computerspiele ja inzwischen freigesprochen. Man sagt, sie befördern komplexes Agieren. Doch M.s Durchsage, vor dem Schlafengehen doch bitte die Fenster zu schliessen, hat keiner mitbekommen. «Gute Nacht, Dad», sagt S. «Schlaf gut, mein Sohn», antwortet D.
Und jene Mutter, die den Morgen frierend in der rauhreifigen Wohnung beginnt, werden sie schon noch kennenlernen.