WISSENSCHAFTER sind nicht unbedingt dafür bekannt, eifrige Kinogänger zu sein. Trotzdem haben einige Meisterwerke der siebten Kunst ihre Spuren in Fachzeitschriften hinterlassen, wenn auch nur durch verzweifelte Versuche, Artikeln über Herzbeschwerden oder Unkrautvertilgungsmittel möglichst originelle Titel zu geben.
Ken Keseys Psychiatriedrama «Einer flog übers Kuckucknest» fand zum Beispiel als «Einer flog über das Kardiologennest» (Archives des maladies du cœur et des vaisseaux, Vol. 94, S. 624–631) Eingang in die wissenschaftliche Literatur. «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» regte einen Gastroenterologen zum Artikel «Die unerträgliche Leichtigkeit, ein Zirrhotiker zu sein» (Gastroentology, Vol. 105, S. 1911–1914) an.
Die ergiebigste Quelle cinéphiler Forscher dürfte jedoch Steven Soderberghs Erstling «Sex, Lügen und Video» sein. Bei Agronomen wurde er zu «Sex, Lügen und Herbizide» (Nature Biotechnology, Vol. 18, S. 241), bei Juristen zu «Sex, Lügen und Versicherungsdeckung» (Tort & Insurance Law Journal, Vol. 34, S. 921–948). Endokrinologen machten daraus «Sex, Lügen und Androgenresistenzsyndrom» (Canadian Medical Association Journal, Vol. 154, S. 1829–1833) und Genetiker «Sex, Fliegen und Microarrays» (Nature Genetics, Vol. 29, S. 389–395).