SIE SIND SMART, Leserin, jung und verdienen gut. Zwei Drittel von Ihnen besuchten ein College, die Hälfte wurde zwischen 1960 und 1980 geboren, und jede vierte macht mehr als 80 000 Dollar pro Jahr. Die Marktforscher von Nielsen, die diese Zahlen erhoben haben, bekommen glänzende Augen, wenn sie an Sie denken.
Das Wohl des Internet verknüpft sich mit der Geschlechterfrage. Anders ausgedrückt: Auch Nielsen ist es nicht entgangen, dass 66 Prozent der User keine Frauen sind.
Einer ganzen Reihe von Leuten macht dieser Umstand schwer zu schaffen! Allen voran den elektronischen Gewerbetreibenden, die weder Software nach Hardcore anzubieten haben. Sie würden liebend gerne mit Accessoires aller Art dienen und wünschen sich mehr Kaufkraft in zarten Händen. Dann gibt es gute Menschen reinen Herzens, die sich sorgen, dass Sie, Leserin, den Anschluss verlieren könnten, wenn Sie nicht rechtzeitig auf den neuen Zug aufspringen. «Girls need modems», sagt zu Recht die Homepage der «Pheminist CyberRoadshow». Und schliesslich sind da noch wir, die Boys.
Die besten von uns haben Kaffeemaschinen und Kühlschränke ans Netz gebracht, deren Füllstand jederzeit abrufbar ist. Das sind Lockangebote, mit denen bewiesen werden soll, dass Kaffeemaschinen und Kühlschränke eine männliche Domäne sind. Schon an der Wiege des Internet galt der erste Gedanke der Techniker keineswegs der Technik. Kaum waren die Kabel verlegt und die ersten beiden Rechner über Hunderte Kilometer hinweg miteinander verbunden, tippten Jerry Roth und Bob Rightback folgenden Dialog in ihre Tastaturen:
Hi Bob!
Hi Jerry!
R U male or female?
male
:-(
Bye.
Mit dem Smiley war alles gesagt. Auf Dauer ist eine Überzahl von jungen, gebildeten, gut verdienenden Männern kaum zu ertragen. Eine derartige Population sondert unentwegt melancholische Ironien ab. Es klang schon in der ersten Stunde ein wenig wie der Gesang von Chorknaben im finsteren Wald.