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Beim Coiffeur -- «Mein Schnauz ist absolut hip»
© Flavien Perisset, Xian, China
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Zhang Hao Wen alias Mike, Xian (China)
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Von Flavien Perisset
Zhang Hao Wen alias Mike, Xian (China), ist 24 Jahre alt. Er lebt in einem eher ärmlichen Quartier gleich um die Ecke des Salons allein in einer Einzimmerwohnung, die vom Arbeitgeber bezahlt wird. Mike verdient 1000 Yuan (160 Franken) pro Monat Grundlohn plus 30 Prozent Provision pro Kunde. In Spitzenzeiten macht er 6 Kunden pro Tag, was im Vergleich zu seinen Kollegen eher wenig ist.
Was würden Sie mir für einen Haarschnitt empfehlen?
Ich schlage vor, Sie schauen in diesem Heft die Frisuren an und wählen sich eine aus?… Tja, die sieht aber aus wie das, was Sie bereits tragen: struppig, ohne Scheitel, im Nacken zu lang. Wenn Sie das wollen, muss ich ja nur nachschneiden.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Das nicht, aber meine Spezialität sind englische Pilzfrisuren. Ein anderer Style, der sehr hip ist und den ich gut beherrsche, ist die koreanische Sturmfrisur. Das sind lange, wild frisierte Fransen. Cool.
Warum wurden Sie Coiffeur?
Ich finde, der Coiffeurmarkt ist sehr kunstvoll und kompetitiv. Das gefällt mir. Es ist ein Trendmarkt, mich fasziniert die Ästhetik. Und: Ich liebe Haareschneiden seit meiner Kindheit.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
An der Coiffeurschule in Beijing; meine Lehrer haben ihr Handwerk in England gelernt. Nach dem Gymnasium habe ich meine Ausbildung dort begonnen, sie hat 4 Jahre gedauert.
Was sind Ihre wichtigsten Werkzeuge?
Ich arbeite hauptsächlich mit Kamm und Schere, die ich in einer Art Colttasche immer griffbereit am Gurt trage. In dieser Tasche stecken sechs verschiedene Scheren, zwei Kämme und zwei Bürsten sowie Dutzende Haarklammern und ein kleiner Wasserzerstäuber.
Was ist im Moment angesagt?
Das ist eine ewige Diskussion unter meinen Kollegen. Ich gehe abends in Freizeitparks, Internetbars und lass mich inspirieren. Manchmal informiere ich mich in Magazinen. Zurzeit ist bei uns in Xian in: für Männer die kurze Strubbelfrisur, und für Frauen sind es lange Locken. Und Färben natürlich – der Hit für Männer und Frauen.
Haben Sie viele Stammkunden?
20 bis 30 Stammkunden, die meisten sind Frauen.
Wie oft kommen die Kunden zu Ihnen?
Alle zwei Wochen.
Was für Leute sind das?
Reiche Frauen, Studentinnen, normale Leute. Alle, die Wert auf Style legen.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Technisch gesehen gibt es keine Herausforderung. Ich kann alles. Aber die Ansprüche der Kunden zu erfüllen, ist manchmal schwierig. Vor allem, wenn sie eine klare und eigene Vorstellung von Style haben, die nicht mit meiner übereinstimmt. Das Ausgefallenste, was ich machen muss, sind koreanische Sturmfrisuren für Frauen. Sehr gefragt.
Haben Sie prominente Kunden?
Nein, hierher kommen keine Prominenten. Das ist ein einfaches Quartier, Studenten und Lehrer wohnen hier.
Wem würden Sie gerne die Haare schneiden?
Für mich ist jeder Kunde der wichtigste Kunde, aber einem Supermodell oder einem Popstar wie Yang Liu die Haare zu schneiden, wäre schon cool.
Wann ist eine Frisur aus Ihrer Sicht gelungen?
Wenn der Kunde zufrieden ist. Ist das nicht der Fall, dann diskutiere ich mit ihm und schneide im Notfall noch etwas nach oder frisiere es anders, bis er zufrieden ist.
Welche Reaktionen erleben Sie?
Entscheidend ist, dass ich am Anfang die Kunden richtig einschätze. Generell gilt: Jung will trendig. Mittleres Alter will reif. Ältere Leute wollen traditionell. Meistens stimmt meine Einschätzung, und die Kunden sind zufrieden mit meiner Arbeit.
Wer schneidet Ihre Haare?
Ich wähle einen Haarschnitt und lasse ihn mir von einem Kollegen machen. Natürlich umsonst. Das Färben überlasse ich den Assistenten, das ist deren Job. Ich probiere immer möglichst trendige Frisuren an mir aus. Mein Schnauz zum Beispiel, der ist absolut hip.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Ich möchte einen eigenen Salon betreiben in Schanghai oder Dalian. Aber mein grösster Traum wäre es, einmal in England als Coiffeur arbeiten zu können. – Und, wie gefällt Ihnen die Frisur?
Die Stirnfransen sind viel zu lang, so kann ich Sie gar nicht mehr aufstellen.
Aber das muss so sein, sonst stimmt der Style nicht!
(Nach längerer Diskussion schneidet Mike die Fransen ein wenig nach.) Ja, so gefällt es mir besser.
Das ist das Wichtigste. Unter uns: Dieser Style ist hier aber nicht mehr hip.
«21 Shi Ji Ran Tang Zhuan Men Dian» Wörtlich übersetzt heisst der Salon: 21. Jahrhundert Haarfärbung Dauerwelle spezialisierter Shop.Es ist ein trendiger Salon für junge Chinesen. Vor dem Laden dröhnt aus einem Lautsprecher chinesische Popmusik, um Kunden anzulocken. Manchmal singen die Angestellten laut mit. Es arbeiten 8 Coiffeure und 12 Assistenten hier und nochmals so viele in der Filiale im Süden der Stadt.
Preis für einen Haarschnitt 20 Yuan (CHF 3.30) fürs Haareschneiden, 40 Yuan (CHF 6.60) fürs Färben.
China Einwohner: 1 321 852 000 BIP pro Kopf: CHF 9100 Milch: 1 l CHF 0.85 Brot: 1 kg CHF 5.– Kinobillett: CHF 6.60 Zigaretten: CHF 0.70 Taxi: 10 km CHF 3.10
Flavien Perisset ist Student; er lebt in Xian, China.
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