NZZ Folio 09/01 - Thema: Europa   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Die nicht Fleisch gewordene Köchin

Von Joni Müller

NICHTS GEGEN «Backen pikant», noch weniger gegen «Fleischküche», und erst recht nichts gegen «Dessertträume». Was die leider nicht inkarnierte heimliche Nationalheilige Betty Bossi für unser Land geleistet hat, macht ihr so leicht niemand nach. Schon mehreren Generationen von Hausfrauen hat sie in Wort und Bild gezeigt, wie man Mann und Kinder satt, glücklich und gesund macht; sie stand uns jahrelang treu zur Seite, vom ersten Fondue bis zum letzten Sushi. Ihre zahlreichen Werke haben die Kochkunst und die kulinarische Befindlichkeit in unserem Land weit stärker geprägt als alle Starköche und Hauswirtschaftslehrerinnen zusammen.

Doch Betty Bossis Verdienst geht weit über das Publizieren von Kochbüchern und einer Zeitung hinaus und erschöpft sich auch nicht im Angebot von Kochkursen fast aller Art. Nein, unsere Betty verkauft auch manch praktisches Gerät, und sie sieht das umsichtige Führen eines Haushaltes als Tätigkeit, die ebenso anspruchsvoll ist wie jene eines Topmanagers. Eine Einschätzung, die heute allerdings nur noch sehr naive Hausfrauen als Lob betrachten.

Was für den Wirtschaftskapitän der teure Montblanc-Füller, ist für die Familienfrau der teure Express-Schwingbesen aus gebürstetem Edelstahl 18/10, statt eines PowerBook G 4 aus Titan leistet sie sich die Grillier-Bratpfanne «Böbbel» (76 «Böbbel» im Pfannenboden bringen optimalen Grilliergeschmack). Auch der Käse- & Gemüsehobel «Hauchdünn» mit Raffelschutz, die Thermo-Fleischgabel mit Digitalanzeige oder der Apfelentkerner «Radiputz» sind nützliche Helfer, die den harten Alltag der Hausfrau etwas erträglicher machen.

Mindestens ebenso wertvoll sind jedoch Betty Bossis Tipps und Tricks, dank denen sich selbst das letzte Molekül Senf bequem aus der Tube drücken lässt, die uns helfen, ohne Tränen Zwiebeln zu rüsten, oder uns pfiffig empfehlen, Bananen auf ihrer eigenen Schale zu schneiden und so den lästigen Brettliabwasch zu vermeiden. Schlaue Tipps, die keine Frage offenlassen ausser der einen: Warum ziert eigentlich noch immer Helvetia unsere Münzen, wer war denn die und was ist überhaupt ihr Verdienst?


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