WER GLAUBT, Modetrends seien Zufall, hat noch nie eine Arbeit von Nigel Barber gelesen. In «Kleidermode der Frauen als Funktion der Reproduktionsstrategie» (Sex Roles, Vol. 40, S. 459–471) behauptet der Evolutionspsychologe: «Die Mode der Frauenkleider ist auf der Grundlage von Ehe und Karriere voraussagbar.» Barber hat Rocklänge, Hüftbreite, Décolletétiefe und -breite mit Scheidungsraten, Karrieremöglichkeiten und dem Zahlenverhältnis zwischen den Geschlechtern verglichen. Dabei will er herausgefunden haben, dass die Röcke kürzer, das Décolleté geschlossener und die Hüften breiter werden, wenn der Arbeitsmarkt für Frauen günstig ist oder wenn es nicht genug Männer im heiratsfähigen Alter gibt. Die Gründe für die gleichzeitige Tendenz zu Mini und hochgeschlossenem Décolleté sind so verworren, dass wir uns besser den Männern zuwenden.
«Schnurrbartmode kovariiert mit einem guten Heiratsmarkt für Frauen» (Journal of Nonverbal Behavior, Vol. 25, S. 261–271), schreibt Barber. Bärtige Männer werden als schöner eingestuft als glattrasierte. Deshalb würden sich Männer in Zeiten von Frauenmangel den Bart eher wachsen lassen, was die Analyse der Geschlechterverhältnisse von 1841 bis 1961 bestätige. Diese Studie zeige «viele Möglichkeiten auf für die weitere Erforschung sozialer Implikationen der Gesichtsbehaarung».