NZZ Folio 06/99 - Thema: Krieg um Kosovo   Inhaltsverzeichnis

Dirty Cooking -- Der Stinker

Von Erich Grasdorf

In der norddeutschen Tiefebene und dem angrenzenden Mittelgebirge ist er unter dem Namen Harzer berüchtigt; speziell im Hannoverschen kommt der Magerkäse in vielen lokalen Ausprägungen sozusagen wild vor; und im Kühlregal der Globus Delicatessa ist er in der domestizierten Variante Lammspringer erhältlich: Gelblich-schmierig schimmert er durch die Klarsichthülle. Ungeübten wird beim ersten Direktkontakt zu Atemmaske und Haushalthandschuhen geraten. Zaghafte Gemüter essen Harzer auf Vollkornbrot mit Gänse- oder Schweineschmalz und gleichen so seinen gegen Null tendierenden Fettgehalt aus. Eine andere, etwas ausgefeiltere Zubereitungsart hat bereits Bismarck, den Erfinder des gleichnamigen und nicht gerade geruchsneutralen Herings, vom Sockel gehauen: Die vier 40-Gramm-Rondellen, die in einer Packung aneinander haften und so eine längliche Rolle bilden, sanft voneinander lösen. In Würfel schneiden. Aus Obstessig, Olivenöl und Weisswurstsenf eine Sauce mischen. Zwiebel und Knoblauch fein hacken und zur Sauce geben. Sauce und Harzerwürfel mischen. Pfeffer darüber mahlen und mit Schnittlauch begrünen. Einen Tag fernab von seinen Lieben - am besten in der Garage - ziehen lassen. Nach dem Genuss hat man im Tram selbst zur Stosszeit viel freien Raum um sich her . . .


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