NZZ Folio 07/08 - Thema: Dubai   Inhaltsverzeichnis

Wie Sandburgen bauen

© Aurore Belkin, Dubai
Dr. Muhadittha Al Hashimi vor einem Bild von Seiner Hoheit Scheich Mohammed: «Die wenigsten verstanden unsere Vision.» Linktext
Muhadittha Al Hashimi freut sich auf Patienten in der Healthcare City. Martin Berlin schafft mit Vergnügen den weltgrössten Vergnügungspark. Zwei Dubai-Infizierte.

Von Harald Willenbrock

Rund um den Persischen Golf ruhen die Hoffnungen von Kranken und Ärzten, Investoren und Entwicklern dieser Tage auf einem neuen Tiefpunkt. Er liegt ein gutes Dutzend Meter unter Normalnull und am Fusse einer riesigen Sandgrube, umgeben von einem mannshohen, mit Fotos glücklicher Menschen bedruckten Bauzaun. In und um die Grube werden seit Monaten Milliarden verbuddelt. Geht alles nach Plan, dann wird das Scheichtum in den kommenden Jahren ein Zigfaches wieder herausholen.

Dr. Muhadittha Al Hashimi, die Herrscherin des Lochs, kann von ihrem Bürofenster jenseits des Bauzauns zusehen, wie sich die Grube Tag für Tag ein erfreuliches Stückchen tiefer in die Wüste frisst. Muhadittha ist Ärztin und Epidemiologin, sie hat in Dubai ihre Kindheit und in den USA ihre Studienzeit verbracht und vor einigen Jahren den ersten Krebsmortalitätsatlas der Emirate erstellt. Sie sagt: «Für die Gesundheit wird zu viel Geld im Ausland ausgegeben. Wer es sich leisten kann, fliegt zur Behandlung in die USA, nach Europa oder nach Thailand.» Ein beliebter Witz unter Einheimischen: Was ist Dubais bestes Krankenhaus? Antwort: der Flughafen.

Jetzt aber sind die Fundamente für die künftige Harvard Medical School Dubai bereits ausgehärtet. Gleich nebenan ragen die beiden Rohbauten des «Dubai Khor Hotel» in den Himmel, wo einst 2000 Patienten und ihre Angehörigen nächtigen sollen. Herzstück der nagelneuen Dubai Healthcare City (kurz DHCC) aber wird das Universitätskrankenhaus von Dubai sein.

Muhaditthas Hoffnungen sind so hochfliegend wie alles in Dubai. Spitzenmanager des Scheichs geben das Gesamtvolumen der derzeitigen Grossprojekte wahlweise mit 500 oder auch 2000 Milliarden Dollar an, was zeigt, wie sehr am Golf die Grössenordnungen ausser Kontrolle geraten sind. Gedacht wird ausschliesslich in Superlativen. Geplant wird mit kühlem ökonomischem Kalkül. Und dann mit beängstigender Geschwindigkeit gebaggert und gebaut.

Dubais nagelneue Gesundheitsstadt ist dabei eines der ganz wenigen Vorhaben, bei denen es neben nacktem Geldverdienen auch noch um so etwas wie einen sozialen Nebennutzen geht. Bisher, so das Kalkül, exportierte Dubai Patienten. Ab sofort importiert es Ärzte und Pfleger, Forscher und Fachwissen, medizinisches Gerät und all die wohlhabenden Patienten aus der Golfregion und drumherum, die bis jetzt noch zur Behandlung nach München, Marbella oder Rochester jetten. «Unser Einzugsgebiet reicht von Indien über Osteuropa, die Türkei, Iran bis nach Nordafrika. Wir sprechen von insgesamt 32 Ländern im Radius von vier Flugstunden rund um Dubai», erklärt Dr. Muhadittha und wirft einen prüfenden Blick auf ihren Blackberry. «Das bedeutet einen potentiellen Markt von 1,8 Milliarden Menschen.»

Noch vor kurzem hätte die Idee einer Universitätsklinik in Dubai so abwegig geklungen, als würde jemand im Sudan eine Chip-Fertigung aufmachen wollen. Muhadittha kann sich noch genau an jene Zeit erinnern, als die Planer der Healthcare City auf der Suche nach Partnern um die Welt flogen und von Genf bis Cleveland vor allem verständnislose Blicke ernteten. «Den meisten in den USA und Europa mussten wir erst einmal erklären, wo Dubai überhaupt liegt. Die wenigsten verstanden überhaupt unsere Vision. Nur Harvard hat es sofort begriffen.»

Harvard, Heimat der weltweit renommiertesten medizinischen Fakultät, ist Muhaditthas grösster Trumpf. Als strategischer Schlüsselpartner dient ihr die Harvard Medical School als Aushängeschild, Türöffner und Qualitätssiegel in einem. Harvard-Mediziner werden an der Harvard Medical School Dubai unterrichten, Harvard-Professor Robert Thurer wird die Postgraduiertenstudiengänge leiten, und Harvard-Experten sitzen bereits im Center for Healthcare Planning & Quality, das darüber entscheidet, welcher Investor in der Healthcare City bauen und welche Klinik hier einen Ableger eröffnen darf.

Bald wird die Dubai Harvard Foundation for Medical Research die ersten Mediziner aus dem Mittleren Osten zur Weiterbildung nach Harvard schicken und sie vorab vertraglich verpflichten, im Anschluss mehrere Jahre in der DHCC zu arbeiten. Harvard, Inbegriff der intellektuellen Alten Welt, ist der Geburtshelfer für den ersten medizinischen Cluster des Mittleren Ostens. Wie gross die Summe war, die das Scheichtum im Gegenzug nach Neuengland überweisen musste, verrät Muhadittha nicht. Nur so viel: «Harvard hat die Chance erkannt, die sich hier bot.»

Es ist tatsächlich eine für jeden medizinischen Entre­preneur weltweit einmalige Chance. Platz und Patienten, Kapital und Kooperationsmöglichkeiten sind im Überfluss vorhanden, Restriktionen und Konkurrenz Mangelware. In den kommenden 24 Monaten werden rund um die Klinik unter Palmen etwa hundert Praxen, Forschungseinrichtungen und Niederlassungen von Pharmakonzernen wie Johnson & Johnson und AstraZeneca eröffnen. Schon jetzt hat der Lockruf des Golfes von der Mayo Clinic über die Versailles Dental Clinic und das German Heart Center Bremen zahllose Mediziner und Medizinunternehmen aus der westlichen Welt nach Dubai gezogen.

Chris Canning gehörte zu den ersten. Sein Moorfields Eye Hospital Dubai, im Block E untergebracht, wirkt mit 2000 Quadratmetern violetter Auslegeware, schneeweissen Designermöbeln und attraktiven Sekretärinnen eher wie eine Werbeagentur denn wie eine ärztliche Praxis. An der Rezeption hängt das obligate Portrait Scheich Mohammeds gleich vis-à-vis eines Fotos von Queen Elizabeth und einer Plakette, die an die Eröffnung der Klinik durch seine ­Hoheit, den Prinzen von Wales, erinnert. Dr. Canning, Chef von drei Ärzten und zwei Dutzend Angestellten, lümmelt sich in einen lilafarbenen Drehstuhl. Was ihn in die Wüste gebracht hat? «Langeweile», erklärt der britische Augenspezialist, «meine Kinder sind aus dem Haus, ich brauchte eine neue Herausforderung.»

Daheim sei das Moorfields Eye Hospital London eine ehrwürdige, über 200 Jahre alte Marke mit zwölf Ablegern im Vereinigten Königreich und zahlreichen Patienten aus dem Mittleren Osten. «Jetzt wollen wir eine globale Marke werden. Wir standen bereits mit Kuwait, Katar und Oman in Verhandlungen, als in Dubai das Projekt Healthcare City annonciert wurde. Dessen Professionalität hat uns überzeugt.»

Und professionell heisst für Canning: schnell, billig, unbürokratisch. Als eine der vielen neuen Freezones im Emirat bildet die DHCC quasi einen selbstverwalteten Staat im Staate mit Dr. Muhadittha an der Spitze. Canning und Kollegen können hier Geräte, Personal, Patienten und Vermögenswerte rein- und rausbringen, ohne sich mit Zöllnern, Visumsbeamten und sonstigen Bremsfaktoren herumschlagen zu müssen. Innerhalb der Freezone-Grenzen entfällt auch die sonst übliche Pflicht zur Koalition mit einem einheimischen Mehrheitspartner.

«Wir haben bereits neun Monate nach Vertragsunterzeichnung eröffnet», lobt Dr. Canning, «leider mussten wir dann noch drei Monate auf Strom und Wasser warten.» Jetzt warten sie auf die nötige «kritische Masse», sprich: Scharen solventer Patienten. 88 000 Kranke haben Canning und seine Medizinerkollegen im vergangenen Jahr bereits verarztet, die meisten von ihnen Emiratis. Ab Ende kommenden Jahres sollen es bereits eine Million Kranke aus aller Welt sein.

Bis dahin dürfte auch endlich die Villa fertiggestellt sein, die Dr. Canning und seine Frau in ihrer neuen Heimat gekauft haben. Die Immobilie liegt am Rande eines Golfplatzes in Victory Heights, genauer gesagt: Sie existiert dort als Fleck auf einem Plan eines noch zu errichtenden Stadtviertels. Wie im Dubai dieser Tage üblich, haben die Cannings ihre Immobilie «off plan» erworben, das heisst, lediglich auf Basis eines groben Grundrisses, in der vagen Hoffnung auf weiterhin boomende Immobilienpreise und ohne dass überhaupt eine einzige Schaufel Sand bewegt worden wäre. «Mal sehen, wie’s weitergeht», lacht Chris Canning heiser. «Natürlich ist es denkbar, dass sich der ganze Markt eines Tages in Luft auflöst. In Dubai, müssen Sie wissen, erwirbt man kein Wohneigentum. Hier placiert man Wetten.»

Tatsächlich lockt die Tipgemeinschaft am Golf mit immer neuen Superlativen immer neue Spieler mit immer höheren Einsätzen. Auf die erste künstliche Palmeninsel folgte die zweite, auf die zweite folgte The World, eine künstliche Inselwelt nach Vorbild der Kontinente. Und weil die Welt nicht genug ist, wird vor der Küste bereits an The Universe gebaggert, dessen Inseln Sonne, Mond und Sterne nachgebildet werden. Selbst Optimisten fragen sich allerdings, was nach dem grössten von Menschenhand gebauten Hafen, dem höchsten Hotel, dem kapazitätsstärksten Flughafen, den künstlichsten Inseln, der tropischsten Skipiste und dem skurrilsten Wolkenkratzer eigentlich noch kommen kann. Dubai wäre jedoch nicht Dubai, wenn es nicht auch darauf bereits eine Antwort hätte.

Der Weg ins Büro von Dr. Martin Berlin führt meilenweit weg vom Meer und weit hinein in die Wüste, über frisch asphaltierte Strassen, vorbei an Hektaren flimmernden Sandes, die mit Strassenlaternen, Schaltkästen und Fahnenmasten geimpft und damit als Standort künftiger Stadtviertel gekennzeichnet sind. Schliesslich endet der Weg vor einem Bürogebäude im Ranch-Style. Auf seinem Dach vollführt ein Plastic-Stuntman Kunststücke. In einem gläsernen Käfig neben der Rezeption lungern zwei nervöse Bengalische Tiger, während vor Berlins Büro eine Monitoruhr rückwärts tickt: noch 932 Tage, 7 Stunden und 58 Minuten bis zur Eröffnung des nächsten Wahnsinns.

«Dubailand» ist Dubais mindestens 60 Milliarden Dollar teure Antwort auf Orlando, Las Vegas und Macao in einem. Die Kunststadt, auf halber Strecke zwischen den beiden Flughäfen gelegen und auf einer Fläche fast so gross wie Malta, wird neben vier Sportstadien für 10 000 bis 60 000 Zuschauer, einer «Manchester United Soccer School», dem ersten von Golf-Gott Tiger Woods selbstgestalteten Golfplatz auch die – bis auf weiteres – weltgrösste Shopping-Mall beherbergen. Als eine Art «Themenpark der Themenparks» soll Dubailand zum zentralen touristischen Magneten aufpoliert werden. Und Martin Berlins Aufgabe ist es, diesen Magneten erstrahlen zu lassen.

«Unser Ziel ist es, ab 2015 jedes Jahr 15 Millionen Touristen nach Dubai zu locken», erklärt der Chefentwickler stolz, «dreimal so viele, wie heute New York ansteuern.» Berlin, 45, in Mülheim an der Ruhr geboren, ist promovierter Molekularbiologe, Ex-McKinsey-Berater. Seit ihn vor sieben Jahren ein Headhunter nach Dubai lockte, hat er unter anderem im «Executive Office» von Scheich Mohammed an der ökonomischen Vision für Dubai mitformuliert, das Bauunternehmen Tatweer geführt und die Dubai Healthcare City erfunden. Berlins derzeitige Visitenkarte ist bereits seine siebte am Golf. Der Manager schwärmt von den «enormen Möglichkeiten», von der «extremen Flexibilität». Für einen Macher wie ihn sind die Arbeitsbedingungen in Dubai ideal: wie Sandburgen bauen, nur in Echt.

Gerade haben Berlin und seine Kollegen mit dem «Asia-Asia Hotel» die grösste Herberge der Welt angekündigt, ein Monster von 1200 Metern Fassadenlänge, mit 12 000 Angestellten und 6500 Betten im Herzen von Dubailand. Rund um Themenparks und Hotels planen sie das übliche Konglomerat aus Bürocentern, Shopping-Malls, künstlichen Stadtvierteln und Lebenswelt für 2,5 Millionen Menschen. «Natürlich fragt man sich manchmal, ob für all das überhaupt ein Markt existiert», sagt Berlin und gibt sich gleich selbst die Antwort: «Selbstverständlich gibt es diesen Markt: Wir schaffen ihn.»

Schon jetzt bildet die Oase – nach Schanghai mit mehr als zehnmal so vielen Einwohnern – die grösste Baugrube der Welt. Anlagewilliges Geld ist im Überfluss vorhanden: «Hier suchen wir nicht Kapital für Projekte», berichtet Berlin, «sondern das Kapital sucht Projekte.» Und diese Projekte haben ihren Preis. Dubai und seine Nachbarn verfeuern bereits 18 Prozent ihres Öls für ihren eigenen, extrem energieintensiven Lebensstil. Jeder Emirati verbraucht im Schnitt 550 Liter Wasser täglich (in Jordanien, einem Land mit vergleichbarem Klima, kommen die Menschen mit 85 Litern aus). Dennoch wird im Morgenland weiter geplant, gebaut und asphaltiert, als ob es kein Übermorgen gäbe.

Scheich Mohammed hat seinen 60 Kilometer kurzen Streifen Land, in dem 1956 das erste Gebäude aus Beton errichtet und erst 1963 die Sklaverei abgeschafft wurde, in Rekordgeschwindigkeit umgebaut. «Die Aufgabe einer Regierung ist es, Möglichkeiten zu schaffen», wird der 59-jährige Multimilliardär zitiert. Das tut er, indem er Stücke seines Landes an eine der drei grossen Bauholdings Emaar, Nakheel oder Dubai Holding vergibt, die praktischerweise grösstenteils ihm selbst gehören. Diese wiederum entwickeln für den ihnen zugeteilten Claim einen Masterplan und laden Architekten, Projektentwickler und vor allem Investoren ein, sich an seiner Umsetzung zu beteiligen.

Und Geldgeber kommen gern. Keine Gewerkschaften, keine Einkommens- oder Mehrwertsteuern, wenig Kriminalität, kaum Korruption, keine kritische Presse und keine Opposition, die Bauvorhaben verschleppen könnte. Daneben finden Investoren verfügbares Land, einen vergleichsweise westlich-liberalen Lebensstil sowie eine unerschöpfliche Reservearmee vor allem indischer und pakistanischer Aufbauhelfer. Von aussen betrachtet, wirkt Dubai wie der feuchte, Wirklichkeit gewordene Traum neoliberaler Ökonomen.

«Zwei Drittel der weltweiten Ölvorräte lagern in Dubais Nachbarstaaten», erklärt Eckart Woertz vom unabhängigen Gulf Research Center in Dubai, «das heisst: Die Golfregion wird in den nächsten Jahren durch die Knappheit ökonomisch noch wichtiger. Und als Serviceplattform wird Dubai von diesem Boom kräftig profitieren.» Die Entscheidungswege sind kurz, grössere Projekte werden offiziell vom «Executive Council», mit einem Sohn des Scheichs an der Spitze, inoffiziell vom Al Majlis, der traditionellen Versammlung arabischer Honoratioren, beschieden. Als Quasi-Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratschef und grösster Anteilseigner der Wirtschaftsmacht Dubai aber trifft Scheich Mohammed die wichtigsten strategischen Entscheidungen selbst. «Es gibt hier eine absolute Can-do-­Attitude», sagt Berlin.

Besucher aus der Alten Welt versetzt diese Einstellung meist derart in Verzückung, dass ihnen der Blick fürs Detail verschwimmt. So ist der grösste Teil der Neubauten am Golf handwerklich zweitklassig, ästhetisch uninspiriert und energetisch katastrophal ausgeführt, was Investoren wenig stört, weil geschätzte 80 Prozent von ihnen die Immobilien ohnehin möglichst schnell mit Gewinn weiterreichen wollen. Selbst den Marketingprofis gehen langsam die Ideen aus: Zwei der neuesten Wolkenkratzerprojekte werden als Boris Becker Tower und Michael Schumacher Business Avenue vermarktet, wobei die im Ruhestand befind­lichen Profisportler mit Immobilien am Golf vermutlich genauso wenig zu tun haben wie Dubais brandneue, klimatisierte und tiefgaragenunterkellerte Old Town mit einer gewachsenen historischen Altstadt. Immerhin nimmt sich Dubais neuestes Fake-Viertel ein einheimisches Modell zum Vorbild.

Die meisten Projekte hingegen bestehen aus zum Supersize-Format aufgeblasenen Kopien erprobter Modelle aus der Alten Welt. Martin Berlins Dubailand wird neben animierten Dinosauriern und dem weltgrössten Riesenrad auch Klone des Eiffelturms, der Pyramiden von Giseh, des Schiefen Turms von Pisa und des Taj Mahal präsentieren. Einziger Unterschied zum berühmten Vorbild: Die Kopien sollen grösser sein als das Original. Wirklich eigene, visionäre Ideen, die über die nächsten Jahresbilanzen hinausweisen, sind am Golf ebenso knapp wie die noch verfüg­baren Energiereserven. Mit weiter steigenden Ölpreisen könnte die Wachstumsmaschine eines Tages ins Stottern geraten.

Ein Worst Case Scenario sähe so aus: Weil sich Flug­tickets ob der explodierenden Kerosinpreise extrem verteuern, bleiben Touristen aus und die Hotels leer; Trinkwasser – das die Emirate zu 81 Prozent aus Meerwasser und unter hohem Energieeinsatz entsalzen müssen – verwandelt sich zusehends in ein unerschwingliches Gut; die Preise für Strom und Klimatisierung explodieren ebenso wie jene für Lebensmittel, die der Wüstenstaat per Schiff oder Flugzeug importieren muss. «Langfristig könnte Dubai buchstäblich auf dem Trockenen sitzen», sagt Ökonom Woertz. «Gut möglich, dass das Leben hier in 20 oder 30 Jahren nur noch für Millionäre zu finanzieren ist.» Scheich Mos Oase stünde dann nur noch für einen Superlativ: teuerste Geisterstadt der Welt.

Harald Willenbrock ist Autor des Wirtschaftsmagazins «brand eins»; er lebt in Hamburg.

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