WILLKOMMEN, Welcome, Bienvenue - schöne Grüsse sind allen Sprachenlernens Anfang, und bei Programmiersprachen ist es nicht anders. Das Erste, was Kursleiter oder Lehrbuch die Eleven sagen lassen, ist «Hello World!»: cout << «Hello World!», tippen sie in die Tastatur, wenn sie C++ studieren, write.string(terminal.screen, «Hello World!»), sagt der Occam-Schüler, put («Hello world!»), formuliert der Ada-Adept. Sind die Computer aufgedreht, sollte jetzt ein «Hello World!» auf dem Bildschirm erscheinen. Genau dort, wo eine Fehlermeldung gute Nacht sagt. Aber das ist bereits die erste und wichtigste Lektion: Programmieren heisst, spontan aus Fehlern zu lernen.
Computer sind ein anspruchsvolles Publikum. Sie halten alles für falsch, was nicht richtig ist. Ein fehlender Punkt, ein abwegig gesetztes Komma genügen, und der Text fällt durch. Deshalb sucht das irritierte Ich im schöpferischen Prozess zunehmend Schutz beim kuscheligen Kollektiv. Beim «Extreme Programming», einer radikalen Variante, teilen sich zwei Programmierer eine Tastatur. Man hofft, dass sie sich rechtzeitig in den Arm fallen, dessen Hand Punkt und Komma zu vergessen droht.
Überhaupt ist Vorsicht die Mutter jener Literatur, die für Computer geschrieben wird. Der zeitgemässe Maschinentext gesteht bereits im ersten Satz, worum es geht («Dokumentation»). Computer lieben Wiederholungen: Ist eine Formulierung einmal geglückt, wird sie in geringfügiger Abwandlung so oft wie möglich wiederholt. In der Rhetorik der Computersprachen nennt man das «Vererbung».
Auch Schachtelsätze geniessen hohes Ansehen, da sie, wenn sie Funktionen und Daten, sozusagen die Handlung und die Personen eines Programms, auf engstem Raum zusammenhalten, die Übersicht erhöhen - zumindest für Maschinen («Kapselung»). Wahre, schöne und gute Adjektive, dargeboten sonder Zahl in Konstruktionen wie «meine_wunderbare_Variable», sind ebenfalls ein bedeutendes Stilmittel. Kurz: Alles, was im Schulaufsatz verboten ist, macht Code erst preisverdächtig.
Die Fehlervermeidung um jeden Preis ist Exorzismus am Kunstcharakter des Programmierens. Aber sie macht es Autoren und Publikum möglich, immer längere Texte zu verstehen. In den allerneuesten Lehrbüchern werden die gehobenen Ansprüche bereits didaktisch reflektiert: Statt «Hello World!» liest man immer öfter «Hello Universe!».