Ousmane Sarr, Dakar, Senegal,
ist 58 Jahre alt, verheiratet und hat neun Kinder, von denen fünf noch zu Hause leben. Er ist Generalsekretär der Taxifahrer des internationalen Flughafens Léopold Sédhar Senghor in Yoff, Dakar. Seine Freizeit verbringt er gern mit Freunden. Er fährt einen Renault 21, Jahrgang 1987, Zählerstand 296 835 km. Dakar ist die Hauptstadt Senegals und hat etwa 2,5 Millionen Einwohner. Ousmane Sarr verdient im Monat rund 600 Franken. Davon lebt seine siebenköpfige Familie, und Sarr unterstützt auch noch viele andere Familienmitglieder. Die monatliche Miete für die 4-Zimmer-Wohnung in Parcelle, einem Vorort von Dakar, beträgt 150 Franken.
Wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
Ich arbeite von Montag bis Samstag von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie bei Bedarf auch nach 20 Uhr, pro Woche etwa 50 Stunden.
Wann haben Sie das letzte Mal Ferien gemacht?
Im letzten Juli für vier Wochen. Ich mache jedes Jahr einen Monat Ferien, um mich auszuruhen und um meine Familie auf dem Land zu besuchen.
Wie kam es, dass Sie Taxifahrer wurden?
Ich habe mich schon immer für Autos interessiert. Da mein Onkel Taxifahrer war, hat er mich in die Lehre genommen. Ich bin vier Jahre zur Schule gegangen, dann habe ich bei ihm die Ausbildung gemacht und bin Taxifahrer geworden.
Wären Sie nicht Taxifahrer, was wären Sie dann?
Ich würde mit Ersatzteilen für Autos handeln.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Die ging nach Kedougou, 700 Kilometer südöstlich von Dakar. Ich fuhr einen Franzosen, der sich in eine Frau aus Kedougou verliebt hatte. Er wollte so schnell wie möglich dorthin. Er hat mir das Essen und das Hotel bezahlt und 500 Franken für die Fahrt. Danach habe ich mich zwei Tage ausgeruht.
Wie verhalten Sie sich im Stau?
In Dakar gibt es sehr viel Staus, und sie können lange dauern. Wenn man sich ärgert, geht man zugrunde. Man muss intelligent sein und Geduld haben. Geduld zu haben, ist hier sehr wichtig.
Gab es Fahrgäste, die Sie nie vergessen werden?
Diesen verliebten Franzosen. Die gan ze Fahrt erzählte er mir von der Frau und wollte, dass ich schneller fahre. Aber ich fahre vorsichtig. Wenn mein Auto kaputt ist, kann ich meinen Beruf an den Nagel hängen. Ich hätte sehr viel Geld von ihm verlangen können, er hätte alles bezahlt. Aber ich bin ein anständiger Mensch.
Wie hoch war Ihr höchstes Trinkgeld?
25 Franken von Touristen, die mit mir sehr zufrieden waren.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Ein lebendes Schaf; das war vor Tabaski, dem muslimischen Fest, an dem jede Familie, die es sich leisten kann, ein Schaf schlachtet. Da ich die Adresse des Fahrgastes nicht kannte, habe ich das Schaf den Armen gegeben. Ein andermal hat ein Fahrgast seinen Monatslohn vergessen. Er legte einen Briefumschlag auf das Armaturenbrett, wir plauderten, und er stieg aus. Auf der Lohnabrechnung fand ich Namen und Adresse. Ich bin dorthin gefahren und fand ihn und seine Familie völlig verzweifelt vor, sie klagten und rauften sich die Haare. Als er mich mit dem Geld sah, trommelte er Familie und Nachbarschaft zusammen und rief: Seht diesen Mann, so einen guten Mann habe ich noch nie gesehen!
Sprechen Sie mit den Fahrgästen?
Ich bin ein ruhiger und zurückhaltender Mensch. Ich spreche nur, wenn die Fahrgäste das wollen.
Wie hoch war Ihre teuerste Busse?
7 Franken 50. Das ist die zweithöchste Busse in Dakar. Ich hatte schlecht parkiert, um einen Kunden aufzunehmen. Der Polizist hatte recht.
Welches ist der schönste Ort in Dakar?
La Place du Millénaire an der Corniche am Meer. Die Fahrt dorthin kostet vom Flughafen etwa 8 Franken.
Was macht in Ihrer Stadt einen guten Taxifahrer aus?
Er sollte Französisch sprechen, die Strassen kennen, die wichtigsten Gesellschaften, die wichtigen Märkte, die Touristenplätze, die Botschaften – und vor allem muss er geduldig sein.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Ja, das habe ich, darum schaue ich mir die Leute immer genau an und lasse auch mal dubiose Gestalten stehen. Ich bin aber noch nie überfallen worden.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
Ich kann nicht sparen und zahle in keine Pensionskasse ein. Ich zähle darauf, dass meine Kinder mich unterstützen werden.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Ich würde mit meinen Kindern ein Unternehmen gründen. Wir würden mit Autos und Ersatzteilen handeln.
Womit verwöhnen Sie sich?
Am liebsten bin ich mit meiner Familie, meinen Freunden und meinen Kollegen zusammen. Wir trinken Tee, plaudern, scherzen und lachen. Das ist das Schönste.
Taxameter
Der Preis für eine Fahrt wird im voraus ausgehandelt. Ein Kilometer kostet zwischen 30 und 50 Rappen, für Touristen manchmal etwas mehr.
Senegal
Einwohner: 11,15 Millionen
BIP pro Kopf: 870 Franken
Benzin: 1 l CHF 1.30
Milch: 1 l CHF 2.–
Brot: 1 kg CHF 1.50
Reis: 1 kg CHF 0.60
Coca-Cola: 1 l CHF 2.–
Kinobillett: CHF 2.50
Zigaretten: CHF 1.– bis 1.50
Erdnüsse: 1 kg CHF 2.–
Regine Umbricht ist Gymnasiallehrerin; sie lebt in Zürich.