Mit ganzseitigen Inseraten, auf denen das Schlagwort «Diplomatie» steht, möchte die Griechische Zentrale für Fremdenverkehr Touristen ins Land locken: «Dies ist das griechische Wort für die Kunst des Umgangs mit den Menschen. Die Kunst der Kommunikation, die Kunst, die Dinge ohne Hektik anzugehen und dafür zu sorgen, dass die Menschen gefahrlos, friedlich und vor allem glücklich bleiben. Seien Sie diplomatisch. Sprechen Sie mit Ihrem Reisebüro.» Seien wir undiplomatisch, sprechen wir mit der Werbeagentur: Bei Zeus, das ist eine lausige Kampagne. Selbst Altphilologen erwarten von Ferien das Gegenteil dessen, was Diplomatie ist.
Spannend, unterhaltsam, interessant ist sie in der Regel nicht, jedenfalls nicht für das Publikum. Hinter verschlossenen Türen mag es hoch zu- und hergehen, von aussen schaut man an eine graue Fassade mit einseitig verspiegelten Fenstern. Manchmal zeigt sich Diplomatie gestelzt, wie am Neujahrsempfang im Bundeshaus, schrill, wie einst in der Schweizer Botschaft zu Berlin, skandaltriefend, wenn ein Botschafter als Geldwäscher auffliegt – das sind Randerscheinungen. Das Wesen der Diplomatie ist die unaufgeregte Diskretion, ihr Herz der zivilisierte Interessenausgleich. Eine gewisse Langeweile ist der Preis dafür. Man sollte ihn gern zahlen. Versagt die Diplomatie als Errungenschaft der Menschheit, zwischenstaatliche Konflikte friedlich und konstruktiv zu regeln, werden die Zeiten zwar aufregend, aber tödlich. Der Welt geht es besser, wenn Diplomaten im dunklen Anzug das Sagen haben statt Soldaten mit dem Finger am Abzug.
Um eine allfällige Verstimmung zu vermeiden, sei nachgetragen, dass Ferien in Griechenland so abwechslungsreich sein können, wie es dieses Heft hoffentlich ist. Die meisten Fotografien zum Thema sind Selbstdarstellungen, die uns Botschaften in der Schweiz, undiplomatisch unkompliziert, zur Verfügung gestellt haben.