Gustaf Gründgens: Ich muss dich nun vor allen Dingen in lustige Gesellschaft bringen.
Laotse: Aus eins wird zwei, aus zwei wird drei, aus drei werden zehntausend Dinge.
Ernst Bloch: Der massvolle Lehrer wurde sichtbar als einer, der zurücktrat. Aber der eigentliche, der mystische Lehrer des Tao erschien dadurch, dass er verschwand.
Tschuang-Tse: Das, was die Dinge dazu macht, was sie sind, ist nicht in den Dingen beschränkt. Die Schranken der Dinge begrenzen nur ihre Dinglichkeit.
Novalis: Wir suchen überall das Unbedingte, und finden immer nur Dinge.
Martin Heidegger: Was ist in Wahrheit das Ding, sofern es ein Ding ist? Wenn wir so fragen, wollen wir das Dingsein - die Dingheit - des Dinges kennenlernen. Es gilt, das Dinghafte des Dinges zu erfahren.
Arno Schmidt: Am schnalzendsten schlägt der Aberwitz die rollenden Wahnsinnsaugen auf, wenn Stifter an sein Lieblingswort <Ding> gerät. - Schon früh hat eine alte Frau verkündet, «dass aus Heinrich einmal grosse Dinge werden würden»; wobei, abgesehen von dem völlig überflüssigen Plural, festgehalten sei: dass ein Mensch eben kein <Ding> ist!
Adalbert Stifter: Ich konnte das Ding nicht genug bewundern.
Rainer Maria Rilke: Und heute ist diese Eigenart in ihm so stark geworden, dass man fast sagen könnte, das Aussehen seiner Dinge sei ihm gleichgültig -
Adalbert Stifter: Welch ein hohes Ding die Schönheit sei.
Rainer Maria Rilke: Das Ding ist bestimmt, das Kunst-Ding muss noch bestimmter sein.
Arno Schmidt: Alle suchen bienig «Kunstdinge». Bilder erscheinen dem Helden «gewissermassen als kostbare Gegenstände, die da sind, und auf denen sich Dinge befinden».
Martin Heidegger: Worin besteht nun das Dinghafte dieser Dinge? Aus ihnen muss sich die Dingheit der Dinge bestimmen lassen.
Rainer Maria Rilke: Nur die Dinge reden zu mir. Rodins Dinge, die Dinge an den gotischen Kathedralen, die antikischen Dinge, - alle Dinge, die vollkommene Dinge sind. Sie weisen mich auf die Vorbilder hin; auf die bewegte lebendige Welt, einfach und ohne Deutung gesehen als Anlass zu Dingen.
Arno Schmidt: Es gibt Seiten im Nachsommer, auf denen siebenmal dies berüchtigte Ding herumaustert.
Paul Auster: Dies sind die letzten Dinge, schrieb sie.
Arno Schmidt: Selbst in der einzig=ledernen Szene der Liebeserklärung darf es zwanzigfach=ungeschlachten nicht fehlen. Und wenn er, immer wiederkehrend, wieder einmal ein Bäckerdutzend Details aufgetischt hat - schickt er unvermeidlich und erbarmungslos ein «und andere Dinge» hinterher.
Friederich Engels: Die im pflanzlichen und tierischen Körper erzeugten chemischen Stoffe blieben solche Dinge an sich, bis die organische Chemie sie einen nach dem andern darzustellen anfing; damit wurde das «Ding an sich» ein Ding für uns, wie z. B. der Farbstoff des Krapps, das Alizarin, das wir nicht mehr auf dem Felde in den Krappwurzeln wachsen lassen, sondern aus Kohlenteer weit wohlfeiler und einfacher herstellen.
Peter Handke: Früher in der Geschichte des Denkens gab es die Vorstellung von einem Ding «an sich», inzwischen vorbei, weil das Objekt sich nie an sich zeigen könne, sondern nur im Verein mit mir. Brockhaus: Das D. fand unter freiem Himmel, stets am Tage (Tagding, daher Taiding) zu bestimmten Terminen und an hergebrachtem Ort statt (Dingstätte), wo sich die Dingmannen versammelten; es diente zugleich als Heeresmusterung und Opferstätte.
Ralph Waldo Emerson: Hinter uns nehmen alle Dinge, wenn wir vorwärts schreiten, ein gefälliges Aussehen an, wie Wolken, die weit entfernt sind.
Samuel Beckett: Die Zahl der Dinge nimmt ab. Die Dinge machen sich überhaupt davon.
Wilhelm Busch: Geht's uns nicht so mit allen Dingen, denen wir gründlich zu Leibe rücken, dass sie grad dann, wenn wir sie mit dem zärtlichsten Scharfsinn erfassen möchten, sich heimtückisch zurückziehen in den Schlupfwinkel der Unbegreiflichkeit, um spurlos zu verschwinden, wie der bezauberte Hase, den der Jäger nie treffen kann?
Wilhelm Gundert: Wir Europäer mit unserem ganz einseitig positiven, auf Sein, Werden, und Tun gerichteten Wesen verfallen nur zu leicht der Gefahr der Blindheit für jene Möglichkeiten des Schönen, die nach der entgegengesetzten Seite hin liegen, nach der des Auflösens, Verflüchtigens, Verschwindens.
Wolfgang Hilbig: Es war seltsam, dass man Gefahr lief, aus der Welt zu fallen, wenn man sich für das Allereinfachste interessierte . . . und vielleicht sogar Gefahr, aus der Welt zu verschwinden.
Anaïs Nin: Ich konnte das Entschwinden der Dinge nicht ertragen. Alles Fliessen, alles Entschwinden, jede Bewegung löste erstickende Angst in mir aus.
Salman Rushdie: Das Glück hat so eine Art, einfach zu verschwinden.
Paul Cézanne: Man muss sich beeilen, wenn man noch etwas sehen will. Alles verschwindet.
Michael Buselmeier: Um 1974 fing ich wieder an, Gedichte zu schreiben, um wenigstens mich selbst vorm Verschwinden zu retten.
Fidel Castro: Die Partei herrscht ewig. Weder Karl Marx noch Wladimir Lenin noch Friedrich Engels sagten, dass die Partei eines Tages verschwinden sollte.
George Bush: Ich möchte, dass Saddam Hussein verschwindet.
Ludwig Wittgenstein: Die Lösung des Problems merkt man am Verschwinden dieses Problems.
Arno Schmidt: Aber zurück zu den Dingen: von dem hypothetischen Liebhaber seiner Schwester verkündet Heinrich «Er wird ein Ding sein, das sich in dem Hause allmählich gestaltet»: herzbrechend lustig ist es, dergleichen sagenhaftes Gefasele zu lesen!
Adalbert Stifter: Gott hat der Ausübung der Tugend einen eigenen Reiz gegeben, welchen Dingen die edlen Gemüter nachstreben.
Rainer Maria Rilke: Und je mehr die Dinge um ihn wuchsen, desto seltener waren die Störungen, die ihn erreichten -
Adalbert Stifter: Sicherheit und Vornehmheit ist nur ein Ding, welches man lernt.
Arno Schmidt: Erstens sind es zumindest zwei Dinge; und ausserdem sind es eben keine Dinge sondern Abstrakta!
Rainer Maria Rilke: Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. / Die Dinge singen, hör ich so gern. / Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. / Ihr bringt mir alle die Dinge um.
Arno Schmidt: Wenn heutzutage ein Autor dergleichen Dinge schriebe: steinigen würde man ihn!: Und mit Recht!
Peter Handke: In der Idee des Dings berühre ich, gleichsam mit Händen zu fassen, ein Gesetz: So wie das Ding im Augenblick sich zeigt, so ist es nicht bloss, so soll es auch sein. Und noch mehr: Das Ding erscheint in solch fundamentaler Müdigkeit nie nur für sich, sondern immer zusammen mit anderen, und wenn es auch nur wenige Dinge sein mögen, ist am Ende alles beieinander.
Arno Schmidt: Ein Vandale haust in Logik und Sprache!
Rainer Maria Rilke: Irgendwie muss auch ich dazu kommen, Dinge zu machen.
Martin Heidegger: Das blosse Ding ist eine Art von Zeug, obzwar das seines Zeugseins entkleidete Zeug. Das Dingsein besteht in dem, was dann noch übrigbleibt.
Rainer Maria Rilke: - aus dem Anfang einer Ahnung schon hat er Dinge gemacht und hat sie um sich gestellt, Dinge und Dinge.
Martin Heidegger: So kommt es, dass die herrschenden Dingbegriffe uns den Weg zum Dinghaften des Dinges sowohl als auch zum Zeughaften des Zeuges und erst recht zum Werkhaften des Werkes versperren.
Peter Rühmkorf: Klängklong! am schlimmsten ist immer der Schluss
- was schlagen die Glocken so knöchern? -
Weltuntergang - verschwindibus -
in welchen schwarzen Löchern . . .
Ulrich Holbein, der die Originalzitate montiert hat, ist Schriftsteller und lebt in Allmuthshausen, BRD.