|
|
Das grosse Folio-Rätsel
Mr X ist gefasst!
In Basel, Bern und Zürich war Mr X am 20. Dezember unterwegs. Elf Rätslerinnen und Rätsler jagten ihn. Wer ihn zuerst erwischte, gewann das halbe Kilogramm Gold – ein Luzerner schaffte es.
Basel: Richtig geraten, aber falsch gefragt
14 Uhr, Barfüsserplatz. Eine junge Frau spaziert mit einem kryptischen Plakat durch die Menschenmenge, zieht die Blicke Neugieriger auf sich. Aber nur ein Deutscher und zwei Basler können den Code dechiffrieren: Es sind Hinweise darauf, dass Mr X sich zwischen Aeschenplatz und Bankverein bewegt. Mr X, ausgestattet mit einem roten Schal als Erkennungsmerkmal, fühlt sich im Weihnachtsgewühl sicher. Aber bereits nach wenigen Minuten stürzt sich einer der Rätselfreunde auf ihn und spricht ihn an: „Spielen Sie beim Folio mit?“ Mr X, ganz in der Rolle, behält die Nerven und zuckt lediglich mit den Schultern. Verabredet war: Er muss als Mr X enttarnt werden. In der Folgezeit sprechen die Rätsler diverse ältere Männer mit roten Schals an – Mr X bleibt ungeschoren. Um 14 Uhr 30 kommt die Nachricht aus Bern: Mr X gefasst!
Beim anschliessenden Apéro in der Bahnhofsbrasserie kam es zu einem lebhaften Austausch. Der Deutsche war ein Mitglied des legendären Rätselforums Memac und ein echter CUS-Rätselveteran. Die beiden Basler hatten sich in einem Schweizer Forum organisiert und hatten schon letztes Jahr das Rätsel gelöst. Gelobt wurde der Schwierigkeitsgrad und die schöne Gestaltung des diesjährigen Folio-Rätsels. Und besonders der Finalmodus: ein echter Final für alle statt ein Losentscheid. Einig waren sich die drei vor allem in einem: Wir sehen uns nächstes Jahr!
Zürich: Richtig erkannt – aber nur aus dem Tram
Punkt 14 Uhr stehen drei Finalisten vor dem rätselhaften Plakat am Bellevue. Das Spielfeld zu entschlüsseln, ist für sie eine leichte Aufgabe. Schon nach 5 Minuten verschwinden die ersten beiden, die zusammen ein Team bilden, Richtung Limmatquai. Der eine zu Fuss, der andere im Tram. Wenig später bewegt sich auch die einzige Finalistin Richtung Spielfeld zwischen Helmhaus und Central. Ihr Partner muss leider krankheitshalber passen. Währenddessen verlässt Mr X ein erstes Mal das Tram am Helmhaus und macht sich zu Fuss auf den Weg zurück Richtung Central. Auf der Höhe des Stegs, der zwischen Rudolf-Brun-Brücke und Central über die Limmat führt, wird er von einem der Finalisten überholt, bleibt aber unerkannt. Wenig später wird Mr X wegen seines roten Schals und des braunen Trenchcoats von der Finalistin vom Tram aus erkannt, als er schnellen Schrittes flussaufwärts flüchtet. Doch bevor sie das Tram verlassen kann, erhält sie die Meldung aus der NZZ-Folio-Rätselfinal-Zentrale per SMS: «Game over - Mr X in Bern gefasst».
Beim gemeinsamen Apéro im Hauptgebäude der NZZ war die Stimmung trotz des verpassten Goldbarrens aufgeräumt. Alle drei Finalisten hatten schon letztes Jahr das Folio-Rätsel gelöst, doch kein Losglück gehabt und es deshalb nicht bis ins Finale geschafft. Diesmal klappte wenigstens das. Die heftigen Diskussionen um den mehrfach gesteigerten Schwierigkeitsgrad, sowie fachkundiges Austauschen der verschiedenen Lösungsprozesse liessen den Ärger über den verpassten Sieg in den Hintergrund treten. Wie meinte doch ein Vertreter des Teams Vincent Tscherter, Christian Fritz & Elisabeth Enggist: «Den Goldbarren haben wir nur ganz knapp verpasst - dafür kennen wir nun die paar Spinner und Spinnerinnen, die ebenfalls Ausserordentliches geleistet haben. Chapeau an alle!»
Bern: Gring ache u seckle
An der "Front" (für Nichtberner der Bundesplatz) ist der erste Treffpunkt für die fünf, die hier Mr X fassen wollen. Von da geht’s stante pede zum "Zytglogge", wo von BernMobil das Tagesticket verteilt wird und das Plakat die konkreten Hinweise zur Auffindung von Mr X gibt. Hat er nun tatsächlich einen roten Schal umgebunden? Ja, hat er. Aber mit ihm Hunderte von einkaufsbummelnden Bernern ebenso. Als wär’ die ganze Stadt im vorweihnachtlichen Getümmel auf Mr X eingestellt. Also ruhig Blut bewahren und sich nicht scheuen, von vielen Passanten mit rotem Halstuch ein müdes Lächeln und ein verdutztes Kopfschütteln auf die doch eher merkwürdige Frage zu erhalten: "Sind Sie Mister X?" Gring ache u seckle: Es gibt in der Tat einen Fotofinish. Samuel Burri kann im Menschengewirr als erster seine Frage an Mr X stellen. Kuno und Kay sind ihm dicht auf den Fersen. Aber halt eben nur auf den Fersen. Die beiden Detektivinnen, Elisabeth und Gaby, sind leider auf einer falschen Fährte und gesellen sich erst nach geschlagener Schlacht beim gemütlichen Apéro zu den Jägern.
Um 15 Uhr 30 trafen die Goldboten ein: Daniel Weber, der Folio-Chefredaktor, und CUS, der Rätselmacher, hatten sich in strategisch zentraler Position im Bahnhofbuffet Olten postiert und sich nach der Siegermeldung gleich den ersten Zug nach Bern geschnappt. Der Goldbarren verursachte viel Entzücken beim Gewinner und seiner Freundin. Und die Rätsellöser waren hoch erfreut, CUS leibhaftig kennenzulernen. Es gab viel Stoff für Fachsimpeleien, und in einem Punkt war man sich einig: Das Folio-Rätsel war das schwierigste Rätsel der Schweiz. Lösen konnten es nur die Cleversten. Und gewonnen hat nun schon zum zweiten Mal ein Berner. Zumindest ein Zugezogener. Dass er eigentlich ein Luzerner ist, wollte er jedenfalls festgehalten wissen.
|
|
|